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Soziale Ordnung! Das Magazin der Christlich-Sozialen

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Brauchen wir einen AEK?

Martin Kamp

kreuz

Der Arbeitskreis Engagierter Katholiken in CDU und CSU (AEK) macht von sich reden. Der AEK fordert ein klares Profil aus katholischer  Sicht,  mahnt eine Dialog- und Streitkultur an, und der Initiator des AEK, Martin Lohmann, meint, die CDU müsse endlich wieder “den aufrechten Gang lernen und üben”. Nach konkreten Themen, um die es geht, gefragt, nennt Lohmann Bioethik und Familienpolitik.

Doch den AEK-Leuten ist zu sagen: Fordert nicht Diskussionen, führt die Diskussionen – mit klaren inhaltlichen Vorstellungen. Wenn Lohmann davon spricht, dass jede inhaltliche Anregung “gleich mit der Inquisitionsfrage gekontert wird”, so ist das schlichtweg Quatsch. Stichwort Bioethik. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, dass der “Bunte Abend” auf dem CDU-Parteitag 2007 in Hannover sich immer weiter verzögerte, weil die Partei so engagiert über die Stammzellforschung diskutierte.  Man muss die Position Annette Schavans und Angela Merkels in der Forschungspolitik nicht teilen. Aber dass es ein Diskussionsverbot gegeben hätte, kann ich nicht feststellen. Und auch bei der Frage der Patientenverfügungen hat es lebhafte Diskussionen gegeben.

Und das Gleiche gilt in der Familienpolitik. Einmal abgesehen davon, dass ich es gerade als Katholik richtig finde, dass die Union ihr Verhältnis zum Thema Kinderbetreuung und Ganztagsschulen entkrampft hat – niemand verbietet in dieser Frage  irgend jemand dem Mund. Gerade Anfang des Jahres übrigens ist eine nicht unerhebliche Kindergelderhöhung in Kraft getreten. Milliarden also, die direkt an die Familien und nicht in die Betreuungsinfrastruktur fließen. Da müsste der AEK doch jubilieren!

Das Wichtigste aber: Auch wenn der AEK auf seiner Homepage auf das Buch “Das Kapital” von Reinhard Marx verweist; auch wenn in seinem Gründungsaufruf die Rede davon ist, man wolle sich zu sozialen Fragen äußern – in der öffentlichen Auseinandersetzung reduzieren die AEK-Protagonisten die Forderungen des politschen Katholizismus auf Lebensschutz und Stärkung der Familie. Christlich-soziale Positionen spielen praktisch keine Rolle, werden zumindest nicht öffentlich kommuniziert. Dabei ist die katholische Soziallehre – schon seit Bischof Ketteler und spätestens seit “Rerum Novarum” 1891 – der wichtigste Trumpf, den Katholiken in der politischen Auseinandersetzung ausspielen können. Mag auch der Titel der Sozialenzyklika von Papst Benedikt “Caritas in Veritate” die Homepage des AEK zieren – von wirklich christlich-sozialen Forderungen ist beim AEK keine Spur! All das, was den Papst – neben Lebensschutz und Familie – in der Enzyklika bewegt: Würde der Arbeit; Armutsbekämpfung und weltweite Entwicklung; das Scheitern des internationalen Share-Holder-Value-Kapitalismus: Bei den engagierten Unions-Katholiken findet es nicht statt. Stattdessen der dumme Satz von Martin Lohmann in einem Interview: “Wer zu weit links fischt, der kann über Bord gehen und fällt irgendwann aus dem Boot.”

Wir brauchen engagierte Katholiken, die sich in die Politik einmischen. Die aus ihrem Glauben heraus gegen Ausbeutung und für gerechte Löhne streiten. Die sich dafür stark machen, dass Menschen auch im Alter in Würde leben können. Die über den nationalen Tellerrand hinausblicken und auf gerechte Entwicklungschancen für alle Menschen und alle Länder hinwirken. Einen AEK brauchen wir dafür nicht.

Tags: Ethik, Sozial-Enzyklika

Dieser Artikel wurde am Freitag, 15. Januar 2010 um 21:38 erstellt und ist in der Kategorie Politik & Gesellschaft abgelegt. Antworten zu diesem Artikel können durch den RSS 2.0-Feed verfolgt werden. Es besteht die Möglichkeit auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.

9 Antworten zu “Brauchen wir einen AEK?”

  1. Lothar Lemke sagt:
    22. Januar 2010 um 16:18

    Wir leben in einer Zeit, in der es wichtig ist, dass Christen aller
    Konfessionen in der Öffentlichkeit “Flagge zeigen”.
    Deshalb befürworte ich die Gründung des AEK, obwohl ich nicht der
    Katholischen Kirche angehöre. Leider müssen in der Tagespolitik
    christliche Grundpositionen zu oft der Beliebigkeit weichen.
    Das Schielen auf ehemalige SPD-Wähler darf nicht zum Verlust des
    christlichen Profils der C-Parteien führen.

  2. Johannes Hauger sagt:
    23. Januar 2010 um 21:27

    Die Bewertungen von Martin Kamp über den AEK halte ich für stark überzogen und mit Rundumschlägen der Sache wenig dienlich; zumal diese Gruppierung erst im Aufbau begriffen ist. Es muss in diesem Zusammenhang die Frage erlaubt sein, ob er mit gleicher Intensität den Evangelischen Arbeitskreis messen wird?
    Jedenfalls werde ich bei ähnlichen Attacken von CDA-Oberen meine Mitgliedschaft in der CDA dann sofort kündigen und dafür ums so mehr den AEK unterstützen.

  3. Martin Kamp sagt:
    24. Januar 2010 um 09:33

    Zugegeben: Mein Beitrag ist etwas zuspitzend. Dann will ich es mal positiv formulieren: Bauen wir einfach darauf, dass der AEK uns dabei unterstützen wird, unsere christlich-sozialen Positionen durchzusetzen.

  4. Busse, Friedrich-Rudolf sagt:
    24. Januar 2010 um 17:18

    Ich befürworte ebenfalls das was der Kollege Lembke am 22.1. geschrieben hat; aber wollen wir nicht lieber einen ökomenischen AK haben, in dem sowohl dieL utheraner und… mit eingebunden sind. Schließlich gehören wir doch alle der Volkspartei CDU/CSU an. Ich finde es langsam komisch die, dass immer noch Trennungen unter den christlichen CDA-Mitgliedern gibt.

  5. Ferdinand Lutz sagt:
    24. Januar 2010 um 18:21

    Es wundert mich sehr, dass Martin Kamp einen solch nicht nur zugespitzten, sondern ausgesprochen unausgegorenen und und unausgewogenen Artikel an die Öffentlichkeit bringt, der auch noch von unglaublicher Unkenntnis in Sachen Familienpolitik strotzt. Der Meinung von Johannes Hauger kann ich mich als über 50 Jahre langes Mitglied der CDA voll und ganz anschließen. Wenn das das Niveau sein soll, mit Leuten umzugehen, die unbestreitbare Defizite im “C” der Partei verringern wollen, bin ich nicht mehr lange in der CDA.
    Wenn eine solche Gruppierung im Aufbau ist, kann sie sich doch nicht von Anfang an um alle Themen kümmern. Sie muss sich auch nicht um Themen kümmern, die von anderen schon sehr fachkundig besetzt sind, wie sozialpolitische und arbeitsmarktpolitische Fragen durch die CDA. Soweit die AEK damit einverstanden ist, soll sie das alles nochmal wiederholen? Es wäre doch klug, bei solchen Gelegenheiten mit dem AEK zusammenzuarbeiten, ihn ins Boot zu holen und solche Positionen umso eher innerhalb der Partei durchzusetzen.

    Über Bioethik bzw. embryonalen Stammzellforchung ist zwar sehr diskutiert worden. Doch was ist dabei herausgekommen? Das kann niemand befriedigen, der nach der objektiven Wahrheit sucht, die es auch bei sogenannten Gewissenentscheidungen gibt. Bei den wenig überzeugenden und teils recht unlogischen und inkosequenten Argumenten der “christlichen” Befürworter der Stichtagsverschiebung hatte sicher nicht nur ich den Eindruck, dass es dabei nicht um eine echte und ehrliche Gewissensentschediung, sondern um sonstige Interessen (Freiheit der Forschung, politische Karriere) ging. Dass sich dagegen andere Mitglieder engagieren, müsste eine Partei wie die Union doch verkraften.
    Dabei beschränkt sich das Thema Lebensschutz sicher nicht auf die Stammzellforschung. Oder soll die bestens organisierte Tötung von 200.000 ungeborenen Kindern, die mit jährlich 40 Mill. Euro subventioniert wird, in der “C”DU abgehakt sein?

    Wie kann man nur die minimale Erhöhung des Kindergeldes als soziale Wohltat preisen? Weiß Martin Kamp nicht, dass dies nur unter dem Zwang des Bundesverfassungsgerichtes geschehen ist, weil das Existenzminimum von Kindern nicht besteuert werden darf? (gewerbliche Schweinezucht wird übrigens über das Existenzminimum hinaus gefördert!!)
    Was kann man denn noch an einer geradezu abartigen Familienpolitik Positives finden, die, wie in der letzten Legislaturperiode unter der CDU-Fahne geschehen,
    a) die Familien derart finanzielle beutelt wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik?
    b) soviel Kinderarmut erzeugt, wie noch nie dagewesen?
    c) so viele Familien in die Armut treibt, wie es ebenfalls noch nicht war?
    Ganz nebenbei haben wir trotz aller regierungsamtlichen Propaganda das niedrigste Geburtenniveau erreicht und betreiben die demographische Katastrophe mit bewunderungswürdiger Borniertheit und deutscher Gründlichkeit weiter. Die Sozialsysteme und auf lange Sicht der Bestand unseres Landes sind aufs Höchste gefährdet. Dazu weiß auch die CDU nichts weiter zu sagen, als den “demographischen Wandel zu gestalten” – und das wohl in der Hauptsache durch Kinderkrippen.
    In dieser dramatische Situation sollte sich auch die CDA mal “Das Kapital” von Reinhard Marx vornehmen und mal nachsehen, wie eklatant die CDU seit vielen Jahren in der Familienpolitik und insbesondere durch die an Wirtschaftsinteressen ausgerichtete einseitige Krippenpolitik nicht nur gegen die Christliche Gesellschaftslehre, sondern auch gegen unsere Verfassung verstoßen wird. Seit vielen Jahren hätte ich mir hier allein aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit viel mehr Engagement der CDA gewünscht. Fast alle Diskriminierungen, Diffamierungen, Gängelungen, Bevormundungen und verfassungswidrigen Benachteiligungen hat die CDA widerspruchslos mitgemacht. Wo ist Eure Aktion “Wer Kinder erzieht, hat Familiengeld verdient” geblieben? Das gilt zwar heute noch, ist aber wohl so lange her, dass dies Martin Kamp nicht weiß!?
    Ihr könnt sicher sein, dass die AEK Euch bei solchen Aktionen voll unterstützen würde. Deshalb: Unausgegorene und haltlose Unterstellungen sind kontraproduktiv. Besinnt Euch auf eine zukunftsfähige Familienpolitik, die die Grundsätze der Christlichen Soziallehre und unserer Verfassung beachtet (das bedeutet allerdings eine radikale Änderung) und Ihr werdet hier und auch in anderen Fragen die Unterstützung des AEK haben, der sicher auch bereit ist, mit anderen Gruppierungen wie CDL und EAK, auch mit JU und SU zusammen zu arbeiten und gemeinsam gemeinsame Interessen durchzusetzen.

    Ich will nicht verhehlen, das ich letztlich wegen der “nahtlosen Fortführung der rotgrünen Familienpolitik” (Lob Peter Strucks an Frau von der Leyen, mit der man ja wohl den Bock zum Gärtner gemacht hatte) nach 48 Jahren aus der CDU ausgetreten bin. Ich hoffe nicht, dass ich durch unqualifiziertes Verhalten von CDA-Verantwortlichen hier zu einem entsprechenden Schritt gezwungen werde.

  6. Karsten-Michael Stening sagt:
    25. Januar 2010 um 13:50

    Es ist für mich unverständlich, daß der Verfasser den AEK in einer derartigen Art und Weise diffamiert. Die Gründung des AEK war leider dringend erforderlich. Nach der deutschen Einheit sind die Katholiken in der CDU massiv an den Rand gedrängt worden. Als langjähriges Mitglied der CDL (Mitglied seit 1987) habe ich den Kurs der CDU in der Familienpolitik immer kritisiert. Meinen Eintritt in die CDU im Jahr 1989 kann ich aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehen.
    Wieso ist Herrn Kamp die Fokussierung des AEK auf Bioethik und Familienpolitik ein Dorn im Auge? Ist ihm nicht bewußt, das eine gute Familienpolitik die Grundlagen unseres Staates ist? Die Familie ist die Keimzelle eines Staates.

    Sicherlich war es an der Zeit, daß die CDU ihre Haltung zur Familienpolitik ändert. Der von Frau von der Leyen eingeleitete Kurswechsel hat allerdings nichts mit der Haltung eines engagierten Christen gemein. Die heutige Familienpolitik ist gekennzeichnet durch Bevormundung und Diffamierung. Der Kern von CDU-Politik war immer Solidarität, Subsidiarität und Eigenverantwortung. Es ist von einer C-Partei zu erwarten, daß sie die Zahl der Abtreibungen permanent kritisiert. Aber davon hört und liest man nichts. Herr Kamp behauptet, die CDA würde sich für die Rechte von Arbeitnehmern und Familien einsetzen. Das wird er sich vielleicht wünschen, aber die Realität sieht anders aus. Die CDA macht sich mit ihrem Eintreten für diese Art von Familienpolitik unglaubwürdig. Einerseits wird die mangelnde soziale Haltung von Arbeitgebern kritisiert und andererseits wird eine Familienpolitik protegiert, die ein konmplettes Abbild der Familienolitik in der DDR ist. Getreu dem Motto: Kinder in die Krippe, Frauen und Männer an die Werkbank.

    Herrn Kamp dürfte die christliche Gesellschaftslehre u. die katholische Soziallehre auch bekannt sein. Warum handelt er bzw. die CDA nicht entsprechend? Ich hätte es der CDA nie zugetraut, das sie einmal eine so arbeitnehmer- u. familenfeindliche Politik, die sich nur Wirtschaftsinteressen orientiert, unterstützt. Gott sei Dank bin ich nicht mehr Mitglied der CDA!!!!! So eine Politik kann ich als Christ nicht unterstützen!

    Wieso kann eine Partei wie die CDU es zulassen, das über die Themen Bioethik bzw. Stammzellforschung nicht engagierter diskutiert wird. Bundestagsabgeordnete und weitere Nutznießer der Stichtagsverschiebung, welche von sich behaupten, sie würden nach christlichen Gesichtspunkten entscheiden, haben die Stichtagsverschiebung mit haltlosen und fadenscheinigen Argumenten durchgedrückt.

    Die Folgen der staatlich subventionierten Politik der Abtreibung ist schon heute überall zu sehen, z. B. die Auswirkungen auf die Sozialsysteme. Mit einer Gestaltung des demographischen Wandels, vor allem durch Kinderkrippen, wird man den Niedergang unseres deutschen Vaterlandes nicht abwähren können. Jeder Abgeordnete, ob in der Kommune, im Land oder im Bund, ist gewählt, um Schaden vom deutschen Volk fern zu halten und sich zu dessen Nutzen einzusetzen.

    Als Abschluß möchte ich Herrn Kamp noch ans Herz legen, das er nicht mit Unterstellungen und Diffamierungen arbeitet. sondern sich an klaren inhaltlichen Vorstellungen orientiert, so wie er es auch von Andersdenkenden fordert.

  7. Gert Hammer sagt:
    25. Januar 2010 um 17:31

    Ich möchte die Meinung von Herrn Busse unterstützen. Der EAK wurde gegründet, weil in der Gründungsphase der CDU zumal mit dem katholischen Rheinländer Konrad Adenauer als Parteivorsitzenden und Bundeskanzler die Gefahr bestand, daß die Partei in der Öffentlichkeit als eine katholische angesehen würde so wie das Zentrum. Aber die Union sollte nach dem Willen der Gründungsväter ja gerade eine Partei aller Christen sein. Gemeinsam wollte man ein politisches Bollwerk gegen jede Politik sein, die die Würde des Menschen nach dem christlichen Menschenbild nicht zur Grundlage der Politik macht.
    Die Gründungsmotivation des EAK ist heute hinfällig. Die Gefahr, die CDU als eine katholische Partei anzusehen, besteht nicht mehr. Dagegen existiert für eine Organisation wie den EAK eine andere wichtige innerparteiliche Aufgabe: Die christlich-demokratischen Wurzeln neben den konservativen und liberalen im innerparteilichen Willensbildungsprozeß so stark wie möglich zu machen.
    Doch ist dies alleine eine Aufgabe evangelischer Christen? Die katholische Soziallehre und die protestantische Sozialethik sind nun wirklich nicht so weit auseinander, als dass die politische Willensbildung nach Konfessionen getrennt erfolgen müsse.
    Deshalb bekommt die Gründung des AEK nur dann einen Sinn, wenn sie möglichst umgehend zu Gesprächen führt, wie man aus dem EAK eine Organisation machen kann, in der beide Konfessionen gemeinsam die christlich-demokratischen Wurzeln der CDU in der politischen Willensbildung stärken. Dies wäre ein bedeutender Beitrag zur Stärkung sowohl des C als auch des U in unserem Parteinamen.

  8. Ralf Bettker-Cuza sagt:
    27. Januar 2010 um 14:58

    Ich vermute mal, der Kommentator Herr Kamp referiert hier einfach nur Frau Merkels Meinung und die ihrer Gefolgsgenossenschaft. Frau Merkel war ja schon seit der 90er, damals noch EAK-Vorsitzende, gegen ein katholisches Pendant.

    Das sollte Katholiken wie mich (der bislang noch nicht in der CDA und bis auf weiteres auch nicht in der CDU ist) nicht abschrecken. Die CDU und CDA braucht nicht nur gläubige Christen (Katholiken mit Liebe zur Kirche gehören auch dazu), sondern auch unabhängige Christen, deren berufliches Wohl und Weh nicht von der bevorzugten politischen Partei abhängt.

    Also AEK: weiter so.

    Entweder ist die CDU eine Volkspartei oder eine Gefolgspartei.

  9. Martin Kamp sagt:
    2. Februar 2010 um 22:33

    Über manchen Beitrag bin ich, gelinde gesagt, schon überrascht. Wiese handelt die CDA gegen die katholische Soziallehre? Wer das behauptet, sollte dafür Belege liefern. Ich weiß, dass schon Leo XIII. sich für den gerechten Lohn stark gemacht hat. Das war 1891. Wer heute gegen Lohndumping etwa in der Abfallwirtschaft oder Pflegebranche kämpft, kann sich zu Recht auf die katholische Soziallehre berufen. Und das macht die CDA.

    Und an welcher Stelle ich wen auch immer in meinem Beitrag diffamiere, möge man mir doch bitte genauer mitteilen.

    Auf dieses wirklich so dumme Argument, die Familienpolitik der CDU sei ein Abbild der DDR-Familienpolitik, sollte man gar nicht mehr eingehen. Wo gibt es Bevormundung und Diffamierung? Umgekeht wird doch ein Schuh draus: Ohne ausreichendes Kita-Angebot gibt es doch keine wirkliche Wahlfreiheit, Herr Stening.

    Und mit der Formulierung “Niedergang unseres deutschen Vaterlandes” wäre ich sehr vorsichtig. Ich freue mich über jedes Kind, das geboren wird. Ich finde, die Politik sollte es allen so einfach wie möglich machen, ihren Kinderwunsch auch in die Tat umzusetzen – durch Geldleistungen, durch Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur, durch ergänzende Angebote. Aber nicht des Staates wegen, nicht der Stärke der Bevölkerung wegen, nicht der Rentenkasse oder des Vaterlandes wegen – sondern um der Kinder selbst willen. Familienpolitik ist etwas anderes als Bevölkerungspolitik. Und das hat etwas mit Menschenwürde zu tun. Denn wenn man Menschenwürde ernst meint, verbietet es sich mit Kant, den Menschen bloß als Mittel für irgendetwas (etwa als Mittel zur Stärkung des Volkes oder zur Finanzierung der Sozialkassen) zu betrachten; die Gefahr droht aber bei einer bevölkerungspolitischen Sichtweise.

    Und zur Bioethik: Wäre ich Abgeordneter, hätte ich etwa in der Stammzellforschung vermutlich eher konservativ abgestimmt. Aber ich spreche doch nicht denjenigen, die z.B. in der Stichtagsfrage für eine liberale Position votiert haben, die aufrichtige Gewissensentscheidung, ja letztlich die Integrität ab. AEK und Konservative haben doch kein Monopol auf die Definition dessen, was christlich ist! Das ist – neben der Themenverengung – das eigentlich Ärgerliche am AEK. Dass suggeriert wird, dass all diejenigen, die nicht die eigene Position teilen, es sich bei ihren Entscheidungen einfach machen, bloß Machtpolitik im Auge haben, in Beliebigkeit verfallen.

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