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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

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Lasst die Läden sonntags zu!

Martin Kamp

einkaufswagen

Zugegeben, bequem ist es für mich schon, einen Lidl in der unmittelbaren Nähe zu haben, der an 365 Tagen im Jahr geöffnet ist - jeweils bis 21 Uhr. Nicht, dass man unbedingt Lust hätte, abends um 9 oder am Sonntagnachmittag dort shoppen zu gehen. Aber wenn man mal Milch, Mehl oder Eier vergessen hat, weiß man, dass man die Sachen auch sonntags kriegt. Das Angebot ist breiter, die Preise sind günstiger als an der Tanke.

Deshalb verbietet es sich für mich auch, mich aufs moralische Podest zu stellen und Ladenöffnungszeiten am Sonntag zu verdammen. Und die Kommerzialisierung des Sonntags zu beklagen, deshalb die Öffnung der Geschäfte zu verbieten und es zugleich für selbstverständlich zu halten, dass sich die Menschen am 7. Tag der Woche durch die virtuellen Warenhäuser von Amazon bis Ebay klicken, zeugt auch nicht gerade von Glaubwürdigkeit.

Holen wir also nicht die ganz große Moralkeule raus. Und dennoch: Lasst die Läden sonntags zu!

Wenn die Möglichkeit besteht, sonntags einzukaufen, wird sie auch genutzt. Übrigens ist das bei Lidl am Innsbrucker Platz in Berlin zu Genüge zu beobachten. Da wird am Sonntag eben nicht nur der fehlende Liter Milch gekauft, sondern da quälen sich Menschenmassen durch die Gänge und machen ihre Wochen-, ja Monatseinkäufe. Einmal abgesehen davon, dass die Wochenenderholung der Kunden spätestens dann dahin ist, wenn sie diese Einkaufstortur hinter sich haben: Muss man das den Beschäftigten zumuten? Muss man den Leuten im Berliner Einzelhandel zumuten, an den vier Adventssonntagen und insgesamt an zehn Sonntagen pro Jahr im Laden zu stehen?

Und was würde eigentlich fehlen, wenn man sonntags nicht mehr einkaufen gehen könnte?

Bedeutet es wirklich Lebensqualität, sich auch noch am Sonntag den Einkaufswagen mit Analogkäse und Plastikkeksen, mit Kunstschinken und zu Garnelen-Attrappen zusammengepressten Fischabfällen vollzustopfen? Macht es wirklich Spaß, sich auch noch sonntags durch Laminiergeräte, Silikon-Falttrichter oder Solar-Hausnummernleuchten (so tatsächlich bei Lidl gesehen!) und anderen Aktionsangebot-Ramsch, den keiner braucht, zu wühlen? Und was entginge einem eigentlich, wenn die tristen Volksbelustigungsfeste in den Shopping Malls, die an den verkaufsoffenen Sonntagen Kunden anlocken sollen -  vom Karibik-Tag bis zum Swing-Wochende -, nicht mehr stattfänden?

Nein, man braucht die Sonntagsöffnung nicht. Abgesehen von allen religiösen Argumenten: Der Sonntag bringt Ruhe, Muße, Erholung. Geöffnete Geschäfte stören da nur.

Und deshalb ist der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem (katholischen) Erzbistum Berlin viel Erfolg zu wünschen bei ihrer Klage vorm Bundesverfassungsgericht gegen die Sonntagsöffnung in Berlin.

Dann wären wenigstens die verkaufsoffenen Adventssonntage gekippt.

Der Lidl bei mir in der Nähe wäre davon wohl unberührt. Er ist in einem S-Bahnhof untergebracht, für ihn gilt eine Sonderregelung. Aber vielleicht stimmen da die Kunden doch mal mit den Füßen ab und bleiben weg. Und wenn man dann am Sonntag wirklich mal spontan zwei Eier braucht, kann man ja auch bei den Nachbarn klingeln.

Tags: Sonntagsschutz

Dieser Artikel wurde am Sonntag, 12. Juli 2009 um 20:42 erstellt und ist in der Kategorie Politik & Gesellschaft abgelegt. Antworten zu diesem Artikel können durch den RSS 2.0-Feed verfolgt werden. Es besteht die Möglichkeit auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.

9 Antworten zu “Lasst die Läden sonntags zu!”

  1. Sascha sagt:
    13. Juli 2009 um 16:49

    Sonntags ohne Fernsehen! Das wäre was!

  2. Martin sagt:
    13. Juli 2009 um 17:32

    Ohne Tatort und ohne Anne Will?

  3. Der Bruno sagt:
    15. Juli 2009 um 13:58

    Ich habe nichts dagegen Sonntags einkaufen zu gehen. Klar, es muss nicht der Wocheneinkauf sein. (Wobei, warum eigentlich nicht?) Ich verwehre mich gegen das Argument, dass man es der Belegschaft von Supermärkten nicht zumuten kann, an Sonntagen zu arbeiten. Mit dieser Argumentation kommt man dazu, dass man Sonntags beim Spaziergang nicht mehr stolpern und sich das Bein brechen, oder beim Einschlafen auf der Couch die Wohnung mit der aus dem Mundwinkel fallenden Zigarrette anzünden darf. Denn wer will es schon Ärzten, Sanitätern oder Feuerwehrleuten zumuten am Sonntag leben zu retten? Ja, ich polemisiere für mein Leben gern und ja, ich gehe auch in den Supermarkt, allerdings zu Edeka am Südkreuz oder zu Kaiser´s in den Hauptbahnhof, wenn ich meine Tüte Milch oder ähnliches vergessen habe und nein, ich habe kein schlechtes Gewissen dabei.

  4. Martin sagt:
    15. Juli 2009 um 19:46

    Klar, meine Frau, die Krankenschwester, argumentiert auch so: Warum sollen Verkäuferinnen es besser haben als Krankenschwestern und Feuerwehrleute? Der Unterschied: Feuerwehrleute braucht man auch am Sonntag, seine Milch kann man auch am Tag vorher arbeiten. Wobei ich zugeben muss: Eisverkäufer und Kellner - wirklich brauchen man die sonntags nicht. Aber verzichten will ich auf die Gastronomie am Sonntag auch nicht.

  5. Ikone sagt:
    16. Juli 2009 um 11:29

    Welch absurde Diskussion: Schaut man sich andere Metropolen an, so wird schnell klar – Deutschland schläft (zumindest am Wochenende). Am Ende soll es doch dem Verbraucher dienen, der vielleicht nicht die Zeit hat, während der „normalen Öffnungszeiten“ einzukaufen. Er möchte und sollte frei bestimmen können, wann, wo und bei wem er was kauft. 365/24/7.

  6. Devox sagt:
    1. Dezember 2009 um 11:36

    auchw enn das thema inzwischen angestaubt ist: es gibt keine echten gegenargumente zu einer Sonntags-Öffnung. Das ganze “ach die armen leute die da arbeiten müssen” gewäsch ist schwachsinn. ist ja nicht so als könnte der arbeitgeber über seine angestellten wie sklaven verfügen und sie fürs selbe geld wie bisher auch noch sonntags antanzen lassen. würde ja schon entlohnt & die Möglichkeit nicht jeden Sonntag kommen zu müssen besteht dann sicherlich auch. Dem einzelhandel würde es helfen, die herrschaften klagen ja ohnehin jedes Jahr aufs neue das niemand mehr bei ihnen einkauft. Ich würde profitieren da mir als arbeitswütiger zum einkaufen allein der Samstag bleibt… und wie Ikone es schon beschreibt: es ist nicht mehr zeitgemäß, und wird hoffentlich irgendwann genau so verschwinden wie die vor ein paar jährchen noch durchaus geläufige Mittagsschließung.

  7. Martin sagt:
    1. Dezember 2009 um 23:21

    Also, ich mag da altmodisch sein, aber für mich ist die Sonntagsöffnung immer noch etwas Anderes als die Öffnung werktags zwischen 12 und 15 Uhr. Meine Frau ist Krankenschwester, sie hat an vielen Sonntagen gearbeitet. In dem Job geht es nicht anders. Aber ist das ein Argument, die Sonntagsarbeit ohne Not auszuweiten? Und ob es dem Einzelhandel helfen würde? - Mehr Geld haben die Verbraucher durch die Sonntagsöffnung jedenfalls nicht im Portemonnaie.

  8. nietsch sagt:
    8. Februar 2010 um 16:01

    @ Vorredner Zitat” Mehr Geld haben die Verbraucher durch die Sonntagsöffnung jedenfalls nicht im Portemonnaie.”
    Das auf jeden Fall nicht! Und wenn die Martktwirtschaft den Sonntag aber für große Werbeaktionen et. Misbraucht, dann werden sich viele Menschen die Sonntagsruhe herbeiwünschen. Andersrum ist es für viele Arbeitnehmer eine neue Möglichkeit die Einkäufe besser zu regulieren. Gruss Artur Nietsch

  9. Lothar Lemke sagt:
    9. August 2010 um 14:36

    Als aktiver Christ lege ich besonderen Wert auf den Schutz des Sonntages.
    Durch den Sonntag unterscheidet sich unsere christliche Kultur von den Regelungen in anderen Weltregionen. Ein Tag der Besinnung, der Einkehr,
    der Gottesanbetung und der Pflege der Zusammengehörigkeit der Familie ist in unserer hektischen Zeit besonders wichtig.

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