
Professor Klaus Kocks mag ja zur allgemeinen Erheiterung als intellektuell-origineller Pausenclown von Talkshow zu Talkshow gereicht werden. Seinen Unterhaltungswert in anonsten langweiligen Diskussionsrunden kann man ihm gewiss nicht absprechen.
Im einem Blog-Beitrag befasst er sich nun mit dem Phänomen des “Bore out” im Arbeitsleben, “das Leiden all jener, die sich zu Tode langweilen („to bore“), weil sie chronisch unterfordert sind.” Das Bore-Out stellt er dem Burn-Out gegenüber. Und kaum hat er dem Leser dieses (vergleichsweise neue) Phänomen erklärt, beginnt er einen Rundumschlag gegen Beamte. Den Schwarzen Peter schiebt er zwar den Behörden, nicht den Beamten selbst zu. Was aus ihnen wird, steht für Kocks indes außer Frage: “Anzuwenden wäre der Lehrsatz, dass Beamte nicht als Faulenzer geboren werden, sondern zu Faulenzern gemacht.” Und mit Blick auf die Beamten spricht Kocks vom “Speck”, den die “Made” hat; von “fat cats” und “Selbstbedienung”.
Das ist dann aber schon nicht mehr so originell, sondern Klaus Kocks bedient auf billige Weise Klischees und Ressentiments. Nichts gegen sachliche Diskussionen über das Für und Wider von Beamtenpensionen und Beihilferegelungen. Aber nicht so, wie Kocks es macht.
Das Gefährliche aber an seinem Beitrag ist, dass er seine Ausführungen zum “Bore-out”-Syndrom und seine Suada gegen das Beamtentum in einen Beitrag packt. Erweckt er dadurch doch den Eindruck, als sei Bore-out eine Beamtenkrankheit. Sein Artikel ist denn auch so überschrieben: “Wenn die Amtsstube zum Sterbezimmer wird…” Das klingt originell, ist aber töricht - zumal ganz viele Beamte gar nicht in Amtsstuben sitzen, sondern zum Beispiel bei Mai-Krawallen in Berlin-Kreuzberg Dienst tun oder in überfüllten Schulklassen Kinder unterrichten. Und da ist denn doch anzunehmen, dass viele Beamtinnen und Beamte eher ausgebrannt sind als dass sie sich langweilen, dass “Burn-out” ein größeres Problem ist al “Bore-out”. (Übrigens ist in den letzten Jahren für viele Beamte die Arbeitszeit angehoben worden!)
Und zum” Bore-out” selbst: Natürlich ist es ein Problem, wenn Beschäftigte, egal in welcher Branche, unterfordert sind. Das verdient Aufmerksamkeit. Aber es ist ein zu wichtiges Problem, als dass es im Kampf gegen das Beamtentum auf billige Weise instrumentalisiert werden dürfte. Die Antwort darf doch nicht lauten: Schafft das Berufsbeamtentum ab! (Womit keinem Bore-out-Kandidaten in der Privatwirtschaft geholfen wäre.) Sondern: Macht die Arbeit interessanter - dort, wo sie bisher nicht interessant ist. Und vergesst darüber nicht das gewiss viel größere Burn-out-Problem, die Arbeitsverdichtung in vielen Bereichen, Stress und Leistungdruck. Das Hauptproblem der Arbeitnehmer ist gewiss nicht, dass sie nicht genug leisten dürfen.
Dadurch, dass beim Ausscheiden älterer Mitarbeiter Stellen nicht wieder besetzt werden, steigt der Leistungsdruck in den Büros. Psychische Erkrankungen nehmen im starken Maße zu. Viele Arbeitgeber haben noch nicht erkannt, das ein gutes Betriebsklima und ein kollegialer Führungsstil die Arbeitsleistung fördern. Während bereits Maßnahmen zur körperlichen Gesundheitsförderung in Wirtschaft und Verwaltung anerkannt sind, fehlt es noch an einem umfassenden Instrumentarium zur Vorbeugung vor psychischen Krankheiten. Aus dem Bereich der Sozialarbeit kennt man den Begriff der “Supervision”, die zur Entlastung der Mitarbeiter dient.
Warum gibt es auf anderen beruflichen Ebenen keine entsprechenden Einrichtungen. Vielleicht brauchen wir zum Betriebsarzt auch den Betriebspsychologen.
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