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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Die christlich-soziale Online-Illustrierte

Archiv für den Monat Dezember 2009

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Geklaut.

Martin Kamp

 klopapier

Ich komme aus einem kleinen Ort im Münsterland. Wir hatten dort eine allein stehende Nachbarin, die bewohnte ein kleines Haus - im Grunde war das ein ausgebauter Stall. Es wurde mit Kohlen geheizt. Eines Tages brannte das Häuschen. Die größte Sorge unserer Nachbarin war, dass der Dachboden auch Feuer fangen würde und die Feuerwehrleute ihr Geheimnis lüften könnten: Sie hatte den ganzen Dachboden mit Toilettenpapier voll gepackt -Papier, das sie über Jahre und Jahrzehnte hinweg von den Personal-Toiletten der Fabrik, in der sie arbeitete, mitgenommen hatte.

Daran musste ich denken, als ich heute in der Süddeutschen Zeitung das Interview mit der Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts Ingrid Schmidt las, in dem es noch einmal um Frikadellen und Maultaschen, um Pfandbons und andere Anlässe für Bagatell-Kündigungen geht. In dem Interview mit der Überschrift “Warum werden Klorollen mitgenommen?” heißt es:

Wie kommt man eigentlich dazu, ungefragt Maultaschen mitzunehmen? Oder eine Klorolle, oder stapelweise Papier aus dem Büro? Warum solche Eigenmächtigkeiten? Das hat was mit fehlendem Anstand, aber auch mit unerfüllten Erwartungen zu tun. Ein Arbeitnehmer erwartet doch von seinem Arbeitgeber nicht nur, dass er sein Geld bekommt. Er erwartet auch Anerkennung, und dass er wie ein Mensch behandelt wird. Aber umgekehrt ist es genauso: Ein Arbeitgeber erwartet, dass ein Arbeitnehmer das Interesse des Unternehmens mitdenkt.

Und auf sehr differenzierte Weise argumentiert Frau Schmidt gegen eine Bagatellgrenze für Kündigungen.

Ob das Toilettenpapier unserer Nachbarin seinerzeit in Flammen aufging, weiß ich übrigens nicht mehr. Ich war damals ein Kind. Eines weiß ich aber noch genau. Die Frage der Arbeitsgerichtspräsidentin war damals bei uns Dorfgespräch: Warum werden Klorollen mitgenommen?

Tags: Arbeitsrecht
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Geschenkt!

Martin Kamp

steuer-schenken

Erfreuliche Post erreichte uns heute von der Bezirksverwaltung in Berlin: Auch für unseren jüngeren Sohn sind - außer dem Verpflegungskostenanteil - ab Januar keine Kita-Gebühren mehr fällig. Für den älteren zahlen wir schon seit längerem nicht mehr. Denn das letzte Kita-Jahr ist schon seit einigen Jahren beitragsfrei. Ab 2010 muss man nun auch für das vorletzte Jahr keinen Eigenanteil mehr erbringen. Da der Jüngere im Sommer 2011 schulpflichtig wird, entfällt ab sofort der Beitrag.

Erfreulich?  Auf den ersten Blick ja: Satte 200 Euro im Monat sparen wir ab sofort ein. Und auch die CDA hat einige Papiere beschlossen, in denen die Beitragsfreiheit für Kitas gefordert wird. Aber wem hilft das? Da die Beiträge einkommensabhängig sind, zahlen Niedrigverdiener oder Arbeitslose schon jetzt kaum etwas oder gar nichts. Sie profitieren von der Neuregelung nicht. Wir indes sind durchaus in der Lage,  200 Euro zu zahlen, haben sie jetzt aber mehr zur freien Verfügung. Das ist schön für uns. Ob das aber so sinnvoll ist? Angesichts der Arbeitsbelastung vieler Erzieherinnen, ihrer nicht gerade üppigen Entlohnung und der leeren öffentlichen Kassen stellt sich die Frage, ob der Staat so gut beraten ist, auf diesen Eigenanteil einfach so zu verzichten. Klar: Kita-Beiträge sollen bildungsferne Schichten nicht abschrecken, das Angebot zu nutzen. Aber wenn die Beitragsfreiheit bloß den Bildungsbürgern ein höheres verfügbares Einkommen beschert, wird díeser richtige Grundgedanke ad absurdum geführt.

Tags: Familie
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Gegessen. Gelesen. Und jetzt?

Martin Kamp

rindfleisch

Nein, ich habe an den Weihnachtstagen nicht wie ein Asket gelebt. Es gab reichlich zu essen - und gut. Sylvester und Neujahr wird es - auch wenn der Speiseplan noch nicht steht - vermutlich nicht anders sein.  Kochen macht Spaß - und gutes Essen auch. Das habe ich mir bisher nicht von Fitnesspäpsten und Gesundheitsgurus vermiesen lassen (nicht einmal von Professor Lauterbach das Grillen!).

Und ich habe es immer für zu naiv gehalten, dass mein eigenes entwicklungspolitisches Engagement erst dadurch glaubwürdig werden soll, dass ich mein persönliches Essverhalten ändere. Charity-Galas à la Ute Ohoven haben mich zwar immer angewidert - Luxus-Events gegen den Hunger der Welt. Aber mit meiner “normalen Mischkost”, zu der auch Fisch, Fleisch und gelegentlich auch ein  Stück Rindfleisch gehört, wähnte ich mich doch immer in der ethisch unangreifbaren Ernährungsfraktion. Und das umso mehr, als das eine oder andere bei uns im Kühlschrank und in der Vorratskammer Bio- und Fairtrade-Siegel trägt. Genauso wenig war (und ist) es mein Ding, anderen wegen des Konsums etwa von Fleisch ins Gewissen zu reden. Mit anderen Worten: Wenn es in meiner Küche etwas Saures gibt, dann ist es Essig - und nicht Moralin.

Doch nun bin ich auf das Buch “Kein Brot für die Welt - Die Zukunft der Welternährung” gestoßen - und habe es geradezu verschlungen. Der Autor Wilfried Bommert  erläutert, wie der Klimawandel, Wassermangel und andere Umweltprobleme, die weiter steigende Weltbevölkerung und andere Umstände zu einer Welternährungskrise führen.

Besonders beeindruckend ist, wie er zum einen die Konkurrenz “zwischen Trog und Teller” und die Konkurrenz zwischen “Tank und Teller” beschreibt.

Trog und Teller - das ist der Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Getreidemangel bzw. hohen Getreidepreisen. Um die Jahrtausendwende wurden 40.000.000.000 Hähnchen pro Jahr gemästet. Jedes Hähnchen

“hat zuvor rund drei Kilo Getreide gefressen, um auf sein Gewicht zu kommen. Jedes Kilo Schweinefleisch zusätzlich schlägt mit bis zu vier Kilo Getreide zu Buche und jedes Kilo Rindfleisch sogar mit bis zu neun Kilo Getreideverbrauch.”  (S. 157)

Vereinfacht ausgedrückt: Die Tiere, zumal die Kühe, essen das, was zum Backen von Broten besser verwendet würde.

Tank und Teller - da geht es um Folgendes:

“Wo Pflanzen für Biosprit angebaut werden, können keine Nahrungsmittel wachsen.” (S. 265)

Das sind nur zwei kurze Auszüge aus dem lesenwerten Buch. Es überzeugt dadurch, dass es nicht ideologisch daher kommt, sondern Fakten liefert - und das zuhauf. Es will in erster Linie Wissen vernitteln und nicht ans Gewissen appellieren - und gerade deshalb stellt sich der Leser nach der Lektüre die Frage, was er ganz persönlich ändern sollte.

Wilfried Bommert: “Kein Brot für die Welt- Die Zukunft der Welternährung”, Riemann-Verlag, München 2009.

Tags: Entwicklungshilfe, Ethik, Gesundheit
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Flashmob in Karlsruhe

Martin Kamp

menge

Der Einzelhandel will vor dem Bundesverfassungsgericht gegen Flahmobs klagen, wird heute berichtet.

Doch was ist überhauptt ein Flashmob?

Der Wikipedia-Eintrag zu “Flashmob”  beginnt so:

Der Begriff Flashmob (flash - Blitz; mob - von mobilis - beweglich) bezeichnet einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer üblicherweise persönlich nicht kennen und ungewöhnliche Dinge tun.

Im Einzelhandel sah ein Flahmob 2007 so aus: Im Rahmen eines Arbeitskampfes kamen Dutzende von “Kunden” in eine Filiale, kauften zuhauf billige Waren, verstopften die Kassen und füllten zudem noch Einkaufswagen - und ließen sie stehen. Ver.di hatte das in einer Supermarktfiliale organisiert - auch vor dem Hintergrund, dass der Streik durch Streikbrecher in der Filiale unterlaufen wurde.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hatte das im September bereits für zulässig erklärt. Klar: Der Betriebsablauf wird dadaurch gestört - aber das liegt in der Natur von Arbeitskämpfen; ja, es  ist gerade Sinn und Zweck von Arbeitskampfmaßnahmen wie etwa Streiks, den Betriebsablauf zu stören. Das BAG hat mithin zu Recht festgestellt:

Allerdings greift eine derartige „Flashmob-Aktion” in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb des Arbeitgebers ein. Ein solcher Eingriff kann aber aus Gründen des Arbeitskampfes gerechtfertigt sein. Gewerkschaftliche Maßnahmen, die zur Durchsetzung tariflicher Ziele auf eine Störung betrieblicher Abläufe gerichtet sind, unterfallen der durch Art. 9 Abs. 3 Grundgesetz gewährleisteten Betätigungsfreiheit der Gewerkschaften. 

Warum die Einzelhändler das nun nach Karlsruhe bringen wollen, ist nicht einsichtig.  Anstatt ihre Energie auf einen solchen Rechtsstreit zu verwenden und die Verfassungshüter mit einem weiteren Thema zu belästigen, sollten sie lieber darauf hinwirken, dass im gesamten Einzelhandel ordentliche Arbeitsbedingungen herrschen.

Tags: Arbeitsrecht, Einzelhandel
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Weihnachtsgeld für “Hartz-IV”-Empfänger?

Martin Kamp

weihnachtsgeld

Weihnachtsgeld auch für die Bezieher von Arbeitslosengeld II? - Das kann sich Gerald Weiß durchaus vorstellen.

„Ich denke, dass das eine sinnvolle Sache sein kann. Mit einem kleinen Weihnachtszuschuss könnten Hartz-IV-Empfänger Heiligabend gelassener entgegensehen“, sagte der erste stellvertretende CDA-Bundesvorsitzende Weiß der „Bild“-Zeitung. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bedeute auch, dass man sich kleine Weihnachtsgeschenke leisten kann.

Weiß sagte weiter: „Wenn man die Idee des Weihnachtsgeldes aufgreifen will, dann muss man aber von der Pauschalierung im Arbeitslosengeld II Abschied nehmen und zum System der alten Sozialhilfe zurückkehren.“

Was halten Sie von dieser Idee?

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Wünsch Dir was…

Martin Kamp

welt_stock_2010

Weniger Steuern. Mindestlohn in der Zeitarbeit. Ein Ende der Kinderarbeit weltweit. Schutz für das Klima. - Was ist Ihr Wunsch an die Politik für das neue Jahr? Welche Erwartungen für das Jahr 2010 würden Sie als Bundeskanzler/in in einer Sylvesteransprache formulieren? Schreiben Sie es auf, indem Sie die Kommentarfunktion nutzen.

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Ich will Feuerwehrmann werden!

Sascha Brok

Die Finanz- und Wirtschaftskrise treibt immer neue Blüten. Und das ist positiv. Wenig bleibt auf dem Alten stehen: Boni-Banker stehen auf der öffentlichen Agenda, um es noch neutral zu formulieren. Kurzarbeit rettet uns über die Nachfragekrise und künftigen Mangel an Facharbeitskräften hinweg. Keynes stabilisiert den Autoverkauf über Abwrackprämien. Finanztransaktionssteuern sollen (globalen) Finanzbedarf sichern… und und und!

Kurz: die ökonomische Theorie und allgemeine Wirtschaftspolitik steht auf dem Prüfstand, ja vor einer Gezeitenwende. Dies geht gar so weit, dass eine britische (!) Studie die gesellschaftliche Bedeutsamtkeit der Reinigungskraft und der Entsorgungswirtschaft höher einschätzt als die des Steuerberaters. Als hätten wir es nicht schon immer gewusst: Nur gemeinsam geht es. Dafür essentiell ist die Würde jeden einzelnen Menschen. Wenn das die Lehre aus der Krise sein sollte, wäre viel gewonnen und die CDA mitten drin - statt nur dabei!

Hier der link zur Studie.

Tags: Wirtschaftspolitik
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Frikadelle - Bagatelle?

Martin Kamp

frikadelle

Nun kennen wir sie alle, die Fälle - die Kündigungen wegen geklauter Maultaschen und einer gemopsten Frikadelle, wegen eines aus dem Müll gefischten Kinderbettes und wegen des Aufladens eines Mobiltelefons. Zu Recht haben wir uns darüber empört. Denn egal, was an den Vorwürfen jeweils dran wahr - verhältnismäßig ist eine Kündigung meist nicht. Denn mit einer solchen Kündigung wird sogleich eine Existenz vernichtet. Und der Rechtsgrundsatz “Im Zweifel für den Angeklagten”  gilt im Arbeitsrecht eben auch nicht uneingeschränkt, Verdachtskündigungen sind möglich.

Macht es deshalb Sinn, eine Bagatellgrenze einzuführen - die bei 2, 5 oder 25 Euro liegen kann? Wer etwas mitgehen lässt, das einen geringeren Wert als den gesetzlich festgelegten hat, käme dann mit einer Abmahnung davon.

Eine solche Grenze könnte die Arbeitsgerichte entlasten. Aber richtig muss sie deshalb nicht sein. Denn ob ein Diebstahl eine Bagatelle ist oder nicht, mag strafrechtlich vom Wert abhängen - arbeitsrechtlich aber nicht unbedingt. Entscheidend ist, ob und in welchem Umfang das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zerstört ist. Und gefährlich ist vor allem, dass Arbeitgeber jeden Diebstahl, der oberhalb einer wie auch immer gearteten Grenze liegt, als Persilschein für Kündigungen auffassen könnten. Wie will man eigentlich vermitteln, dass jemand, der etwas für 4,99 Euro klaut, abgemahnt wird; derjenige aber, der etwas im Wert von 5,01 Euro mitnimmt, rausfliegt?. Diese 2 Cent entscheiden nicht nur darüber, ob eine Strafe etwas höher ausfällt oder niedriger - sie entscheiden über Sein oder Nicht-Sein, das heißt über Job oder Jobverlust. Auch das ist nicht verhältnismäßig.

Es kommt also auf den Einzelfall an.  Es geht vor allem darum, dass Arbeitgeber nicht Vorfälle konstruieren, um missliebige Beschäftigte loszuwerden; das wird sich aber nicht mit einer Bagatellgrenze regeln lassen, sondern hat in erster Linie mit Anstand zu tun. Es geht um Arbeitsgerichte, die die Gesamtsituation der Betroffenen würdigen. Es geht darum, dass bei einer Kündigung, wenn es sie denn gibt, schon handfeste Beweise für ein Fehlverhalten gefordert werden sollten. Und vor allem geht es um mehr Sicherheit für Arbeitnehmer, um weniger prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Das aber lässt sich nicht durch eine Bagatellgrenze für einen Mitarbeiter-Diebstahl erreichen.

Tags: Arbeitsrecht
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30-Prozent-Turm, neue Ufer

Martin Kamp

wendeltreppe

Der CDA-Bundesvorstand hat einen Beschluss zur Volkspartei CDU gefasst. Grundlage ist ein Thesenpapier von Karl-Albert Eßer. Der Titel: “Verharren im Dreißig-Prozent-Turm oder Aufbruch zu neuen Ufern?”

Die CDU hat als einzige politische Kraft im Parteiensystem die Chance, durch eine werteorientierte, integrierende Politik breite Bevölkerungskreise aus den unterschiedlichsten Schichten zu erreichen und auch zu binden. Dies wird ihr aber nur gelingen, wenn sie die Stärke aufbringt, die auseinanderlaufenden gesellschaftlichen Entwicklungen in einem offenen Diskussionsprozess wieder zusammenzuführen.

Eßers sieben Thesen lauten:

  1. Die CDU muss Integrationspartei bleiben.
  2. Die Politik der CDU muss auf erkennbaren Grundwerten beruhen.
  3. Die CDU muss die Partei der Sozialen Marktwirtschaft bleiben.
  4. Die CDU muss die Partei der Arbeit sein.
  5. Die CDU muss die Bildungspartei sein.
  6. Die CDU muss die Familienpartei bleiben.
  7. Die CDU muss die Europapartei bleiben.

Das komplette Papier kann man runterladen.

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Nicht von Volkspartei reden – Volkspartei sein!

Dennis Radtke

prozent

Regelmäßig wird auf Veranstaltungen der CDU proklamiert: Unser Ziel heißt 40 + X! - Dieses Ziel auszugeben ist so richtig, wie es ehrgeizig ist. Man sollte jedoch nicht nur davon reden, wir müssen dieses  Ziel auch leben.

Für uns als Junge CDA ist klar: Wer 40 + X will, der muss auch Politik für 40 + X machen. Aus unserer Sicht ist die CDU eben mehr als ein bloßes Netzwerk und die Summe von Funktionärseliten – die CDU ist immer noch ein Spiegel unserer Gesellschaft, der alle Schichten und Altersklassen unserer Gesellschaft in sich vereint. Unsere Basis, die diese Vielfalt widerspiegelt, muss in Zukunft wieder stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden und insgesamt in ihrer Arbeit höher wertgeschätzt werden als bislang. Hierzu wünschen wir uns eine breit angelegte Debatte in der Partei, denn eines muss unbedingt gelingen: den konsequenten Abwärtstrend bei Wahlen stoppen. Wir haben als Partei eine Seele, wir haben Geschichte und Tradition, wir haben unterschiedliche Flügel. All dies muss bei unserer politischen Ausrichtung aber auch deutlich werden, denn ansonsten werden wir das gleiche Schicksal erleiden wie die SPD. Die SPD hat ihre Basis und ihre Vielfalt ignoriert und schlussendlich ihre Seele verkauft. Für die dringend notwendige Debatte in unserer Union stellen wir daher folgende Punkte zur Diskussion:

  • Flächendeckende Einführung des Mitgliederprinzips auf Kreisverbandsebene bei der Wahl von Vorständen und der Aufstellung von Kandidaten.
  • Regelmäßiges Durchführen von Regionalkonferenzen, um abseits von Parteitagen unserer Basis unsere Politik und unsere Marschrichtung zu erläutern.
  • Zurückeroberung des vorpolitischen Raumes: Die Kreisverbände bzw. Kreisvorstände sollte gezielt darauf achten, dass Funktionsträger der CDU auch Funktionen in Vereinen und Verbänden übernehmen.
  • Stärkung der Vereinigungen: Die verschiedenen Vereinigungen der CDU leisten wichtige Kontaktpflege und sind maßgeblicher Motor der innerparteilichen Diskussion und einer der Wichtigsten Trümpfe bei der Werbung von Neumitgliedern. Die ständige Rückführung der finanziellen Zuwendungen sollte gestoppt werden und stattdessen im Umkehrschluss die Konzentration unserer Aufwendungen werden.
  • Internetoffensive durch Schulungsangebot für Funktionsträger, wie die sozialen Foren im Internet(z.B. Facebook, MeinVZ, Wer-Kennt-Wen) genutzt werden können,  um unsere Politik im immer stärker frequentierten World Wide Web an den Mann und an die Frau zu bringen.
  • Rückkehr zur klaren Wertorientierung: Nicht alles darf der Ökonomisierung unserer Gesellschaft geopfert werden. Wenn es der CDU nicht gelingt, bei Themen wie z.B. Schutz des ungeborenen Lebens klar Farbe zu bekennen, wird unser Rückhalt in kirchlichen Kreisen weiter schwinden.
  • Moderner Konservatismus durch Rückbesinnung auf unsere Wurzeln: Verunsicherung von Arbeitnehmern durch die Forderung nach Lockerung des Kündigungsschutzes und einseitiges Abwälzen von steigenden Sozialkosten auf Arbeitnehmer hat nichts mit modernen Konservatismus zu tun, sondern ist inhaltlich falsch und strategisch fatal. Moderner Konservatismus sollte sich nicht an Thatcherismus oder an der Politik von Ronald Reagan orierntieren, sondern an dem, was unser Land stark gemacht: Die Soziale Marktwirtschaft als Ausfluss von katholischer Soziallehre und evangelischer Sozialethik. Wer sich auf christliche Werte beruft, der muss auch anerkennen, dass der Mensch eben mehr ist als eine disponierbare Ware auf dem Arbeitsmarkt und ein Erfüllungsgehilfe der Wirtschaft bei der Realisierung von Unternehmenszielen. Das muss die Richtschnur unserer Politik sein.
  • Verbindung von Tradition und Moderne: Die große Klammer des Antikommunismus ist durch den Zusammenbruch des Ostblocks weggefallen. Als neue Klammer sollten wir das Bestreben sehen, uns dauerhaft als die letzte Volkspartei Deutschlands zu etablieren, in der offen und kritisch diskutiert wird, in der unterschiedliche Auffassungen zu Sachthemen kein Malus, sondern ein Bonus sind, in der das einzelne Mitglied Einfluss auf Entscheidungen nehmen kann und in der auch in Zukunft die ganze Breite unseres Volkes widergespiegelt wird. Den Status als Volkspartei zu erhalten ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Teil jener Staatspolitischen Verantwortung, die nur wir zu  tragen im Stande sind.

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