• Anmelden
 

Soziale Ordnung! Das Magazin der Christlich-Sozialen

Hier diskutieren die Christlich-Sozialen

« Hingucken!
Die Enzyklika »

Der Papst und die Piraten

Martin Kamp

copyright

“Caritas in Veritate”, die neue Sozial-Enzyklika aus Rom, ist aus vielen Gründen lesenswert.  Sie ist vor allem als Antwort des Papstes auf die Finanzkrise verstanden worden, sicher nicht zu Unrecht. Aber der Papst beklagt auch “übertriebene Formen des Wissensschutzes seitens der reichen Länder durch eine zu strenge Anwendung des Rechtes auf geistiges Eigentum, speziell im medizinischen Bereich”. Er liegt damit erstaunlich nahe bei der Piraten-Partei, die in ihrem Parteiprogramm von einem “veralteten Verständnis von sogenanntem geistigen Eigentum” spricht und sagt, “Patente auf Pharmazeutika haben …  zum Teil ethisch höchst verwerfliche Auswirkungen”.

Dass so unterschiedliche Institutionen wie der Vatikan und die Piraten-Partei in diesem Punkt ähnliche Auffassungen vertreten, mag Zufall sein. Und beide argumentieren gewiss von völlig unterschiedlichen Backgrounds aus. Der Papst ist vor allem in Sorge um die Krankheitsbekämpfung in Entwicklungsländern, während die Piraten alles, was mit geistigem Eigentum zu hat, unter Generalverdacht stellen; der Patentschutz für Arzneimittel ist dabei nur einer von vielen Punkten.

Nun bin ich nach wie vor der Auffassung, dass es in einer Marktwirtschaft klar definierter Eigentumsrechte bedarf und im Zeitalter der Wissensgesellschaft vor allem geistiges Eigentum geschützt werden muss. Ob Bücher, Musik oder Erfindungen – wenn sofort alles frei verfügbar wird, schwindet der Anreiz, Zeit, Geld und Kreativität zu investieren. Und dann gibt es eben weniger gute Romane, Lieder und technische Neuheiten.

Und dennoch  erlaube ich mir für einen Moment  auch die Frage, ob der Papst und die Piraten nicht eine viel grundsätzlichere Frage aufwerfen – die Frage nach einer Logik jenseits der marktwirtschaftlichen, nach einem neuen Verständnis von Arbeit, Produktivität und Eigentum. Die Piraten sprechen von der Freiheit des Wissens und der Kultur, der Papst betont an erstaunlich vielen Stellen seines neuen Lehrschreibens das “Prinzip der Unentgeltlichkeit”. Treffen sich hier mit der katholischen Kirche jene Institution, die schon immer vor Materialismus gewarnt hat, mit den Postmaterialisten? Benedikt wird damit noch lange nicht zum Teil der digitalen Bohème, und die Piraten werden dadurch nicht zu einer seriösen Partei. Aber nachdenken sollte man über diese Aspekte schon.

Tags: Entwicklungshilfe, Ethik, Sozial-Enzyklika

Dieser Artikel wurde am Freitag, 10. Juli 2009 um 23:16 erstellt und ist in der Kategorie Politik & Gesellschaft abgelegt. Antworten zu diesem Artikel können durch den RSS 2.0-Feed verfolgt werden. Es besteht die Möglichkeit auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.

3 Antworten zu “Der Papst und die Piraten”

  1. Sascha sagt:
    13. Juli 2009 um 16:48

    Sehr gewagte Thesen. Aber interessant.

    Die Frage, wie man “Geistiges Eigentum” schützen kann und gleichzeitig des wirtschaftlich Schwächeren zuführen kann, ist sehr schwierig – vielleicht sogar über formalisierte institutionelle Regelungen unlösbar. Die Diskussion ethischer Grundlagen des Wirtschaftens sind ein uraltes Thema, das nie an Aktualität verliert.

  2. Horst Kunz sagt:
    14. Juli 2009 um 17:54

    Hallo,
    sie sollten mit dem Begriff “Piraten”verantwortlicher und nicht so locker umgehen.
    Horst Kunz

  3. Martin sagt:
    14. Juli 2009 um 19:41

    Das stimmt. Der Begriff geht einem so locker über die Lippen. Aber wenn man dran denkt, was “echte” Piraten heute machen, sollte man in der Tat vorsichtiger sein. Danke.

Eine Antwort hinterlassen

Hier klicken, um die Antwort abzubrechen.

  • Schlagwörter

    Allgemeiner Mindeslohn Arbeit Arbeitsrecht Aufstockung Bank Banken Beratung Bildung Boni Datenschutz Demographie Einzelhandel Energeiwende Energie Entwicklungshilfe Ethik Familie FDP Finanzmarkt Fußball Gesundheit Gewerkschaften Kinder Kinderarbeit Krise Kunde Mindestlohn Mitarbeiterbeteiligung Parteien Rente Rente mit 67 Sonntagsschutz Sozial-Enzyklika Soziale Marktwirtschaft Sozialpolitik Steuern Stiftung Warentest Testkäufer Transferrechte Wachstum Wirtschaft Wirtschaftspolitik Wohlstand Wohlstand; Arbeitsmarkt; Wirtschaft
  • Kategorien

    • Leseecke
    • Politik & Gesellschaft
    • SO! nicht!
  • Seiten

    • SO! – Printausgabe
    • Die SO! regelmäßig im Abo
    • Anzeigen
    • Archiv
    • Impressum
    • Datenschutz & Privatsphäre
  • Archive

    • Februar 2012
    • Januar 2012
    • Juni 2011
    • April 2011
    • Januar 2011
    • Oktober 2010
    • Juli 2010
    • April 2010
    • März 2010
    • Februar 2010
    • Januar 2010
    • Dezember 2009
    • November 2009
    • Oktober 2009
    • September 2009
    • August 2009
    • Juli 2009
    • Juni 2009
    • Mai 2009
    • April 2009
  • Links

    • CDA Deutschlands
    • CDA gegen Kinderarbeit
    • CDA-Verlags GmbH
    • CDU Deutschlands

Soziale Ordnung! Das Magazin der Christlich-Sozialen is proudly powered by WordPress
Einträge (RSS) und Kommentare (RSS).