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Soziale Ordnung! Das Magazin der Christlich-Sozialen

Hier diskutieren die Christlich-Sozialen

Archiv für die Kategorie ‘Leseecke’

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Denkt mal an die Männer – Ein Buchtipp zum Weltfrauentag

 

von Martin Kamp, CDA-Hauptgeschäftsführer

Gleichberechtigung in Deutschland, in der westlichen Welt? – Fehlanzeige! Und worin drücken sich die ungleichen Lebenschancen beider Geschlechter am deutlichsten aus? Zu wenige Frauen in Führungsetagen? Weniger Lohn für gleiche Arbeit, die Frauen leisten? – Alles Peanuts. Die größte Ungerechtigkeit besteht darin, dass eines der beiden Geschlechter eine deutlich kürzere Lebenserwartung hat als das andere: Männer leben im Durchschnitt in den alten Bundesländern rund sechs Jahre und in den neuen Ländern sogar sieben Jahre weniger als Frauen, im Russland nach dem Ende der Sowjetunion waren es sogar 14 Jahre. Dass Männer kürzer leben als Frauen ist nicht vom Himmel gefallen, weder biologisch noch genetisch bedingt. Immerhin besteht dort, wo die Lebensgewohnheiten beider Geschlechter fast gleich sind, in Klöstern und israelischen Kibbuzim, auch kaum ein Unterschied in der Lebenserwartung.

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Sind politische Frauengruppierungen noch zeitgemäß?

 

von Karin Möhle, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft “Frauen in der CDA”

Karin Möhle

Die oben stehende Frage wird mir häufig von jungen Frauen gestellt. Es lohnt sich, laut darüber nachzudenken, warum politische Frauengruppierungen notwendig sind. Da wäre zunächst einmal die Problematik der Entgeltungleichheit. Die Differenz zwischen den durchschnittlichen Entgelten von Frauen und Männern beträgt seit Jahren um die 23 Prozent. Und das, obwohl laut Grundgesetz eine unmittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ausgeschlossen ist. Mittelbar findet sie dann doch statt, zum Beispiel über die Bewertung und Bezahlung von Arbeitsplätzen, die typischerweise von Frauen besetzt werden.

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Tags: Entgeltungleichheit, Equal Pay Day, Frauen, Frauenrechte
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Mehr Jobs für die Generation 60plus

 

von Karl-Josef Laumann MdL, CDA-Bundesvorsitzender

Karl-Josef Laumann

Seit Januar läuft die schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67. Das ist ein guter Grund, die Beschäftigungssituation älterer Menschen im Auge zu behalten. Denn die „Rente mit 67“ hat nur dann ihre Berechtigung, wenn die Beschäftigten auch tatsächlich Chancen bekommen, bis zum regulären Renteneintritt zu arbeiten. Mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen weist die Politik gerne darauf hin, dass die Arbeitsmarkt-Perspektiven Älterer steigen. Was aber ist, wenn man die Frage umkehrt: Wie viele ältere Menschen haben eigentlich einen Job – und zwar einen sozialversicherungspflichtigen?

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Tags: Arbeitslose, Arbeitsmarkt, Statistik
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Wachstum ist nicht alles

 

von Dr. Matthias Zimmer MdB, CDA-Bundesvorstand

Dr. Matthias Zimmer

Die FDP hat sich positioniert: Sie will sich als Wachstumspartei profilieren. Und zunächst einmal ist das vielleicht auch nicht falsch. Im Stabilitätsgesetz von 1967 sind als wirtschaftspolitische Ziele Preisniveaustabilität, ein hoher Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht sowie ein angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum festgelegt. Doch hier stutze ich schon. Was ist ein angemessenes und stetiges Wachstum? Schon wenn wir ein durchschnittliches Wachstum von einem Prozent pro Jahr haben verdoppelt sich das Bruttoinlandsprodukt in 70 Jahren. Ein stetiges Wachstum, egal mit welcher Wachstumsrate, ist nicht linear, sondern wirkt exponentiell. Da wir auf dem Planeten nur begrenzte Ressourcen und Reserven haben, ist ein stetiges (weil exponentielles) Wachstum nicht möglich. Das macht auch ein Bild deutlich, der so genannte ökologische Fußabdruck. Dieser rechnet die Ressourcen, die für den Alltag benötig werden, in Flächenverbrauch um. Das kann man auch für sich ganz persönlich berechnen – auf der Internetseite www.footprint-deutschland.de. Entscheidend aber ist: Weltweit übersteigt der ökologische Fußabdruck die Fläche der Erde um das 1,5-fache. Wenn alle weltweit wirtschaften würden wie in Deutschland, würde die Erde um das 2,8-fache verbraucht. Hier ist ein Umsteuern notwendig, schon im Interesse der nachfolgenden Generationen.

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Tags: Arbeit, Soziale Marktwirtschaft, Wachstum, Wirtschaftspolitik, Wohlstand
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“Rente mit 67″: Flexible Lösungen müssen her

 

Peter Weiß

Peter Weiß

Die Forderungen nach einer Aussetzung der Einführung der „Rente mit 67“ sind populistisch – und weisen in die falsche Richtung. Überall in Europa wird die deutsche Rentenpolitik zum Vorbild genommen. Schließlich wissen auch die anderen Staaten mittlerweile, dass Überschuldung und eine „Rente auf Pump“ die soziale Sicherung auf längere Sicht zerstören. Außerdem betrügen sie die junge Generation um ihre Perspektiven.

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Tags: Arbeit, Rente, Rente mit 67
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Februar 2012: Diskussionsforum startet neu

 

Liebe Besucherinnen und Besucher!

Aufgepasst: Das Diskussionsforum der Sozialen Ordnung startet neu! Ab dem 1. Februar 2012 werden an dieser Stelle neue Meinungsartikel eingestellt. Der CDA-Bundesvorsitzende Karl-Josef Laumannm wird genauso Stellung nehmen wie Peter Weiß, der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die Themen reichen von der “Rente mit 67″ bis zur Debatte um eine Lohnuntergrenze.

Diskutieren Sie mit uns. Wir freuen uns auf Klartext und lebhafte Debatten!

Ihre SO!-Redaktion

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Find´ Dein Glück in Osnabrück! – Wohlstand jenseits von Angebot und Nachfrage

Sascha Brok

Das unabhängige Königreich Bhutan im Himalaya ist eines der reichsten Länder der Welt – das Glück steht dort im Mittelpunkt, nicht die Exportquote. Und auch das sonst so beschaulich wirkende niedersächsische Osnabrück liegt bei solchen Ranglisten deutschlandweit an der Spitze. Die Frage also: Wie wird Wohlstand richtig gemessen?

Mit Beginn der Industrialisierung und zunehmender Organisierung der Produktionsabläufe veränderten sich die Ansprüche an die Messung der Wirtschaftsleistung und des Volkseinkommens. Betrachteten Moralphilosophen wie Adam Smith und John Stuart Mill die Nationalökonomie noch unter normativen Gesichtspunkten wie Freiheit und Glück, wandelte sich dies u. a. auch durch die Werke von Karl Marx hin zu einer mehr funktionalen Sichtweise auf das Wirtschaften. In der Statistik fand dieses Denken den Ausdruck in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) und in der marktseitigen Erfassung des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Es ist offensichtlich, dass diese Herangehensweise nicht alle Facetten des menschlichen Soziallebens erfassen kann. Dennoch: Die marktmäßige Leistung eines Landes ist für die Beurteilung von Wirtschaftspolitik unabdingbar. Daher sollten insbesondere Änderungen der Berechnungsweise nur behutsam vorgenommen. Ein Beispiel: In Deutschland steigt zunehmend die Bedeutung des Dienstleistungssektors gegenüber der Industrie. Die sinnvolle Anpassung der VGR hat aber auch zur Folge, dass Vergleiche und Bewertungen von Konjunkturverläufen über die Zeit schwieriger geworden sind. Einem Erkenntnisgewinn steht hier also auch ein Erkenntnisverlust gegenüber.

Es wäre jedoch töricht, aufgrund dieses Zusammenhangs jedwede Innovation bei der Messung von Wohlstand zu unterbinden und zu behindern. Denn gerade in reifen Volkswirtschaften wie in Deutschland spielen sich zahlreiche wohlstandsmehrende Aktionen außerhalb der statistischen Datenbank ab: Ehrenamt, Naturgenuss, Selbstverwirklichung… Die Bewertung dessen ist der Sinn und Zweck der Glücks- oder Wohlstandsforschung. Basierend letztlich auf Umfragen wird versucht, über Modellrechnungen und mathematische Verfahren Indices oder Rangfolgen von Bedürfnissen zu erstellen. Interessant ist etwa, dass Zufriedenheit sich weniger ökonomisch als durch die Erfüllung von Rechtsstaatskriterien begründen lässt. Auch Bildung, Zukunftssicherheit und Umwelt sind überragende Kategorien. Ein Problem war bis dato, dass die Ergebnisse zwar dargestellt werden konnten, aber das Zusammenspiel der Einflussgrößen kaum sichtbar und mithin daher die Forschungsergebnisse für die konkrete Wirtschaftspolitik wenig nutzbar waren. Dies scheint sich momentan zu ändern. Ein Beispiel ist etwa der Zusammenhang von Lebenszufriedenheit und Beschäftigungsquote, der in den Indices ein höheres Gewicht beigemessen wird als der Arbeitslosenrate oder das Einkommen.

Dass das Urteil darüber zwischen den Bevölkerungsschichten eines Landes oder auch im internationalen Vergleich unterschiedlich sein kann, liegt auf der Hand. Der Ökonom klassifiziert kühl nach wichtigen und weniger wichtigen Güter (superior und inferior): Nahrung – Arbeitsplatz – Gesellschaft – Freizeit, um eine einfache Reihenfolge zu benennen. Auch die geistigen Väter und politischen Konstrukteure der Sozialen Marktwirtschaft hatten dieses Dilemma bereits erkannt: Jenseits von Angebot und Nachfrage verorteten sie gesellschaftliche Notwendigkeiten, die nur im Zusammenspiel und Austausch der unterschiedlichen Ordnungen und Interessen zufriedenstellend gelöst werden können. Wenn mit der Glücksforschung und Wohlstandsmessung neue und bessere Indikatoren fassbar werden, sollten diese genutzt – ihr Erkenntnisgewinn jedoch nicht eindimensional überschätzt – werden.

Denn z. B. beim sogenannten Lichtindex – gemessen wird die Veränderung der künstlichen Beleuchtung eines Landes durch Satellitenaufnahmen aus dem Weltall – weicht Bhutan nur unwesentlich von der Wachstumsrate des herkömmlich berechneten Bruttosozialprodukts ab. Der Lichtindex für Osnabrück indes ist noch ein offenes Forschungsfeld.

Tags: Wohlstand; Arbeitsmarkt; Wirtschaft
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Was man von Reinhold Messner lernen kann – eine Polemik

Sascha Brok

Die erfolgreiche Besteigung des Nanga Parbat durch die Messner Brüder im Jahr 1970 war der endgültige Wendepunkt in der modernen Bergsteigerei. Was den großen Expeditionen und dem damit verbundenen logistischen Aufwand verwehrt blieb, gelang im Kampf des Einzelnen gegen den Berg. Sicher: Basis-Camp und Ausrüstung wurden, werden und werden wohl auch zukünftig von mehr oder weniger größeren Mannschaften organisiert und gesichert werden müssen. Aber sie stellen nunmehr lediglich die Basis des Erfolges dar – sind also notwendige Vorraussetzung, aber mithin nicht mehr hinreichende Bedingung für das Erreichen des Unvorstellbaren. Worin liegen die Gründe für diese Entwicklung?

Nun, seit jeher strebt der Mensch nicht nur in der Bergsteigerei nach immer Größerem und Höherem. Jeweils galt es in Neues vorzustoßen und Hürden zu überwinden – die menschlisch physischen und die technischen. Aus immer verbesserten Methoden – wie der Erfindung des Steigeisens oder leichterer Kletterseile - erwuchs letztlich der Glaube, alles technisch Machbare ist auch für den Menschen machbar. Allein: Es muss organisiert werden. Es mag ein historischer Zufall sein oder nicht, dass dieser Glaube an die technische Organisierbarkeit des menschlichen Handelns und Strebens in der (Unblüte-)Zeit des Totalitarismus vor dem zweiten Weltkrieg seine Wurzeln hat, aber vielleicht ist dieses Bild vom Glauben des Planbaren auch heute noch auf unsere Gesellschaft und das Verständnis von ihr übertragbar – zumindest in Ansätzen.

Mehr Bildung, mehr KiTas, mehr Elternmonate, mehr Geld für die Bedürftigen, mehr Netto vom Brutto… diese Liste ließe sich fast endlos fortführen und soll an dieser Stelle nicht gewertet werden. Nur eines: In ihr steckt das Gefühl, etwas laufe verkehrt und diese oder jene Maßnahme werde kurz- bis mittelfristig Abhilfe schaffen. Es läßt sich demnach das Wachstum “beschleunigen” und in den immer zahlreicheren und schlaueren Kindern stecken die Erfindungen von morgen und damit das Bruttosozialprodukt von übermorgen. Es muss mehr Geld für die Leistungsträger vorhanden sein, damit diese mehr arbeiten und ihre Kinder in die Bildungseinrichtungen stecken können. Die Bedürftigen sind die, die mit diesem organisierten Tempo nicht mehr mitkommen. Das darf natürlich nicht sein: Weiterbildung bis der Arzt kommt oder zumindest höhere Unterstützungssätze für die Binnennachfrage. Nun ist es richtig, Eltern mehr Freirraum zu schaffen. Es stimmt, dass der Leistungsgedanke wichtig ist für das Fortkommen. Es ist eine zivilisatorische Errungenschaft, dass den Schwächeren von der Gesellschaft geholfen wird.

Aber bringt uns das auf den Nanga Parbat? Nein, sicher nicht. Der Gipfel ist die Leistung von Einzelnen, von Eliten, die in der entsprechenden Situation fähig sind und auch das rechte Glück haben, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dafür benötigen sie eine gewisse Freiheit, aber auch das Gefühl der Einbettung in die Gesamtheit. Denn der Sturz ins Bodenlose ist auch für den talentiertesten und mutigsten Bergsteiger ein gleichsam banales wie reales Problem. Wichtig ist daher: Nicht über Versagen von Eliten zu lachen. Auf der anderen Seite muss sich eine Elite der gesamtheitlichen Verantwortung und der Tragweite ihres möglichenn Scheiterns bewusst sein. Dieses Bewusstsein muss nicht immer monetären Charakter haben – aufrichtige Demut und Reue wiegen oftmals mehr. Aber auch die Früchte des Erfolges müssen geteilt werden. Reinhold Messner hat das erkannt: Er widmet sich gemeinnützigen Alpen-Projekten, fördert Kinder- und Entwicklungsprojekte im Himalaya. Er kehrt immer wieder zurück an den Ort seines größten Erfolges und seiner größten Niederlage und trägt die Last des verlorenen Bruders.

Ich zweifle derweil an dem Fortbestand dieser gesellschaftlichen “Bergsteigerübereinkunft”. Manch einer meint, er schafft es allein hinauf, andere sprechen von “Nieten in Nadelstreifen” und wieder andere wollen das Hinaufsteigen gänzlich verbieten. Aber es darf nicht sein, dass wir uns nicht mehr auf den Nanga Parbat trauen – er bietet so viele Chancen. Und man muss gar nicht auf den Gipfel, das Spurensetzen in 6.000 Metern Höhe ist auch eine feine Sache.

Tags: Ethik
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Anstoßen und Anstupsen – Vorsätze einhalten

Martin Kamp

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Das neue Jahr hat begonnen. Viele gute Vorsätze wurden gefasst:  gesund ernähren, Sport treiben, lang Liegengebliebenes erledigen, fürs Alter vorsorgen. Klar: Nicht alles wird eingehalten, der eine oder andere Plan wird gewiss über Bord geworfen. Aber auf gute Vorsätze deshalb komplett verzichten? Finde ich nicht.  Übrigens kann man sich das Einhalten der Vorsätze etwas leichter machen. Etwa wenn es um Ernährung und Bwegung geht: Da gibt es “heute anfangen” – ein Projekt der Freien Uni Berlin. In evangelisch.de, dem neuen Online-Portal der Evangelischen Kirche kann man sich selbst an das, was man erledigen will, erinnern und Briefe an sich selbst schicken.

Und die Verhaltensökonomen Thaler und Sunstein haben gar ein – sehr lesenwertes – Buch darüber geschrieben, “wie man kluge Entscheidungen anstößt”: “Nudge”. Weil Menschen von Natur aus nicht rational sind, so die Grundthese von Thaler und Sunstein,  müssen sie manchmal angestupst werden, das Richtige zu tun. ”Liberaler Paternalismus” nennen sie das. Die Autoren weisen in ihrem Buch auf die amerikanische Internetseite Stickk.com hin; dort kann man online Verträge mit sich selbst abschließen.

Warum Menschen dazu neigen, bequem zu sein, lästige Entscheidungen zu verschieben, das langfristig Gebotene und Vernünftige nicht zu tun – das ist ein Thema, mit dem sich Hirnforscher und Psychologen befassen. Neu ist das Thema übrigens nicht.

Schon die Einführung des gesetzlichen Rentenversicherung wurde auch damit begründet, dass die Menschen von sich aus die notwendige Vorsorge unterließen.

So schrieb REITZENSTEIN im Jahr 1884 mit Blick auf die Altersvorsorge:

„Auch in den mit einer höheren Bildung ausgestatteten Klassen der Gesellschaft, die doch mehr in der Zukunft zu rechnen gewohnt sind, ist doch in jener Lebensperiode eine Vorsorge durchaus ungewöhnlich. Würden wir es nicht fast als eine Verirrung betrachten, wenn ein junger Mann etwa während seines Universitätslebens sich bereits mit der Sicherung seines Alters und seiner Witwen und Waisen beschäftigte?

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Gegessen. Gelesen. Und jetzt?

Martin Kamp

rindfleisch

Nein, ich habe an den Weihnachtstagen nicht wie ein Asket gelebt. Es gab reichlich zu essen – und gut. Sylvester und Neujahr wird es – auch wenn der Speiseplan noch nicht steht – vermutlich nicht anders sein.  Kochen macht Spaß – und gutes Essen auch. Das habe ich mir bisher nicht von Fitnesspäpsten und Gesundheitsgurus vermiesen lassen (nicht einmal von Professor Lauterbach das Grillen!).

Und ich habe es immer für zu naiv gehalten, dass mein eigenes entwicklungspolitisches Engagement erst dadurch glaubwürdig werden soll, dass ich mein persönliches Essverhalten ändere. Charity-Galas à la Ute Ohoven haben mich zwar immer angewidert – Luxus-Events gegen den Hunger der Welt. Aber mit meiner “normalen Mischkost”, zu der auch Fisch, Fleisch und gelegentlich auch ein  Stück Rindfleisch gehört, wähnte ich mich doch immer in der ethisch unangreifbaren Ernährungsfraktion. Und das umso mehr, als das eine oder andere bei uns im Kühlschrank und in der Vorratskammer Bio- und Fairtrade-Siegel trägt. Genauso wenig war (und ist) es mein Ding, anderen wegen des Konsums etwa von Fleisch ins Gewissen zu reden. Mit anderen Worten: Wenn es in meiner Küche etwas Saures gibt, dann ist es Essig – und nicht Moralin.

Doch nun bin ich auf das Buch “Kein Brot für die Welt – Die Zukunft der Welternährung” gestoßen – und habe es geradezu verschlungen. Der Autor Wilfried Bommert  erläutert, wie der Klimawandel, Wassermangel und andere Umweltprobleme, die weiter steigende Weltbevölkerung und andere Umstände zu einer Welternährungskrise führen.

Besonders beeindruckend ist, wie er zum einen die Konkurrenz “zwischen Trog und Teller” und die Konkurrenz zwischen “Tank und Teller” beschreibt.

Trog und Teller – das ist der Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Getreidemangel bzw. hohen Getreidepreisen. Um die Jahrtausendwende wurden 40.000.000.000 Hähnchen pro Jahr gemästet. Jedes Hähnchen

“hat zuvor rund drei Kilo Getreide gefressen, um auf sein Gewicht zu kommen. Jedes Kilo Schweinefleisch zusätzlich schlägt mit bis zu vier Kilo Getreide zu Buche und jedes Kilo Rindfleisch sogar mit bis zu neun Kilo Getreideverbrauch.”  (S. 157)

Vereinfacht ausgedrückt: Die Tiere, zumal die Kühe, essen das, was zum Backen von Broten besser verwendet würde.

Tank und Teller – da geht es um Folgendes:

“Wo Pflanzen für Biosprit angebaut werden, können keine Nahrungsmittel wachsen.” (S. 265)

Das sind nur zwei kurze Auszüge aus dem lesenwerten Buch. Es überzeugt dadurch, dass es nicht ideologisch daher kommt, sondern Fakten liefert – und das zuhauf. Es will in erster Linie Wissen vernitteln und nicht ans Gewissen appellieren – und gerade deshalb stellt sich der Leser nach der Lektüre die Frage, was er ganz persönlich ändern sollte.

Wilfried Bommert: “Kein Brot für die Welt- Die Zukunft der Welternährung”, Riemann-Verlag, München 2009.

Tags: Entwicklungshilfe, Ethik, Gesundheit
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