
“Wie ein Riss in einer hohen Mauer”, so ist das “Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise” überschrieben. Die EKD nimmt damit Bezug auf einen biblischen Text des Propheten Jesaja. Dort geht es um einen Riss, der sich in eine hohe Mauer frisst, bis diese am Ende zusammenbricht.
Vieles in dem Papier hat man schon an anderer Stelle gehört, etwa die Forderung, dass die Finanzmärkte einer stärkeren Regulierung bedürfen oder dass Konjunkturpakete nachhaltig ausgestaltet werden sollen. Der Text ist aber deshalb so wertvoll, weil er zum einen die Schwächsten in den Mittelpunkt rückt: “Für die wachsende Zahl von Armen ist es besonders hart” schreibt der Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber schon im Vorwort. Und zum anderen zeigt die EKD über allen konkreten politischen Handlungsbedarf hinaus auf, wie wichtig Vertrauen für Wirtschaft und Gesellschaft ist. “Es geht nicht weniger um ein tragfähiges ethisches Fundament. Hier ist die gesamte Gesellschaft gefordert.” Und vom Vertrauen schlägt der Text die Brücke zum Gottvertrauen: Wer sein Vertrauen auf Gott setze, habe gute Aussichten, in Krisen standzuhalten. Und dann zitiert die EKD Dietrich Bonhoeffer: “Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen… In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden werden.”