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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Die christlich-soziale Online-Illustrierte

Archiv für den Monat Dezember 2009

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Lang lebe der komplizierte Sozialstaat - eine Polemik.

Sascha Brok

mitarbeiter

Wie heißt es so schön: Alles muss sich verändern, damit vieles so bleiben kann. Sehr richtig, denn die Welt um uns herum ist eine dynamische, was eine permanente Anpassung der Sozialpolitik notwendig macht. In den letzten Jahren - Jahrzehnten mag man beinahe sagen - ging es vornehmlich um die unzulänglichen und teueren Transferssysteme, die man sich aus Kostengründen und (internationalen) Wettbewerbsnachteilen nicht mehr in dieser Form leisten könne. Das mag bedingt so stimmen, doch ist Effizienz nicht alles, was ein gut funktionierendes System ausmacht.

Ein gutes System muss Rückkopplungen mit seiner Umwelt leisten können, d. h. ein Sozialsystem muss sich der veränderten wirtschaftlichen Lage anpassen. Die Beitragsfinanzierung war da - unter dem Vorbehalt, dass Verbesserungen nie auszuschließen sind - nicht so unerfolgreich in den vergangenen Jahren. Vor allem hat es eines geleistet: Die Verbindung des Leistungszahlers, des Leistungserbringers und des Leistungsempfängers untereinander und unabhängig vom Steuersäckel des Finanzministers. Dieses Konnexitätsprinzip, wie es im Wirtschafswissenschaftsdeutsch so schön heißt, leistet mehr als Effizienz; es schafft eine verantwortliche Verbindung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Denn die beitragsfinanzierte Leistung ist immer noch weniger anonym als die steuerfinanzierte. Nun soll an dieser Stelle nicht in sozialromantischen Träumereien geschwelgt werden. Die Steuermitfinanzierung hat ihre Berechtigung - und zwar nicht nur wegen der versicherungsfremden Leistungen in den Sozialsystemen.

Aber dennoch: Auch das Steuersystem verändert sich. Immer niedrigere Sätze und immer höhere Freibeträge bedeuten, dass immer weniger Menschen einen immer geringeren (finanziellen) Beitrag zu den gemeinschaftlichen Aufgaben leisten (müssen oder sollen). Wir leben also in einer Welt, in der die (finanzielle) Verantwortung für das Gemeinwohl in eine Schieflage geraten ist. Soll das so sein? Ich meine NEIN und plädiere daher - nicht ganz ernst gemeint, aber umso dringlicher - für ein kompliziertes Steuer- und Abgabensystem.

Tags: Sozialpolitik, Steuern
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