
Schön, dass wir an diesem 7. Oktober 2009 ein Jubiläum nicht zu feiern haben: 60 Jahre DDR. Vor 20 Jahren gingen Menschen auf die Straßen und in die Kirchen. Mit der zu Unrecht “Wende” genannten friedlichen Revolution brachten sie die Mauer zum Einsturz. Am 7. Oktober 1989 feierte die DDR ihr 40-jähriges Bestehen - ein geradezu grotesk-surreales Event. Seinen 41. Geburtstag sollte der Staat nicht mehr erleben.
Die Gewerkschaften feiern am 7. Oktober den internationalen Tag für menschenunwürdige Arbeit. Ein guter Tag. Dass Arbeit menschenunwürdig ist, muss immer wieder neu erstritten werden - vom Kampf gegen Kinderarbeit in Entwicklungs- und Schwellenländern bis hin zu betrieblicher Gesundheitsvorsorge in den Industrieländern. Und wenn wir nicht ab und zu die Bedeutung von Errungenschaften wie Kündigungsschutz, Mitbestimmung und Tarifautonomie betonen, wird allzu schnell vergessen, dass sie immer wieder bedroht sind.
Dass wir am selben Tag für menschenunwürdige Arbeit werben und auf die untergegangene DDR zurückblicken, ist ein Zufall des Kalenders. Aber es bietet Anlass, festzustellen, was der selbsternannte Arbeiter- und Bauernstaat gerade nicht war: ein Gemeinwesen, das für menschenwürdige Arbeit stand. Freie Gewerkschaften? Fehl am Platz. Und man denke nur an die Erhöhung der Arbeitsnormen, die dann zum Aufstand am 17. Juni 1953 führte.
Karl-Josef Laumann hat einmal erzählt, er habe kurz nach der friedlichen Revolution ein Pflegeheim in Mecklenburg-Vorpommern besichtigt. “Seit ich die Zustände dort gesehen habe, muss mir kein Kommunist mehr etwas von Sozialpolitik erzählen.”
Ich halte es für sehr wichtig, dass auch heute noch ein
realistisches Bild der DDR vermittelt wird.
Die Christenverfolgung durch den Stasi sollte nicht in
Vergessenheit geraten!