Papst Benedikt XVI in seiner neuen Enzyklika:
„Der Mensch ist Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft”
„Allen, besonders den Regierenden, die damit beschäftigt sind, den Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen der Welt ein erneuertes Profil zu geben, möchte ich in Erinnerung rufen, dass das erste zu schützende und zu nutzende Kapital der Mensch ist, die Person in ihrer Ganzheit - ist doch der Mensch Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft”, so steht es in Bezug auf frühere Lehrschreiben im Kapitel 25 der ersten Sozialenzyklika Caritas in veritate (Die Liebe in der Wahrheit) des jetzigen Papstes Benedikt XVI.
Papst Benedikt greift ausdrücklich pfadweisende Überlegungen der früheren Sozialenzykliken auf; von Leo XIII bis zu seinem Vorgänger Johannes Paul II. Eingebettet in die grundlegende Überzeugung, dass „der Mensch nicht etwa ein verlorenes Atom in einem Zufalls-Universum, sondern ein Geschöpf Gottes” ist, spricht der Papst eine überraschend deutliche Sprache bei überraschend klaren inhaltlichen Linien. Er schnürt um umfassendes Paket der Soziallehre und setzt Zeichen und Orientierung in der schwierigen Zeit der Wirtschaftskrise für alle, die Verantwortung tragen - ob in der Politik, in der Wirtschaft, in Gewerkschaften und Verbänden; ob als Finanzanleger oder Verbraucher.
Er widmet sich den großen gesellschaftlichen und sozialen Themen:
Im Einzelnen:
• Von der Arbeit muss man leben können.
Er fordert, allen Menschen Zugang zur Arbeit zu verschaffen und für den Erhalt der Arbeitsmöglichkeiten zu sorgen, zumal auch die wirtschaftliche Vernunft es erfordert, den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht zu untergraben. Er hebt die „Würde der Arbeit” hervor. Dazu gehört für den Papst, dass man die Bedürfnisse seiner Familie durch die Arbeit befriedigen kann.
• Ja zu Gewerkschaften und Tarifautonomie
Arbeitnehmervereinigungen sind für den Papst wichtiger den je, zumal Gewerkschaftsorganisationen heute auf Schwierigkeiten stoßen, die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten; Benedikt XVI fordert neue Formen des Zusammenwirkens der Arbeitnehmerorganisationen- nicht nur auf nationaler sondern auch auf internationaler Ebene. Das ist auch ein klares Ja zur Tarifautonomie.
• Keine Kinderarbeit
Eltern müssen in die Lage versetzt werden, ihre Kinder auf die Schule schicken zu können, ohne dass die Kinder selbst arbeiten müssen. Damit prangert Benedikt XVI ausdrücklich den Skandal der Kinderarbeit - vor allem in der dritten Welt - an.
• Kampf dem Hunger und dem Wassermangel in der Welt
Intensiv setzt sich der Papst mit dem Hunger in der Welt auseinander und fordert, dass die „strukturellen Ursachen”, die den Hunger in Teilen der Welt hervorrufen, beseitigt werden und die landwirtschaftliche Entwicklung der ärmsten Länder gefördert wird. Ebenso fordert er eine gerechte Agrarreform in den Entwicklungsländern und solidarische Finanzierungspläne internationaler Institutionen zu Gunsten der Entwicklungsländer. Der Papst fordert ausreichende Ernährung und Zugang zum Wasser als „allgemeine Rechte aller Menschen”.
• Der Markt ist nötig, aber er braucht Moral.
Ausführlich setzt sich die Enzyklika mit dem Markt auseinander und unterstreicht, dass der Markt den Prinzipien der ausgleichenden Gerechtigkeit unterliege. Wenn er die Prinzipien der Gerechtigkeit berücksichtige, sei er nicht in er Lage, für sozialen Zusammenhalt zu sorgen. Das Wirtschaftsleben muss das Gemeinwohl berücksichtigen, für den Ordnungsrahmen dazu muss die Politik sorgen - national und in der globalisierten Welt auch international.
Die „Wirtschaft braucht für ihr korrektes Funktionieren die Ethik”. Die Soziallehre der Kirche leiste hierzu einen besonderen Beitrag, der sich auf die Erschaffung des Menschen als „Abbild Gottes” gründet, eine Tatsache, „von der sich die unverletzliche Würde der menschlichen Person ebenso herleitet wie dertranszendente Wert der moralischen Normen”.
• Unternehmen tragen soziale Verantwortung.
Die Führung der Unternehmen darf nicht allein auf die Interessen der „Hauptaktionäre” achten, sondern muss auch die anderen Beteiligten berücksichtigen, die zum Leben des Unternehmens gehören: Arbeitnehmer, Kunden, Zulieferer. Scharf kritisiert der Papst die „kosmopolitische Klasse der Manager”, die finanzielle Ressourcen zur Spekulation verwenden und nur den kurzfristigen Gewinn suchen und sich nicht um den langfristigen Bestand des Unternehmens sorgen.
• Globalisierung ist weder gut noch schlecht.
Die Globalisierung ist weder gut noch schlecht, sie „wird das sein, was die Menschen daraus machen”. Der Papst macht deutlich, die „geplanten und ausgeführten Globalisierungsprozesse machen auf weltweiter Ebene eine noch nie da gewesene große Neuverteilung des Reichtums möglich; wenn diese Prozesse jedoch schlecht geführt werden, können sie hingegen zu einer Zunahme der Armut und der Ungleichheit führen sowie mit einer Krise die ganze Welt anstecken.” Der Papst ist überzeugt, dass die wirtschaftliche Globalisierung durch nationale und unternationale Politik gelenkt werden muss, um zu verhindern, dass die Globalisierung “de facto die Fundamente die Demokratie untergräbt”.
• Den Bund zwischen Mensch und Umwelt stärken
Der Papst fordert deutlich verringerten Energieverbrauch in den technologisch fortschrittlichen Gesellschaften und eine globale Verantwortung für die Umwelt. Wörtlich schreibt er: „Die Kirche hat Verantwortung für die Schöpfung und muss diese Verantwortung auch öffentlich geltend machen. Und wenn sie das tut, muss sie nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Gaben der Schöpfung verteidigen, die allen gehören. Sie muss vor allem den Menschen gegen seine Selbstzerstörung schützen”.
Tags: Ethik, Sozial-Enzyklika