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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

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Das gekaufte Schlaraffenland

Martin Kamp

muffin

Nun also Flatrate-Bordelle. Flatrates für das Telefon-Festnetz, fürs Handy und fürs Internet kennen wir schon länger, “All-you-can-eat”-Angebote in Restaurans und “All-inclusive”-Urlaube auch. Und Flatrate-Saufen hat schon zu manchen tragischen Exzessen geführt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Sexualdienstleistungen zum Festpreis angeboten würden. Dazu gäbe es einiges zu sagen - aus moralischer, ethischer, rechtlicher Sicht. Doch lassen wir das mal beiseite.

Spannend ist die Frage, warum sich alle Flatrate-Angebote so großer Beliebtheit erfreuen. Denn rechnen tun sie sich für den Verbraucher oft nicht. Wenn man den Pappbecher im Fastfood-Restaurant zum dritten Mal mit Kaffee gefüllt, den fünften widerlich-bunt-süßen Cocktail am Hotel-Pool runtergespült und zum sechsten Mal vom Kuchen-Büffet nachgenommen hat, reicht’s. Da merkt man dann, dass man zum Opfer seiner selbst wird. Man meint, man muss noch mehr essen oder trinken. Denn man hat ja schließlich dafür bezahlt.

Ökonomisch machen Flatrates Sinn, wenn die Grenzkosten für die Bereitstellung zusätzlicher Güter oder Dienstleistungen sehr niedrig sind. Für Telefongespräche mag das gelten. Existiert das Netz erst einmal, steht die Infrastruktur, so werden vermutlich für ein einzelnes, zusätzliches Telefongespräch kaum zusätzliche Ressourcen verbraucht. Aber für Speisen und Getränke in der Gastronomie? Die vierte Pizza, die ich bestelle, muss tatsächlich gebacken werden - mit Mehl und Hefe, mit Tomaten und Salami, mit der Arbeitskraft eines Pizzabäckers und mit der Energie für den Ofen; und ein Angestellter des Restaurants muss  mir die Pizza an den Tisch bringen. Da gehen also Ressourcen zuhauf drauf. Dennoch scheinen sich solche Angebote für Restaurants, Reiseveranstalter und andere Dienstleister zu rechnen.

Und das heißt: Viele Menschen fallen darauf rein. Warum? Sie machen sich selbst was vor. Sie überschätzen Hunger, Durst und anderes. Vor allem aber: Wenn sie den Festpreis zahlen, kaufen sie viel mehr als fünf Cocktails, sieben Stück Kuchen oder was auch immer: Sie kaufen sich das Schlaraffenland, zumindest auf Zeit. Vielleicht ist aber gerade das die desillusionierende Erfahrung aus allen “All-inclusive”- und Flatrate-Angeboten: Wo Milch und Honig fließen, ist die Magenverstimmung nicht weit.

Dieser Artikel wurde am Dienstag, 28. Juli 2009 um 22:21 erstellt und ist in der Kategorie Politik & Gesellschaft abgelegt. Antworten zu diesem Artikel können durch den RSS 2.0-Feed verfolgt werden. Es besteht die Möglichkeit auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.

2 Antworten zu “Das gekaufte Schlaraffenland”

  1. Thorsten Hupperts sagt:
    29. Juli 2009 um 19:24

    Die Schlaraffenland-Mentalität unserer Gesellschaft zeigt die Gier des kleinen und “großen” Mannes. Er kompensiert damit seinen gefühlten “Grenzwert”, er steckt damit seine realen Verdientsgrenzen ab. Seine ideellen Werte werden oft durch die Globalisierung sabotiert.
    Er hat das Bedürfnis durch Pauschalangebote das Maximum an Nutzen und Gewinn abzusahnen, einmal das Gefühl im Land, wo Milch und Honig fließt, live und hautnah mit zu erleben. Der Markt nimmt diese Nachfrage gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise wohlwollend und dankend an. Dabei vergisst er, dass ein Grenzprodukt des Wirtschaftens existiert. Wo Angebot und Nachfrage im Einklang sind und die Moral zum Zuge kommt , ist die Wertschöpfung ideal und die Soziale Markwirtschaft Marktwirtschaft kann sich zu einer bedeutenden Philsophie der Menschheit entwickeln.

  2. Casino 1250191282 sagt:
    14. August 2009 um 23:06

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