
Der Deutsche Ethikrat provoziert mit einer Stellungnahme zur “anonymen Kindesabgabe”: Die seit 1999 bestehenden Babyklappen sollten geschlossen werden. Rund 500 Kinder seien seit der Einführung von Babyklappen zu Findelkindern dauerhaft anonymer Herkunft geworden – zu Menschen also, die nie erfahren, wer Vater und Mutter sind. Frauen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie ihr Neugeborenes aussetzen oder töten, würden ersten Erfahrungen zufolge vom Angebot der Babyklappen nicht erreicht. Die Zahl der neu geboreren Kinder, die jedes Jahr getötet bzw. tot oder lebendig ausgesetzt werden, hat sich dem Bericht zufolge seit Bestehen der Babyklappen kaum geändert. Der Ethikrat tritt für ein umfangreiches Hilfsangebot und die Möglichkeit der vertraulichen Kindesabgabe mit vorübergehend anonymer Meldung ein.
Doch ist das richtig? Gewiss, Kinder sollten wissen können, wer ihre Eltern sind. Aber sie müssen erst einmal die Chance erhalten, sich über ihre Herkunft Gedanken zu machen, indem sie leben, überleben. Und diese Chance können Babyklappen erhöhen. Die Zahlen, die der Ethikrat nennt, belegen nicht, dass die Babyklappen nichts gebracht haben: Wer weiß schon, was passiert wäre, hätte die Möglichkeit zur anonymen Kindesabgabe gar nicht betstanden?
Und es heißt, dass diejenigen, die ihre Kinder töten oder aussetzen könnten, von den Babyklappen nicht erreicht werden. Aber wenn das so ist – ist dann denn anzunehmen, dass diese Eltern auf sehr viel kompliziertere Angebote zurückgreifen?
Die Babyklappen sind nur ein allerletzter Ausweg. Vielleicht wird dieser letzte Ausweg aufgrund verbesserter anderer Angebote irgendwann gar nicht mehr beschritten. Aber verbaut werden sollte er nicht.
Tags: Ethik
Solange wir es nicht schaffen, dass verzweifelte Jungmütter auf eine Hilfelandschaft treffen, die ihnen wirklich Entlastung und Hife sein kann und
solange wir es nicht schaffen, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem verzweifelte Jungmütter ihre Verzweiflung artikulieren können und dann Hilfe erfahren,
solange lassen wir “unsere” Babyklappe offen.
Und wenn sie nur einem einzigen Kind in Deutschland das Leben retten, haben die Klappen einen wichtigen dienst erfüllt.
Frank Stefan
Diakonisches Werk Minden
Sehr geehrte S.O.,
unzaehlige kinderlose Ehepaare suchen unter Angebot von Unsummen
zu adoptierende Kinder aus fernen Laendern, weil sie im eigenen Land
offensichtlich kein Adoptivkind erhalten koennen.
Schon deswegen muss und sollten “unsere” Babyklappe offen bleiben.
Auch wenn nur ein einziges Leben durch die Babyklappen gerettet worden ist, rechtfertigt dies das Fortbestehen der Babyklappen. Lesen die berufenen Ethiker eigentlich keine Zeitung? Haben Sie noch nichts davon gehört, dass Babys in Recycling-Tonnen, Mülltonnen oder sonstwo von verzwefelten Müttern “entsorgt” wurden. Um das Recht auf Wissen über die Herkunft überhaupt geltend machen zu können, setzt dies das (Über-) Leben voraus! Fazit: Lasst die Babyklappen offen. Der Ethikrat hätte dagegen besser die Klappe gehalten.
Eine Babyklappe ist keine Alternative zum Adoptionsverfahren! Die strengen Regeln des Adoptionsverfahrens dienen dem Kind, eine sichere Zukunft in einer liebenden Familie zu finden.
Kinder in eine Babyklappe zu legen, setzt voraus, dass ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Und da liegt bereits der Fehler in dem Sinn und Zweck einer Babyklappe. Geschaffen wurde sie, um Kindstötungen unmittelbar nach der Geburt zu verhindern. Diese Taten sind jedoch Affekthandlungen. Dies wird Ihnen jeder Kriminologe und Psychologe bestätigen. D.h., dass Mütter die eine Kindtötung begehen würden mit dem Angebot der Babyklappe nie erreicht werden. Sondern zu den Kindstötungen kommen nun zahlreiche Findelkinder, die nie mehr (anders als bei der Adoption) die Möglichkeit haben werden herauszufinden woher sie stammen. Dies fördert starke psychische Schäden für ein ganzes Leben. Und dass der Ethikrat es sich mit seiner Stellungnahme nicht leicht gemacht hat, zeigen die zahlreichen Anhörungen. Aus den Protokollen auf der Homepage des Ethikrates können Sie die konkreten Zahlen der Kindstötungen und Kindsabgaben in Babyklappe und die sehr sorgfältige Abwägung der unterschiedlichen Argumente entnehmen.
Die Babyklappen müssen offen bleiben – selbst wenn der Ethikrat meint, sie würden nicht genügend “angenommen” – und wenn sie nur von einer Mutti genutzt werden, haben sie ihre Daseinsberechtigung! Mich regt es auf, dass Jeder, der sich berufen fühlt, irgend eine Meinung zu welchem Thema auch immer, über die Medien transportiert, die dann so kund getan wird, als wäre dies die Meinung aller hier in Deutschland. Deshalb ist es gut, dass es hier eine Möglichkeit besteht, kund zu tun, dass es auch “anders Denkende” gibt.
Auch wenn diese Kinder vielleicht nicht erfahren, wer ihre wirklichen Eltern sind – so haben sie aber die Chance in einer liebevollen Familie aufzuwachsen! Welche Alternative hätten sie ohne die Babyklappe….?
Was eine Babyklappe ist, weiß ich, bzw. wurde in den Nachrichten erklärt – aber was ist der ‘Deutsche Ethikrat’ und wer gehört ihm an? Wie ist die genaue Zusammensetzung und politische Einfärbung? Von welchen Lobbygruppen wird er beeinflußt? Und was gehen ihn die Babyklappen an, aufgrund welcher Vorkommnisse hat das geneigte Gremium gemeint, sich dieser Frage widmen zu müssen?
Wenn nur ein einziges Kind in mehreren Jahrzehnten dadurch bessere Überlebens- und durch Adoption dann Lebenschancen bekommen hat, hat die Babyklappe (hinter der sich übrigens Fachkräfte um das Baby kümmern, im Gegensatz zu offensichtlich belasteten Elternteilen) ihre 100%ige Berechtigung nachgewiesen. Ich sehe keinen Grund, an ihrer Existenz etwas zu ändern, ganz im Gegenteil.
Und: Ich möchte auch gern mal Zahlen wissen, wie viele adoptierte Menschen, die später ihre leiblichen Eltern kennengelernt haben, angeben, davon profitiert/nicht profitiert zu haben – ich bitte um Anführung von wissenschaftlichen Erhebungen – danke.
Der Deutsche Ethikrat ist ein unabhängiges Sachverständigen- und Beratungsgremium. Mehr bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Ethikrat
oder auf der Homepage des Rats http://www.ethikrat.org/ueber-uns