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Soziale Ordnung! Das Magazin der Christlich-Sozialen

Hier diskutieren die Christlich-Sozialen

Archiv für die Kategorie ‘Politik & Gesellschaft’

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Das “C” in der Politik

Martin Kamp

kreuz

Elmar Nass nennt zehn gute Gründe für das “C” in der Politik. In einem Grundsatztext schreibt er: “Diesem Zeitgeist entgegen fragt eine bewusst christlich-soziale Position, wie denn eine zunehmend gottlos dominierte Gesellschaft aussieht beziehungsweise wie sie wohl aussehen wird.” Doch ist das “C” noch zeitgemäß? Diskutieren Sie mit!

Tags: Ethik
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Kinderrechte ins Grundgesetz?

Martin Kamp

steuer-schenken

Kinderrechte ins Grundgesetz – dagegen werden eine Reihe von Gründen ins Feld geführt. Das Grundgesetz dürfe nicht überfrachtet werden. Reine Symbolpolitik sei das. Für Kinder gelte  ohnehin die verfassungsrechtlich verankerten Menschenwürde. Zudem stehe die Familie unter dem Schutz des Grundgesetzes. Kinder dürften nicht gegen die Familie, gegen Eltern ausgespielt werden.

Das kann ja alles richtig sein.  Aber richtig ist auch: Verfassungsästhetischen Aspekten genügt das Grundgesetz schon lange nicht mehr. Es ist mitnichten bloß eine feierliche Erklärung der Menschenrechte. Es besteht eben nicht nur aus so einfachen und eindeutigen Sätzen wie “Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Sondern selbst in den Grundrechteteil, etwa in den Artikel 16a zum Asylrecht, hat man komplizierte, bürokratische Detailregelungen aufgenommen.  Und auch der Verweis auf die Menschenwürde vermag nicht zu überzeugen. Mit dem gleichen Argument könnte man diejenigen Artikel, die sich etwa gegen Diskriminierung wenden, für überflüssig halten. Ganz abgesehen davon, dass das Grundgesetz auch Tiere und zukünftige Generationen schützt.

Und niemand will Kinder gegen Eltern ausspielen. Der Artikel 6 des Grundgesetzes soll ja nicht zugunsten der Kinderrechte gestrichen werden. Aber die Missbrauchsfälle, die jetzt bekannt geworden sind, zeigen eben auch, wozu ein (glücklicherweise sehr kleiner) Teil von Menschen, die Kindern ganz nahe sind, in der Lage ist. Misshandlung und Missbrauch gibt es auch in der durch die Verfassung geschützten Familie. Vor diesem Hintergrund zu unterstreichen, dass Kinder eigene Rechte – auch das Recht auf Schutz – haben, ist richtig.

Schließlich: Symbolpolitik. Ja, die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz ist auch Symbolpolitik. Aber das ist kein Gegenargument. Politik hat nicht nur mit der Schaffung von Rechtsnormen und der Gewährung staatlicher Leistungen zu tun. Symbolpolitik ist auch Teil von Politik, und meist nicht einmal der unwichtigste. In der Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz manifestiert sich die Auffassung des Souveräns, dass Kinder eben eigene Rechte haben. Das schafft Bewusstsein und wirkt auf die Zivilgesellschaft zurück. Deshalb; Ja, Kinderrechte gehören ins Grundgesetz!

Tags: Familie, Kinder
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Austreten? – Eintreten!

Martin Kamp

kreuz

Von einer “dramatischen Austrittswelle unter Katholiken” ist zu lesen. Besonders in den katholischen Gegenden West- und Süddeutschlands sei die Zahl der Austritte drastisch gestiegen. Eine Forsa-Umfrage für die Bild-Zeitung zeigt zudem: Fast ein Viertel aller Katholiken hat überAustritt nachgedacht. Nach Wochen der Berichterstattung über Mixa, Misshandlung und Missbrauchsfällen mag das nicht überraschen. Und Kritik an der Kirche als Institution, an einzelnen ihrer Repräsentanten, an Zölibat und Sexualmoral – das alles ist berechtigt. Aber Kirche ist eben mehr. Kirche hat vor allem mit Glauben zu tun. Und mit der katholischen Soziallehre, mit dem Bekenntnis zur Würde des Menschen, zu Gerechtigkeit und Solidarität verfügt die Kirche über einen großen Schatz. Würde der Arbeit, gerechter Lohn, Gerechtigkeit weltweit, fairer Welthandel – das sind Kernanliegen der katholischen Soziallehre. Die katholische Kirche wird gebraucht. Deshalb sind Kirchenaustritte der falsche Weg.

Tags: Ethik, Sozial-Enzyklika
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Druck lohnt sich

Martin Kamp

einkaufswagen

Das ist ein gutes Urteil: Lidl darf nicht für faire Kleidung werben. Der Discounter hatte suggeriert, man beziehe die Textilien nur von solchen Lieferanten und Produzenten, die gewisse Sozialstandards einhalten. Tatsächlich klagten Näherinnen in Bangaldesh über unmenschliche Arbeitsbedingungen.  Es ist gut, dass Druck gemacht wird. In diesem Fall hatten die Verbraucherzentrale Hamburg und die Kampagne für Saubere Kleidung gegen Lidls Werbung geklagt. Aber so erfreulich das ist – es reicht nicht aus. Es kommt darauf an, dass politisch gehandelt wird: durch verpflichtende Sozialstandards, Informationspflichten über Produktionsbedingungen und die Forcierung von Sozial- und Umweltsiegeln.

Tags: Arbeit, Kinderarbeit
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Mittagsschlaf in der Badewanne?

Martin Kamp

schlaf_buero_istock_blog

Auf Anhieb hat das neue Buch von Miriam Meckel die Bestseller-Listen erobert. Das mag an der Prominenz der Autorin oder an einer geschickten Vermarktung liegen. Doch gewiss hat es auch mit dem Thema zu tun. In “Brief an mein Leben” schreibt Meckel über ihre “Erfahrungen mit einem Burnout”.  Dass es sich bei ihrem Burnout nicht um einen Einzelfall handelt, zeigt auch ein Blick in die Statistik. Rund 11 Prozent der Fehltage der DAK-Versicherten waren 2009 auf psychische Erkrankungen zurückzuführen – Tendenz steigend, wie aus dem ”DAK-Gesundheitsreport 2010″ hervorgeht. 

Der Report geht insbesondere auf Schlafstörungen ein. Die haben nicht nur teilweise verheerende Auswirkungen auf das Arbeitsleben; so ist Übermüdung eine häufige Ursache für Unfälle am Arbeitsplatz. Sondern auch die Ursachen von Schlafstörungen haben oft genug mit dem Job zu tun. Bei über 70 Prozent der Schlafgestörten seien Stress und Belastungen Hauptursachen für die gestörte Nachtruhe. Und wörtlich heißt es im DAK-Gesundheitsreport:

Nach der Einschätzung der von der DAK befragten Experten haben Ein- und Durchschlafstörungen in den letzten Jahren zugenommen; eine Entwicklung, die nicht losgelöst von arbeitsbedingten Faktoren wie z.B. Leistungsdruck, Konkurrenz, Mobbing etc. gesehen wird.

Immerhin: In vielen Betrieben wächst das Bewusstsein für die Bedeutung “gesunden Arbeitens”. Und bei dem, was in Deutschland insgesamt für Gesundheit ausgegeben wird, wachsen die Leistungen für Prävention und Gesundheitsschutz. Angesichts von Gesundheitsausgaben von 263 Milliarden Euro (10,5 Prozent des BIP) im Jahr 2008 besteht bei den Präventionsausgaben von 10,7 Milliarden Euro (und angesichts des immensen Einsparpotenzial bei durch Prävention verhinderten Erkrankungen) gewiss noch Spielraum nach oben. Doch immerhin sind die Leistungen für Prävention und Gesundheitsschutz allein zwischen 2007 und 2008 um 5,5 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

Und auch die Arbeitgeber sind kreativ, wie im DAG-Magain “Praxis und Recht” nachzulesen ist – etwa wenn es darum geht, Schlafmangel entgegenzuwirken.

Einige Arbeitgeber helfen ihren Miitarbeitern sogar, am Arbeitsplatz kurze Schlafpausen einzulegen, das so genannte Powernapping… Die Leistungsfähigkeit steigt nach einem Mittagsschlaf um 30 Prozent an. Solche kreativen Mittagspausen können Mitarbeiter der Schweizer Google-Niederlassung sogar individuell nutzen: auf Sofas, in Hängematten oder in mit Schaumstoffbällen gefüllten Badewannen.

Schlafen am Arbeisplatz – spinnerte Idee oder sinnvoller Gesundheitsschutz? Schreiben Sie Ihre Meinung – oder schildern Sie, wie bei Ihnen im Betrieb Gesundheit gefördert wird.

Tags: Arbeit, Gesundheit
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Gefährliche Schnapsidee

Martin Kamp

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Man könnte den Vorschlag von Hannelore Kraft ja als bloße Schnapsidee abtun. Man könnte milde darauf hinweisen, dass sie als Oppositionspolitikerin nicht ausreichend Sachkenntnis besitzt, und zur Tagesordnung übergehen. Schlimm ist aber der folgende Satz:  “Wir müssen endlich ehrlich sein: Rund ein Viertel unserer Langzeitarbeitslosen wird nie mehr einen regulären Job finden.”  Welche 25 Prozent meint sie? Warum sollen sie nie mehr einen regulären Job finden? – Wer “Hartz IV” bekommt, ist erwerbsfähig; das ist ja gerade die Voraussetzung für den Bezug von “Arbeitslosengeld II”.  Warum sollen Menschen, die voll erwerbsfähig sind, für einen symbolischen Betrag arbeiten? Was hat das mit gerechtem Lohn, mit anständiger Bezahlung für anständige Arbeit zu tun? Und wenn man annimmt, dass diese 25 Prozent nie wieder einen regulären Job finden werden – warum sollen sie dann unter anderem ausgerechnet in der Pflege arbeiten? Entweder sind diese Arbeitslosen dazu in der Lage, einen solchen Job qualifiziert auszuüben – dann kann man sie in normale Arbeitsverhältnisse vermitteln, dann braucht man keine gemeinnützige Arbeit für einen symbolischen Betrag. Oder sie sind nicht dazu in der Lage – dann dürfen sie gar nicht erst in diesem Bereich arbeiten. Das Schlimme an Frau Krafts Vorschlag ist nicht mögliche Unkenntnis. Das Schlimme ist ihr Menschenbild.

Tags: Arbeit, Sozialpolitik
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Hat Westerwelle Recht?

Martin Kamp

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Hat Westerwelle Recht? Natürlich nicht. Das Leben mit Hartz IV hat so viel mit Dekadenz zu tun wie der Job eines Außenministers mit Beschaulichkeit und Ruhe. Zum Glück hat der FDP-Vorsitzende von vielen Seiten auf seine Ausfälle die passenden Antworten bekommen. Noch ärgerlicher als seine Positionen in der Sache ist sein Stil – will er doch den Eindruck erwecken, als spreche er aus, was sonst nicht gesagt werden dürfe. Dabei kann man den Satz, dass der, der arbeite, mehr haben müsse als der, der nicht arbeite, in so ziemlich jedem arbeitsmarktpolitischen Papier der Union der letzten Jahre lesen. Auch die Sozialstaatsdebatte muss nicht angemahnt werden – sie wird doch schon seit Jahren heftig geführt mit massiven Konsequenzen in der praktischen Politik. Was denn, wenn nicht die Sozialpolitik, hat die deutsche Innenpolitik in den letzten Jahren dominiert – von Hartz IV bis zur Rente mit 67? Wer angesichts der damit verbundenen Einschnitte so tut, als dürfe über Sozialpolitik nicht geredet werden, setzt auf perfiden Populismus. Er macht Stimmung. Er zündelt. Mit echter Liberalität hat das nichts zu tun.

Tags: Sozialpolitik
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Neuer Name, neues Glück?

Martin Kamp

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“Hartz IV” ist  eine große Reformbaustelle. Schonvermögen, Jobcenter, Regelsätze  – alles ist in der Diskussion, vieles steht zur Dispostion. Auch der Name. “Hartz IV” steht zwar nicht im Gesetz -  richtig ist, die Begriffe SGB II, Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Grundsicherung für Arbeitsuchende zu nutzen. Aber selbst das Bundesverfassungsgericht spricht kurz von “Hartz IV”, damit jeder weiß, was gemeint ist. Nicht zuletzt aufgrund des großen Reformbedarfs ist der Begriff “Hartz IV” nun aber einmal mehr in die Kritik geraten. Doch wodurch kann man ihn am besten ersetzen?

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Was man von Reinhold Messner lernen kann – eine Polemik

Sascha Brok

Die erfolgreiche Besteigung des Nanga Parbat durch die Messner Brüder im Jahr 1970 war der endgültige Wendepunkt in der modernen Bergsteigerei. Was den großen Expeditionen und dem damit verbundenen logistischen Aufwand verwehrt blieb, gelang im Kampf des Einzelnen gegen den Berg. Sicher: Basis-Camp und Ausrüstung wurden, werden und werden wohl auch zukünftig von mehr oder weniger größeren Mannschaften organisiert und gesichert werden müssen. Aber sie stellen nunmehr lediglich die Basis des Erfolges dar – sind also notwendige Vorraussetzung, aber mithin nicht mehr hinreichende Bedingung für das Erreichen des Unvorstellbaren. Worin liegen die Gründe für diese Entwicklung?

Nun, seit jeher strebt der Mensch nicht nur in der Bergsteigerei nach immer Größerem und Höherem. Jeweils galt es in Neues vorzustoßen und Hürden zu überwinden – die menschlisch physischen und die technischen. Aus immer verbesserten Methoden – wie der Erfindung des Steigeisens oder leichterer Kletterseile - erwuchs letztlich der Glaube, alles technisch Machbare ist auch für den Menschen machbar. Allein: Es muss organisiert werden. Es mag ein historischer Zufall sein oder nicht, dass dieser Glaube an die technische Organisierbarkeit des menschlichen Handelns und Strebens in der (Unblüte-)Zeit des Totalitarismus vor dem zweiten Weltkrieg seine Wurzeln hat, aber vielleicht ist dieses Bild vom Glauben des Planbaren auch heute noch auf unsere Gesellschaft und das Verständnis von ihr übertragbar – zumindest in Ansätzen.

Mehr Bildung, mehr KiTas, mehr Elternmonate, mehr Geld für die Bedürftigen, mehr Netto vom Brutto… diese Liste ließe sich fast endlos fortführen und soll an dieser Stelle nicht gewertet werden. Nur eines: In ihr steckt das Gefühl, etwas laufe verkehrt und diese oder jene Maßnahme werde kurz- bis mittelfristig Abhilfe schaffen. Es läßt sich demnach das Wachstum “beschleunigen” und in den immer zahlreicheren und schlaueren Kindern stecken die Erfindungen von morgen und damit das Bruttosozialprodukt von übermorgen. Es muss mehr Geld für die Leistungsträger vorhanden sein, damit diese mehr arbeiten und ihre Kinder in die Bildungseinrichtungen stecken können. Die Bedürftigen sind die, die mit diesem organisierten Tempo nicht mehr mitkommen. Das darf natürlich nicht sein: Weiterbildung bis der Arzt kommt oder zumindest höhere Unterstützungssätze für die Binnennachfrage. Nun ist es richtig, Eltern mehr Freirraum zu schaffen. Es stimmt, dass der Leistungsgedanke wichtig ist für das Fortkommen. Es ist eine zivilisatorische Errungenschaft, dass den Schwächeren von der Gesellschaft geholfen wird.

Aber bringt uns das auf den Nanga Parbat? Nein, sicher nicht. Der Gipfel ist die Leistung von Einzelnen, von Eliten, die in der entsprechenden Situation fähig sind und auch das rechte Glück haben, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dafür benötigen sie eine gewisse Freiheit, aber auch das Gefühl der Einbettung in die Gesamtheit. Denn der Sturz ins Bodenlose ist auch für den talentiertesten und mutigsten Bergsteiger ein gleichsam banales wie reales Problem. Wichtig ist daher: Nicht über Versagen von Eliten zu lachen. Auf der anderen Seite muss sich eine Elite der gesamtheitlichen Verantwortung und der Tragweite ihres möglichenn Scheiterns bewusst sein. Dieses Bewusstsein muss nicht immer monetären Charakter haben – aufrichtige Demut und Reue wiegen oftmals mehr. Aber auch die Früchte des Erfolges müssen geteilt werden. Reinhold Messner hat das erkannt: Er widmet sich gemeinnützigen Alpen-Projekten, fördert Kinder- und Entwicklungsprojekte im Himalaya. Er kehrt immer wieder zurück an den Ort seines größten Erfolges und seiner größten Niederlage und trägt die Last des verlorenen Bruders.

Ich zweifle derweil an dem Fortbestand dieser gesellschaftlichen “Bergsteigerübereinkunft”. Manch einer meint, er schafft es allein hinauf, andere sprechen von “Nieten in Nadelstreifen” und wieder andere wollen das Hinaufsteigen gänzlich verbieten. Aber es darf nicht sein, dass wir uns nicht mehr auf den Nanga Parbat trauen – er bietet so viele Chancen. Und man muss gar nicht auf den Gipfel, das Spurensetzen in 6.000 Metern Höhe ist auch eine feine Sache.

Tags: Ethik
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Ausgebrannt, verkannt: Beamte

Martin Kamp

streichhoelzer

Professor Klaus Kocks mag ja zur allgemeinen Erheiterung als intellektuell-origineller Pausenclown von Talkshow zu Talkshow gereicht werden. Seinen Unterhaltungswert in anonsten langweiligen Diskussionsrunden kann man ihm gewiss nicht absprechen.

Im einem Blog-Beitrag  befasst er sich nun mit dem Phänomen des “Bore out” im Arbeitsleben, “das Leiden all jener, die sich zu Tode langweilen („to bore“), weil sie chronisch unterfordert sind.” Das Bore-Out stellt er dem Burn-Out gegenüber. Und kaum hat er dem Leser dieses (vergleichsweise neue) Phänomen erklärt, beginnt er einen Rundumschlag gegen Beamte. Den Schwarzen Peter schiebt er zwar den Behörden, nicht den Beamten selbst zu. Was aus ihnen wird, steht für Kocks indes außer Frage: “Anzuwenden wäre der Lehrsatz, dass Beamte nicht als Faulenzer geboren werden, sondern zu Faulenzern gemacht.” Und mit Blick auf die Beamten spricht Kocks vom “Speck”, den die “Made” hat; von “fat cats” und “Selbstbedienung”.

Das ist dann aber schon nicht mehr so originell, sondern Klaus Kocks bedient auf billige Weise Klischees und Ressentiments. Nichts gegen sachliche Diskussionen über das Für und Wider von Beamtenpensionen und Beihilferegelungen. Aber nicht so, wie Kocks es macht.

Das Gefährliche aber an seinem Beitrag ist, dass er seine Ausführungen zum “Bore-out”-Syndrom und seine Suada gegen das Beamtentum in einen Beitrag packt. Erweckt er dadurch doch den Eindruck, als sei Bore-out eine Beamtenkrankheit.  Sein Artikel ist denn auch so überschrieben: “Wenn die Amtsstube zum Sterbezimmer wird…” Das klingt originell, ist aber töricht – zumal ganz viele Beamte gar nicht in Amtsstuben sitzen, sondern zum Beispiel bei Mai-Krawallen in Berlin-Kreuzberg Dienst tun oder in überfüllten Schulklassen Kinder unterrichten. Und da ist denn doch anzunehmen, dass viele Beamtinnen und Beamte eher ausgebrannt sind als dass sie sich langweilen, dass “Burn-out” ein größeres Problem ist al “Bore-out”. (Übrigens ist in den letzten Jahren für viele Beamte die Arbeitszeit angehoben worden!)

Und zum” Bore-out” selbst: Natürlich ist es ein Problem, wenn Beschäftigte, egal in welcher Branche, unterfordert sind. Das verdient Aufmerksamkeit. Aber es ist ein zu wichtiges Problem, als dass es im Kampf gegen das Beamtentum auf billige Weise instrumentalisiert werden dürfte. Die Antwort darf doch nicht lauten: Schafft das Berufsbeamtentum ab! (Womit keinem Bore-out-Kandidaten in der Privatwirtschaft geholfen wäre.) Sondern: Macht die Arbeit interessanter – dort, wo sie bisher nicht interessant ist. Und vergesst darüber nicht das gewiss viel größere Burn-out-Problem, die Arbeitsverdichtung in vielen Bereichen, Stress und Leistungdruck. Das Hauptproblem der Arbeitnehmer ist gewiss nicht, dass sie nicht genug leisten dürfen.

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