
Die Union will den Steuertarif ändern - zu Recht. Denn derzeit langt der Staat gerade bei Facharbeitern, bei der Mittelschicht zu. Hintergrund: Der Steuertarif, der “progressiv” ausgestaltet ist. Was sich so nach Fortschritt anhört, heißt nur, dass man auch prozentual von seinem Lohn mehr Steuern bezahlen muss, je mehr man verdient. (Und nicht nur in Euro und Cent.) Ist ja auch gerecht. Aber wenn man nur auf dem Papier mehr Geld kriegt, weil die Lohnsteigerungen von der Inflation aufgefressen werden, heißt das bei unverändertem Steuertarif: Man zahlt mehr Steuern, ohne über eine größere Kaufkraft zu verfügen. Und das ist dann schon nicht mehr so gerecht. Diese “kalte Progression” wollen CDU und CSU weiter abbauen, angefangen hat die Große Koalition bereits damit.
Gut so. Übrigens spricht man auch vom “Mittelstandsbauch” im Steuer-Tarif. Ich freu mich, wenn der verschwindet. Für meinen ganz persönlichen Mittelstandsbauch indes bleibt wohl nur der Weg ins Fitness-Studio. Und bis die Steuerkurve dann richtig abgeflacht ist, hab ich auch mein Waschbrett.
Tags: Steuern
Martin, sehr schön - auch der Vergleich mit dem Waschbrettbauch. Es gilt jedoch beim Abbau des Mittelstandsbauchs eines zu beachten: lediglich über eine Abflachung der Grenzsteuersätze (e.g. Steuerkurve) wird es sozialpolitisch kaum Sinn machen. Denn: was ist in der vergangenen Jahren unter Rot-Grün passiert? Spitzensteuersatz gesenkt - noch nie war dieser tiefer? So kommt es, dass derzeit Diskussionen aufkommen, die von einer übermäßigen Belastung der Normaleinkommensbezieher sprechen. Die Streckung des Tarifs (e.g. der Spitzensteuersatz greift später) hat dann aber auch zur Folge, dass der Tarif immer flacher wird… nähern wir uns dem einheitlichen Steuersatz?
Es ist alles nicht so einfach mit dem Steuersystem, finde ich. Die richtigen Antworten müssen noch gefunden werden.