
Renten-Bonus für Raucher? Belohnung fürs Schokoladen-Essen? Extra-Rente für Extra-Würste? – Was sich nach Vorschlägen aus Absurdistan anhört, ist in der privaten Rentenversicherung Realität. Spiegel-Online berichtet jetzt über Versicherungspolicen, die Versicherten mit einer geringeren Lebenserwartung eine höhere Rente zahlen. Und weil Raucher und Übergewichtige statistisch gesehen früher sterben, profitieren vor allem sie davon.
Versicherungstheoretisch macht das Sinn: Wer früher stirbt, bekommt auch weniger oft seine Monatsrente. Der Ökonom Friedrich Breyer sieht in den gleich hohen Monatsrenten in der gesetzlichen Rentenversicherung sogar eine große Ungerechtigkeit. Weil Geringverdiener eine geringere Lebenserwartung hätten, bekämen sie insgesamt auch zu wenig aus der Rentenversicherung heraus.
Doch dabei wird eines übersehen: Die gesetzliche Rentenversicherung ist keine Riskoversicherung. Folgte man Breyers Logik, müssten Frauen Rentenabschläge hinnehmen, weil sie länger leben. Aber gerade das wollen wir doch nicht. Geringverdienern muss man anders helfen: durch die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik. Dadurch, dass langjährige Beitragszahler eine Rente oberhalb der Grundsicherung erhalten.
Und durch Gesundheitsförderung – damit die Lebenserwartung steigt. Oder wollen wir tatsächlich Anreize dafür setzen, Raucherlungen und Fettleibigkeit vorsätzlich herbeizuführen?
Tags: Gesundheit, Rente
Unfassbar! ExtraWürste sollte es für die geben, die auf Ihre Gesundheit achten und das Sozialsystem nicht ausnutzen. Leider ist es genau umgekehrt. Wenn ich den Spagat wagen darf: siehe Arbeitslosigkeit und Geld für nichts tun. Sollte es nicht umgekehrt sein?