
Erfreuliche Post erreichte uns heute von der Bezirksverwaltung in Berlin: Auch für unseren jüngeren Sohn sind - außer dem Verpflegungskostenanteil - ab Januar keine Kita-Gebühren mehr fällig. Für den älteren zahlen wir schon seit längerem nicht mehr. Denn das letzte Kita-Jahr ist schon seit einigen Jahren beitragsfrei. Ab 2010 muss man nun auch für das vorletzte Jahr keinen Eigenanteil mehr erbringen. Da der Jüngere im Sommer 2011 schulpflichtig wird, entfällt ab sofort der Beitrag.
Erfreulich? Auf den ersten Blick ja: Satte 200 Euro im Monat sparen wir ab sofort ein. Und auch die CDA hat einige Papiere beschlossen, in denen die Beitragsfreiheit für Kitas gefordert wird. Aber wem hilft das? Da die Beiträge einkommensabhängig sind, zahlen Niedrigverdiener oder Arbeitslose schon jetzt kaum etwas oder gar nichts. Sie profitieren von der Neuregelung nicht. Wir indes sind durchaus in der Lage, 200 Euro zu zahlen, haben sie jetzt aber mehr zur freien Verfügung. Das ist schön für uns. Ob das aber so sinnvoll ist? Angesichts der Arbeitsbelastung vieler Erzieherinnen, ihrer nicht gerade üppigen Entlohnung und der leeren öffentlichen Kassen stellt sich die Frage, ob der Staat so gut beraten ist, auf diesen Eigenanteil einfach so zu verzichten. Klar: Kita-Beiträge sollen bildungsferne Schichten nicht abschrecken, das Angebot zu nutzen. Aber wenn die Beitragsfreiheit bloß den Bildungsbürgern ein höheres verfügbares Einkommen beschert, wird díeser richtige Grundgedanke ad absurdum geführt.
Tags: Familie
Wie wahr.
Man sollte Statistik nie übertreiben, vor allem keiner trauen, die man nicht selbst gefälscht hat… aber ein wenig angucken hätten sich die Berliner Verantwortlichen die Sache schon.
Wenn ein Paradigmenwechsel von Betreuung zu Bildung gelingen soll, ist Beitragsfreiheit für den Besuch der Kindertagesstätte die sich daraus ableitende Konsequenz. Auch wir haben diesen Schritt in Rodgau beschlossen.
Ich finde, man sollte bei den 3-6-jährigen die Bildungsfunktion der Kindergärten stärker in den Focus nehmen, daher ist es nur konsequent, die völlige Beitragsfreiheit zu fordern, schließlich ist auch die Schule beitragsfrei. Völlig anders ist es bei den unter 3-jährigen. Hier ist ganz klar die Betreuungsfunktion im Vordergrund, deshalb bin ich auch für das Betreuungsgeld, wenn die Eltern das Kind zu Hause erziehen.
Da das beitragsfreie Kita-Jahr (wie schon erläutert) lediglich den Besserverdienern zu Gute kommt sehe ich die eigentliche Idee des beitragfreien Kita-Jahres als nicht umgesetzt an. Vielmehr wird es für die Kommunen (und Kitaträger) immer schwieriger der Aufgabe - ausrei-chend, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung und -bildung, vorhalten zu können, faire Gehälter zahlen zu können und die Immobilien zu erhalten… - gerecht werden zu können. Ich vergönne jedem ein beitragsfreies Jahr, sehe mich aber als sogen. Besserverdienerin in der Pflicht, meinen Anteil zu leisten (auch bei vier Kindern, die NICHT paralell in die Kita gingen). Auch ein Betreuungsgeld halte ich für nicht zielführend. Mütter die arbeiten gehen wollen, werden dies nicht wegen des Betreuungsgeldes hintan stellen. Warum nicht das Kindergeld für beitragsfreie Kita und Schule einsetzen für alle Kinder gleich hohe Qualität, gleiche umfassende und flexible Betreuungszeiten. Man nähme sovielen Eltern soviel Last und gäbe sovielen Kindern gleichermaßen gute Chancen - von der hier zu erzielenden sehr guten Bildung (kognitiv und sozial) ganz zu schweigen.
Die Sache hat auch noch andere Aspekte:
+ Wenn die Behörde erst noch die Einkommen der Eltern prüfen muss, wird die Verwaltung unnötig aufgebläht.
+ schön zu wissen, dass so etwas in Berlin kostenfrei ist. Berlin hat schon mit die günstigsten Preise im ÖPNV, Kindergärten sind (fast?) kostenlos und, und, und… Dafür wird ja die Häfte des Berliner Haushaltes durch den Länderfinanzausgleich bestritten. Mir ist kein Geberland bekannt, was kostenfreie Kitas hat!!! Ein weiteres Beispiel, dass auch umbedingt der Länderfinanzausgleich einer Prüfung und Regulierung unterworfen wird.
+ Ich möchte die Worte des Bundesbankvorstandes und ehemaligen Berliner Fiananzsenators hier nicht wiederholen. Aber auch schön zu wissen, wohin das Geld so hinfliesst…..
+ Es gibt sehr viele gemeinnützige Organisationen, die sich über 200,00 € sicherlich freuen würden. So kann man zum Beispiel der CDA 400,00 € spenden (200,00 € gibts bei der Einkommensteuer wieder)
(ich vermute, dass Martin Kamp die 200,00 € monatlich auch gut verwenden kann)
+ Dank des F.D.P.-Steuersenkungsprogramm erhalten de Kommunen ab 2010 immer weniger Zuweisungen. Da dürfte es eigentlich keine Kommune mehr geben, die derartige Leistungen kostenfrei erbringt.
Wo ist das Gesetz, was auch Kommunen einen ausgeglichenen Haushalt vorschreibt???
Hallo - ich möchte gern mal fragen: was bedeutet ‘TKU’?
Danke für Antwort schonmal.