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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Die christlich-soziale Online-Illustrierte

Archiv für den Monat September 2009

Keine Schokoladenseite

Martin Kamp

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Kinder essen Schokolade. Und Kinder schuften für Schokolade - auf Kakaoplantagen, vor allem in Westafrika. Wie ist die Situation auf den Kakaoplantagen, wie sind die Arbeits- und Lebensbedingungen der Farmer? Und vor allem: Was können Wirtschaft, Politik und Verbraucher in Deutschland zur Verbesserung der Lebensbedingungen tun? - Das ist das Thema der Studie “Die dunklen Seite der Schokolade” von Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut. Die Studie gibt es auch als Kurzfassung. Hütz-Adams hat das Papier für die ökumenische Initiative “Schokoladenaktion Aachen” erstellt.

Klasse Aktion, erstklassiges Papier.

Der Autor tritt durchaus für einen differenzierten Ansatz ein. Bloß die Kinderarbeit in den Focus zu nehmen reiche nicht aus. Die Kakaobauern bräuchten dauerhaft stabile Preise.

Gefordert sind alle Marktbeteiligten. Der Ausbau ländlicher Straßen und die damit verbundene Verbilligung der Transporte sowie der Ausbau von Lagerhäusern könnte den Anteil am Exportpreis, der derzeit beim Handel verbleibt, verringern und so die Einkommen der Bauern erhöhen (Gockowski 2008: 8). Hier sind die Regierungen der Anbauländer in der Pflicht. Armut ist die Hauptursache der Kinderarbeit. Die Zunahme der Kinderarbeit bei sinkenden Preisen ist ein eindeutiger Beleg für die Bedeutung der Schwankungen der Weltmarktpreise. Zugleich zeigt sich hier, dass ein punktueller Ansatz „gegen“ Kinderarbeit nicht zur dauerhaften Reduzierung der Kinderarbeit beitragen kann. Stabile Einkommen, die ein Auskommen der Familien sichern, liegen in der Verantwortung der gesamten Handelskette – und hängen letztlich stark vom Preis des Kakaos ab (ILRF 2008: 14).

 

Und der bloße Appell - so richtig er auch ist - fair gehandelte Schokolade zu essen, reicht nicht aus. Auch der Gesetzgeber ist gefragt: Unternehmen sollten verpflichtet werden, in ihrer Lieferkette dieEinhaltung internationaler Standards durchzusetzen - etwa die Kernarbeitsnormen der Vereinten Nationen. Zudem plädiert der Autor für eine Erweiterung desVerbraucherinfotmationsgesetzes.

Tags: Kinderarbeit
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Gutmenscheln mit Strichcode

Martin Kamp

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Kaufen mit gutem Gewissen - das ist schon seit langem nicht mehr nur etwas für Ökofreaks. Im Gegenteil: Immer mehr Verbraucher interessieren sich dafür, unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt worden sind. Welche Auswirkungen hat die Herstellung auf die Erderwärmung? Wie werden die Arbeitnehmer in der Firma behandelt? Müssen unter Umständen Kinder dafür schuften?

Nun muss man sich nicht mehr nur auf Siegel verlassen, wenn man mit gutem Gewissen shoppen will.

Einen ganz neuen Service bietet GoodGuide mit einer iPhone-Applikation. Da kann man den Strichcode eines Produktes eintippen - und bekommt umgehend Informationen über Produkt und Produktionsbedingungen geliefert. Dabei vergleicht GoodGuide 200 Datenbanken, in denen Infos über die Produkte enthalten sind. Darauf weist der Harvard-Psychologe Daniel Goleman in einem Interview mit “Cicero” hin.

So weit, so gut. Vielleicht könnte man noch einen Schritt weiter gehen. Wenn ein Produkt an der Kasse gescannt wird, werden die Infos über Umwelt- und Arbeitsbedingungen direkt  mit auf den Kassenbon gedruckt. Dann könnten die Beschäftigten von einigen  Discountern gleich lesen, wie schlecht sie selbst behandelt werden.

Tags: Ethik, Kinderarbeit
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“Vorwärts” rückwärts ins eigene Tor

Martin Kamp

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Der Ball ist ja wohl voll ins eigene Netz gegangen: Da wirbt der “Vorwärts” mit vermeintlich prominenten Unterstützern für Frank Walter Steinmeier, darunter die Chefs des DGB, der IG Metall und der IG BCE. Und dann stellt sich raus: Die Gewerkschaftsvorsitzenden sind zu Unrecht, ohne zu fragen, vereinnahmt worden. Das ist nicht nur ein Büro-Versehen in der Vorwärts-Redaktion. Es offenbart die Dreistigkeit in den Köpfen vieler Sozialdemokraten, die die Gewerkschaften als bloße Vorfeldorganisationen der Partei ansehen.

Es spricht für Michael Sommer und Kollegen, dass sie dieses Spiel nicht mitmachen und sich distanzieren. Gewerkschaften, die ihren Job richtig verstehen, müssen zwar in der Sache Druck machen - im Interesse ihrer Mitglieder. Aber sie dürfen sich parteipolitisch nicht vor einen Karren spannen lassen.

Tags: Gewerkschaften
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Die Ampel-Männchen

Martin Kamp

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Nun legen sie also los, die Gewerkschaften. Gewiss, sie machen keinen Wahlkampf. Aber sie warnen - vor Schwarz-Gelb. Klar, es ist legitim, dass die Gewerkschaften vor der Wahl auf ihre Themen aufmerksam machen. Klar, es gibt Probleme mit der FDP. Aber es ist zu hoffen, dass die Kolleginnen und Kollegen die sieben Jahre Rot-Grün noch nicht vergessen haben. Kampf gegen Lohndumping? - Fehlanzeige. Der wurde zwar von Norbert Blüm mit dem Bau-Mindestlohn noch begonnen, aber dann passierte erst mal nichts. Steuerentlastungen? - Ja, aber vor allem für große Kapitalgesellschaften. Arbeitslosengeld? - Bezugsdauer wurde verkürzt, erst später auf Druck der CDU in der Großen Koalition wieder ausgeweitet.

Wer gegen Schwarz-Gelb polemisiert, sollte nicht vergessen: Steinmeier will mit einer Neuauflage von Rot-Grün unter Einbeziehung der FDP Kanzler werden. Ob das im Sinne der Gewerkschaften ist? Eine Koalition der Ampelmännchen ist gewiss nicht das Trauumbündnis der Arbeitnehmer.

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Wahlkampf-Gesetzgebungsmaschine

Martin Kamp

Eines kann man den Beamten des Bundesarbeitsministeriums nun wirklich nicht vorwerfen - nämlich dass sie faul sind. Für ihren Chef machen sie eine Vorlage nach der anderen: am Freitag Gesetzentwurf zum Arbeitnehmerdatenschutz, am Dienstag Eckpunkte zur Mitarbeiterbeteiligung, nun ein Gesetzentwurf zur Entgeltgleichheit. Die Gesetzentwürfe werden zu einem Zeitpunkt vorgelegt, da die Gesetzgebungsarbeit des Parlaments längst eingestellt ist.  In zweieinhalb Wochen wird gewählt. Dann gibt es Koalitionsverhandlungen - und dann werden Gesetze gemacht.

Weil das auch Herr Scholz weiß, ist aber auch klar, was der eigentliche Zweck all der Vorlagen aus dem Hause Scholz ist: Sie sind Wahlkampfgeplänkel. Das ist nicht illegitim. Töricht  ist nur, Scholz auf den Leim zu gehen.

Das gilt erst recht bei einem weiteren Thema: Schonvermögen für die Bezieher von Arbeitslosengeld II. Hier haben die Sozialdemokraten über Jahre hinweg gemauert und blockiert. Wenn die SPD nun den Eindruck erwecken will, sie sei Vorreiter, ist das ein Treppenwitze der Geschichte der Sozialpolitik.

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Was man von Uli Hoeneß lernen kann

Sascha Brok

Bayern München ist wieder auf der Erfolgsspur - so scheint es zumindest. Für ein paar Millionen wurde ein weiterer internationaler Balljongleur verpflichtet, der sofort einschlug. Aus Investitionssicht bleibt zu hoffen, dass dies eine nachhaltige Entwicklung ist.

Doch es steckt noch mehr dahinter: Die Bundesliga hat dieses Jahr eine Rekordtransfersumme von weit über 200 Millionen Euro zu verzeichnen - und zwar immer konzentrierter auf wenige Vereine und wenige Spieler. Manch einer spricht gar von einer Zwei-Klassengesellschaft und fordert die Zentralvermarktung der Fussballrechte weiter zu verschärfen. Oder gar eine Gehaltsobergrenze für die Kicker-Elite!? Die Diskussion ähnelt in weiten Teilen auch der Diskussion um Gehaltsobergrenzen oder Boni von Spitzenmanagern. Diese haben - wie Ribery & Co - internationalen Ausnahmestatus und nutzen diesen, um sich Gehaltsvorteile zu verschaffen. Aus betrieblicher Sicht ist dies noch soweit in Ordnung, wie der Zusatznutzen die Zusatzkosten übersteigt. Für Uli Hoeneß wären das die Trikotverkäufe und der Gewinn der Champions-League. Nun ist aber offensichtlich, dass zumindest in letzterer Hinsicht vieles für Real Madrid spricht. Haben die Münchner also fehlinvestiert? Besteht gar nicht die Chance, die Investition wieder hereinzubekommen? Zahlen die Spieler ein Bußgeld, wenn man nicht Deutscher Meister wird? Vermutlich nicht. Die Mechnismen des internationalen Fussballmarktes sind andere. Und die in der Wirtschaft auch. Doch nachhaltig erfolgreich war und ist dieser Mechanismus nicht.

All das einzusehen fällt einem im Schalker Feld verorteten Fussball-Fan natürlich leichter. Und Uli Hoeneß bestimmt demnächst auch…

Tags: Boni, Fußball, Transferrechte
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