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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Die christlich-soziale Online-Illustrierte

Archiv für den Monat August 2009

London calling

Sascha Brok

london

Manchmal ist es doch komisch im Leben: Der größte Bock wird zum besten Gärnter. So scheint es fast, wenn man den Meldungen aus London Glauben schenken darf. Adair Turner, Chef der Londoner Finanzaufsicht, möchte eine Sondersteuer auf Bankgeschäfte einführen. Als Grund führt er unter anderem “exessive Bezalung in einem aufgeblähten Finanzsektor” an. Das stimmt wohl: Die hohen Boni erlaubten so Manchem die unsinnig hohen Wohnungspreise in London zu zahlen und damit die Spekulationsblase weiter zu füttern. Zudem trug die Londoner City mit gut 12% übermäßig zum britischen Sozialprodukt bei - eine Schieflage, die derzeit korregiert wird.

Vielleicht sollte man an der schönen Spree in Berlin mehr “London” hören. Das hat uns Deutschen in der Vergangenheit auch nicht geschadet.

Tags: Finanzmarkt, Soziale Marktwirtschaft
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Popcorn und Partnerwahl - voll oder ermäßigt?

Martin Kamp

nachos

Kürzlich mal im Kino gewesen und Popcorn, Nachos oder Hotdogs gegessen? Oder waren Sie in letzter Zeit einmal Kunde einer Partnervermittlung? - Keine Angst, wir sind nicht neugierig, wollen weder Essgewohnheiten beim Filmegucken noch Ihr Liebesleben ausforschen.  Aber vielleicht interessiert es Sie, dass sowohl der Verkauf der Speisen im Kino als auch die Tätigkeit einer Partnervermittlung in der letzten Zeit das höchste deutsche Gericht, das für Steuerfragen zuständig ist, nämlich den Bundesfinanzhof, beschäftigt hat. Warum?

Ob Popcorn im Kino dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz oder dem normalen, vollen Steuersatz unterliegt, war ebenso strittig wie die Frage, wieviel  Mehrwertsteuer für “Kontaktlisten” anfällt, in der die Kontaktdaten von vermittlungswilligen Damen enthalten sind und die an partnerinnnensuchende Herren verkauft werden. An beiden Fällen wird deutlich, wie verkorkst das deutsche Mehrwertsteuerrecht ist.

Hintergrund: Es gibt einige Waren, für die ein ermäßigter Steuersatz bei der Umsatztsteuer (= Mehrwertsteuer) gilt, darunter Nahrungsmittel. Allerdings nur wenn die Lieferung im Vordergrund steht und nicht eine Dienstleistung - wie im Restaurant. Auch Druckerzeugnisse, also Zeitungen und Bücher, werden mit dem niedrigeren Satz von derzeit 7 Prozent besteuert.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Sowohl für Nachos und Popcorn im Kino als auch für die Listen mit den Daten der Damen gilt der geringere Satz, entschied das Gericht. Denn das Kino ist kein Restaurant, und eine gedruckte Liste ist ein Druckerzeugnis - selbst wenn sie so pikante Informationen wie die Kontaktdaten von Damen enthält.

Doch was sich so einfach anhört, wurde jeweils in mehreren Instanzen hin- und hergewälzt. Und selbstverständlich waren die Entscheidungen nicht.

Im Falle der Liste mit den Kontakdaten de Damen war abzuwägen, ob es sich um die Lieferung eines Druckerzeugnisses handelt oder um eine Dienstleistung. Hatte man für Männer, die eine Partnerin suchten, eine gezielte Vorauswahl getroffen, sie beraten? Dann wäre für diese Dienstleistung der volle Steuersatz fällig gewesen. Der Bundesfinanzhof sah es aber gerade anders, hielt die Listen für nichts weiter als bedrucktes Papier, vergleichbar mit Telefonbüchern. So heißt es in der Begründung des Gerichts unter anderem:

Die Kontaktlisten enthielten - nach Postleitzahlen geordnet - Adressen und Telefonnummern von kontaktwilligen Damen aus dem gesamten Bundesgebiet. Sie waren somit nicht auf die individuellen Wünsche (bspw. Wohnort, Alter, Größe, Figur, Augen- und Haarfarbe) des jeweiligen Interessenten zugeschnitten, sondern wurden für eine unbestimmte Anzahl von kontaktsuchenden Männern hergestellt.

Besonders interessant dann das Resümee:

Aus der Sichtweise des Durchschnittsverbrauchers unterscheidet sich die Kontaktliste insoweit nicht wesentlich von Adress- oder Fernsprechbüchern, die nach allgemeiner Ansicht unter Nr. 49 Buchst. a der Anlage zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 und 2 UStG fallen (vgl. Husmann in Rau/ Dürrwächter, Umsatzsteuergesetz, § 12 Abs. 2 Nr. 1 und 2 Rz 680; Huschens in Vogel/Schwarz, UStG, § 12 Abs. 2 Nr. 1 Rz 221; Langer in Hartmann/Metzenmacher, Umsatzsteuergesetz, § 12 Abs. 2 Nr. 1 Rz 122).

Im Falle des Verkaufs von Fingerfood im Kino hat der Bundesfinanzhof unter anderem die Frage zu klären gehabt, was die Klos in den Kinos steuuerechtlich zu bedeuten haben. Toiletten, Waschmöglichkeiten, Müllentsorgungung nach den Vorstellungen - diese “gesonderte Infrastruktur” hätte der Abgabe von Fingerfood ein “gaststättenähnliches Gepräge” geben können.

Der Bundesfinanzhof verwarf diese Auffassung, weil Vorhalten und Reinigen von Toiletten und Waschmöglichkeiten und die Reinigung der Kinosäle wegen des Kinobetriebs ohnehin erbacht werden müssten. Es seien keine besonderen Vorrichtungen vorgehalten worden, die den Verzehr an Ort und Stelle ermöglichen oder erleichtern sollten. Und wörtlich:

Die Kinobestuhlung allein ist keine besondere Verzehrvorrichtung.

Das Gericht erkannte zwar an, dass mit der Zubereitung des Popcorns eine Dienstleistung erbracht werde.

Die Klägerin hat das Popcorn, die Nachos und die Hot Dogs verzehrfertig zubereitet. Sie hat damit ein gewichtiges Dienstleistungselement erfüllt. Die Aufbereitung von Lebensmitteln in einen zu einem bestimmten Zeitpunkt verzehrfähigen Gegenstand ist nicht notwendig mit ihrer Vermarktung verbunden und deshalb bei der Gesamtbetrachtung dem Dienstleistungsbereich zuzurechnen (BFH-Urteil vom 18. Dezember 2008 V R 55/06, Deutsches Steuerrecht –DStR– 2009, 527).

Für die Feststellung, dass der Dienstleistungscharakter überwiege, müssten aber mindestens zwei Dienstleistungselemente vorliegen. Und das sei nicht der Fall.

Fazit: Ein Klo macht aus einem Kino noch lange kein Restaurant. Und bei der Partnervermittlung immer fertige Listen geben lassen und nicht eine individuell auf den Kunden zugeschnittene Auswahl - dadurch lassen sich Steuern sparen!

Etwas verwirrt und genervt von diesem Text und von den Feinheiten der Umsatzsteuer-Ermäßigung? - Da geht es Ihnen wie vielen.

Zu Recht schreiben CDU und CSU in ihrem Regierungsprogramm zur Bundestagswahl:

Wir wollen eine strukturelle Überprüfung der Vorschriften zur Mehrwertsteuerbelastung mit dem Ziel, nicht mehr zeitgemäße und für die Bürger nicht nachvollziehbare Belastungswirkungen zu korrigieren…

 

Tags: Steuern
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Der hohe Preis der falschen Preisgabe

Martin Kamp

login

Eine Umfrage des Verbraucherschutzministeriums zeigt: Über ein Viertel der Unternehmen nutzt das Internet, um Personalentscheidungen vorzubereiten. Und 36 Prozent der befragten Unternehmen geben an, sie informierten sich auch über soziale Netzwerke. In der Zusammenfassung der Studie heißt es:

Bei einem Viertel der Unternehmen kommt es vor, dass Bewerber wegen Informationen aus dem Internet nicht eingestellt werden. Für 56 Prozent kann jemand aber auch genau wegen der Informationen aus dem Internet interessanter werden.

Arbeitnehmer-Datenschutz ist also nicht nur eine staatliche Aufgabe. Sondern jede/r ist auch gut beraten, sich selbst zu schützen - durch eine sorgfältige Abwägung, welche Informationen über die eigene Person man öffentlich macht. Wer zu viel, wer das Falsche von sich preisgibt - dem drohen Nachteile.

Tags: Datenschutz
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Es bewegt sich was

Martin Kamp

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Die Krise als Katalysator: Erstaunliches und Erfreuliches lässt sich beobachten. Betriebsräte und Gewerkschaften sprechen viel über die Mitarbeiterkapitalbeteiligung. Auf der Homepage der IG Metall wird ein Beispiel dargestellt, wie aus Mitarbeitern Mitunternehmer werden. Auch VW-Betriebsratsvorsitzender Osterloh äußert sich im aktuellen Stern positiv. Da ist was in Bewegung geraten - von Opel bis Schaeffler.

Seit Jahrzehnten kämpft die CDA für die Beteiligung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In dieser Wahlperiode hat die CDA eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen durchgesetzt. Jetzt muss in den Betrieben gehandelt werden - im Interesse der Beschäftigten.

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Das Curry-Wurst-Theorem

Martin Kamp

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Vertrauen ist wichtig für die Wirtschaft. Wie schnell Blasen platzen und Kartenhäuser zusammenbrechen, wenn das Vertrauen fehlt, hat die Finanzkrise gezeigt. Karl Schiewerling, Bundestagsabgeordneter der CDA, hat den Zusammenhang im Gespräch mit der SO! jetzt an einem ganz plastischen Beispiel deutlich gemacht: “Wenn ich mir in der Pommes-Bude eine Curry-Wurst kaufe, muss ich mich darauf verlassen können, dass kein Rattengift daran ist. Und der Verkäufer muss darauf vertrauen, dass ich mir nicht die Wurst schnappe und davon renne. So ist das in vielen Bereichen der Wirtschaft. Das nenne ich das Curry-Wurst-Theorem.”

Tags: Ethik
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Extra-Rente für Extra-Würste?

Martin Kamp

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Renten-Bonus für Raucher? Belohnung fürs Schokoladen-Essen? Extra-Rente für Extra-Würste? - Was sich nach Vorschlägen aus Absurdistan anhört, ist in der privaten Rentenversicherung Realität. Spiegel-Online berichtet jetzt über Versicherungspolicen, die Versicherten mit einer geringeren Lebenserwartung eine höhere Rente zahlen. Und weil Raucher und Übergewichtige statistisch gesehen früher sterben, profitieren vor allem sie davon.

Versicherungstheoretisch macht das Sinn: Wer früher stirbt, bekommt auch weniger oft seine Monatsrente. Der Ökonom Friedrich Breyer sieht in den gleich hohen Monatsrenten in der gesetzlichen Rentenversicherung sogar eine große Ungerechtigkeit. Weil Geringverdiener eine geringere Lebenserwartung hätten, bekämen sie insgesamt auch zu wenig aus der Rentenversicherung heraus.

Doch dabei wird eines übersehen: Die gesetzliche Rentenversicherung ist keine Riskoversicherung. Folgte man Breyers Logik, müssten Frauen Rentenabschläge hinnehmen, weil sie länger leben. Aber gerade das wollen wir doch nicht. Geringverdienern muss man anders helfen: durch die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik. Dadurch, dass langjährige Beitragszahler eine Rente oberhalb der Grundsicherung erhalten.

Und durch Gesundheitsförderung - damit die Lebenserwartung steigt. Oder wollen wir tatsächlich Anreize dafür setzen, Raucherlungen und Fettleibigkeit vorsätzlich herbeizuführen?

Tags: Gesundheit, Rente
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Erst geladen, dann gefeuert

Martin Kamp

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Am Ende hat das Unternehmen doch noch die Kurve gekriegt. Eine Firma aus Oberhausen hatte einem Mitarbeiter fristlos gekündigt. Grund: Er soll sein Handy im Betrieb aufgeladen haben. Heute nun hat das Arbeitsgericht Oberhausen mitgeteilt, dass die Kündigung zurückgenommen worden sei. Zu offensichtlich war wohl, dass der Grund vorgeschoben, der “Schaden” durch den “Stromdiebstahl” nicht ernst zu nehmen war.

Denn um welchen Betrag geht es? So viel ist klar: Im Vergleich zu diesem Fall hat die Kassiererin E. aus Berlin mit ihrem mutmaßlichen Pflaschenpfand-Betrug in Höhe von 1,30 Euro ein Schwerstverbrechen begangen. Denn eine Handy-Ladung Strom kostet nur ein Bruchteil von einem Cent.

Wie kann man sich als Arbeitnehmer vor bösen Unterstellungen überhaupt noch schützen? Am besten nicht nur den Kaffee in der Warmehalte-Kanne mit ins Büro bringen. Sondern auch Feuchttücher und Plastiktüten. Denn wer weiß, ob einem sonst nicht irgendwann das Händewaschen und das Betätigen der Klospülung zum Verhängnis wird?

Tags: Arbeitsrecht
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Mehr als nur Buletten braten

Martin Kamp

pommes

Arbeiten bei McDonald’s - das ist mehr als nur Buletten braten und Pommes in die Friteuse stecken. In dem Fast-Food-Restaurant können junge Leute eine Berufsausbildung machen. In zwei Jahren kann man dort “Fachkraft im Gastgewerbe” werden, in drei Jahren sogar “Fachmann oder -frau für Systemgastronomie”. McDonald’s bildet in diesem Jahr bundesweit 1.100 Jugendliche aus. Dabei bekommen Abgänger von allen Schulformen eine Chance. Grund genug für den CDA-Bundesvorsitzenden Karl-Josef Laumann, seine diesjährige Ausbildungstour als nordrhein-westfälischer Arbeitsminister bei McDonald’s in Köln zu beginnen.

Der Minister besucht 15 Unternehmen und Betriebe in Nordrhein-Westfalen, die ihre Ausbildungsanstrengungen trotz Krise oder Kurzarbeit nicht zurückfahren. Einige investieren sogar mehr in Ausbildung. 

Karl-Josef Laumann appelliert an die Firmen, Jugendlichen eine Perspektive zu bieten. Er ist davon überzeugt, dass das auch im Interesse der Wirtschaft selbst liegt. Die Tour steht denn auch unter dem Motto: “Ausbildung gegen Fachkräftemangel - gerade in der Krise”. “Wer jetzt nicht am Ball bleibt und noch mehr ausbildet, steht nach der Krise ohne qualifizierte Mitarbeiter da”, sagte der Minister.

Tags: Bildung
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Schon, schön, Schonvermögen

Martin Kamp

Schon gehört? Auf einmal sind alle dafür: die SPD, der Arbeitsminister - und auch Guido Westerwelle. Alle wollen sie das Schonvermögen anheben. Schön so!

Schonvermögen - das ist das, was “Hartz-IV”-Bezieher behalten dürfen, ohne dass es auf ihr “Arbeitslosengeld II” angerechnet wird. Das, was sie zur Seite gelegt haben, meist fürs Alter. Derzeit liegt der Betrag bei 250 Euro pro Lebensjahr, maximal bei 16.250 Euro. Nicht viel - als Basis für eine private Zusatzrente reicht das auf jeden Fall nicht. Deswegen muss der Freibetrag für die Altersvorsorge rauf. Man kann den Menschen nicht permanent einreden, sie sollten vorsorgen - und ihnen das Geld dann im Falle der Arbeitslosigkeit wieder wegnehmen.

Dass nun  von Scholz bis Westerwelle alle daür sind, ist erfreulich. Doch das könnte längst Gesetz sein: Die Union fordert - auf Vorschlag von Jürgen Rüttgers und Karl-Josef Laumann - seit langem ein höheres Schonvermögen.

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