
Business Punk. Eine neue Zeitschrift liegt an unseren Kiosken aus. „Business Punk”. Zielgruppe sind - so stellt es das Heft selbst dar - Menschen, die hart arbeiten. Also ein neues Zentralorgan für Leiharbeiter, Müllmänner und Krankenschwestern? Ein Blatt, in dem sich Buchhalter, Stahlkocher und Kellner wiederfinden? Mitnichten. Wen man im Blick hat, schreibt die Redaktion schon im Vorwort zur ersten Ausgabe der Zeitschrift: Es handele sich um ein Magazin „für alle, die etwas bewegen und Erfolg haben wollen. Für die ein Job mehr ist als ein Job, weil er ihr Leben definiert und sie antreibt.” Schöne neue Arbeitswelt also. Am schönsten ist aber folgende Charakterisierung; „Für die Uhrzeiten nur eine Art Richtgeschwindigkeit sind und Schlaf ein notwendiges Übel.” Ach so.
Das gibt es Heerscharen von Kurzarbeitenden, die unter der Krise leiden, und zugleich Hunderttausende, die unbezahlt Überstunden schieben, die prekär beschäftigt sind, die aufgrund von Schichtarbeit unter massiven Schlafstörungen leiden. Aber das Land leistet sich ein Heft über „das laute, schnelle Leben, das hinter dem Business tobt. Und um Typen, die in Unternehmen etwas unternehmen.” Früher hätten wir gesagt, die Zielgruppe seien Yuppies. Aber der Ausdruck ist natürlich überaltet. Deshalb liefert die Redaktion gleich auch die Gattungsbezeichnung für ihre Zielgruppe mit - und so hat sie der Einfachheit halber auch ihr Magazin genannt: eben „Business Punks”. Wer solche Business Punks sind, sieht man an den Protagonisten des Heftes: Oliver Kahn etwa, der Xing-Gründer Lars Hinrichs oder Richard Branson, „die Ikone aller Businesspunks”.
Kein Klischee über die Jungen, Dynamischen und Erfolgreichen ist zu dumm, um nicht bedient zu werden. Da findet sich eine große Geschichte über die „Sexy Sekretärin - Die Versuchung im Vorzimmer”; da liest man, „Karriere ist wie Fußball: Manchmal braucht es ein taktisches Foul”; und da ist ein Verriss über Besprechungen zu lesen, die in „Business Punk” natürlich „Meetings” heißen. Und das Ganze nicht als Text, sondern als Schaubild. Das ist symptomatisch für das Magazin.Die Macher des neuen Magazins trauen ihren Lesern nämlich wohl nicht viel zu. Überall Bilder, Grafiken, optisch aufbereitete Informationshäppchen. Im Vergleich dazu ist der „Focus” die reine Bleiwüste. „Business Punk” - ein Wimmelbuch für große Kinder also.
Darin finden sich auch geradezu absurde Geschichten - etwa eine Übersicht von Liniennetzen öffentlicher Verkehrsmittel aus unterschiedlichen Metropolen, versehen mit dem Hinweis: „S- und U-Bahn-Pläne sind mehr als Wegweiser. Sie sind moderne Kunst, verraten fast alles über das Gefühl einer Stadt.” Nee, is klar. Ich versuche noch immer vergeblich etwas über das Gefühl der Stadt Berlin anhand der Linienverbindungen der U-Bahnen herauszubekommen.
Mag sein, dass das ganze Heft ironisch gemeint ist. Mag sein, dass es eine Pointe gibt - nämlich die, dass die Redaktion selbst nicht ernst nimmt, was sie in ihrem Heft inszeniert. Aber wenn „Business Punk” ein Witz sein soll, dann ist es ein schlechter.