
Ich weiß noch genau: Karstadt, das war was Besonderes, als wir Kinder waren. In der Stadt stand das Kaufhaus, und aus dem Vorot mit dem Bus dort hin zu fahren - das war was. Rolltreppe fahren, die große bunte Warenwelt bestaunen, ein paar Bonbons zum Selbstabwiegen kaufen - ein großes Erlebnis. Längst ist aus Karstadt in meiner Heimatstadt “Hertie” geworden - eines von vielen kleineren Häusern, verramscht an einen Finanzinvestor und nun selbst vor dem Aus stehend. Ob die Ausgliederung der Hertie-Häuser oder das Verhökern von Immobilien - im Ergebnis hat das alles nichts gebracht.
Karstadt hat seine Zeit gehabt. Aber man muss keine ordnungspolitischen Grundsätze bemühen und weder Abhandlungen zur Finanzmarktkrise noch zur Situation des Einzelhandels in Deutschland studiert haben, um zu spüren: Diese Zeit is vorbei. Wann war ich zuletzt in einem Karstadt-Warenhaus? Und was gibt’s dort, was ich nicht wahlweise in einem Discounter, in einem Elektronik-Fachmarkt oder in Kleidungsgeschäften mindestens ebenso gut und ebenso günstig bekommen könnte? Vom Internet ganz zu schweigen.
Mögen zu Karstadt auch Luxus-Kaufhäuser wie das KaDeWe gehören, mögen sich manche Häuser in Großstädten auch zu Konsumtempeln gemausert haben - verbindet man nicht dennoch mit Karstadt zu sehr den Charme der siebziger Jahre? Nichts gegen die Retro-Welle, die ja immer wieder mal rollt. Aber aus lauter Sentimentalität werden wir den Kaufhäusern auch nicht die Türen einrennen, oder?!
Man muss ja nicht unbedingt argumentieren, dass man Karstadt nicht gegen den Markt retten solle. Denn dass der Markt es nicht immer richtet, haben wir nun zu Genüge gemerkt. Aber gegen den Kunden hat Karstadt nun wirklich keine Chance.
Die HO-Kaufhallen haben schließlich auch nicht überlebt.