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Soziale Ordnung! Das Magazin der Christlich-Sozialen

Hier diskutieren die Christlich-Sozialen

Archiv für die Kategorie ‘SO! nicht!’

Gute Familien, gute Bildung

Martin Kamp

bildung

Nach Hannelore Kraft hat wieder einmal ein Sozialdemokrat zugeschlagen: Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Buschkowsky will das Kindergeld halbieren, das eingesparte Geld stattdessen in die Bildung investieren. Nun ist es gewiss richtig, über Zielgenauigkeit in der Sozial-, Bildungs- und Familienpolitik zu diskutieren. Es ist auch angebracht, genau zu überlegen, wie man das “Hartz-IV”-Urteil des Bundesverfassungsgerichts so umsetzt, dass die Kinder davon profitieren. Und es gibt gute Gründe dafür, in Ruhe zu überlegen, in welcher Weise das Betreuungsgeld ab 2013 gewährt wird. Auf Gutscheine, auf Sach- und Dienstleistungen zu setzen – das kann Sinn machen. Doch bei alledem darf man nicht ins andere Extrem verfallen und den Eindruck erwecken, als könnten Eltern generell nicht mit Geld umgehen. Geldleistungen an Familien und gute Bildung müssen keine Gegensätze sein. Vom Schreibtisch über Schulhefte und -bücher bis zum PC - all das, was Kinder neben guten Kitas und Schulen für die Bildung brauchen, kostet Geld. Und die allermeisten Eltern gucken, wie sie jeden Tag über die Runden kommen und ihren Kindern dabei eine gute Bildung ermöglichen können. Wer den Eindruck erweckt, das Geld in den Händen der Eltern werde automatisch für Flachbildfernseher, Zigaretten und Schnaps verwendet, tut den allermeisten Familien zu kurz. Und gute Bildung gegen die Familien durchzusetzen – das ist sowieso zum Scheitern verurteilt. Dass Buschkowsky seine Überlegungen ausgerechnet bei einer Veranstaltung der FDP kundgetan hat, mag man für eine nette Pointe halten.  Doch Westerwelle, Kraft, Buschkowsky – diese sozialliberale Troika schürt Ressentiments gegen Hilfeempfänger, schreibt Langzeitarbeitslose ab und schürt das Misstrauen gegenüber Familien. All das ist weder sozial noch liberal, sondern nur noch schäbig.

Tags: Familie, Sozialpolitik
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Ausgebrannt, verkannt: Beamte

Martin Kamp

streichhoelzer

Professor Klaus Kocks mag ja zur allgemeinen Erheiterung als intellektuell-origineller Pausenclown von Talkshow zu Talkshow gereicht werden. Seinen Unterhaltungswert in anonsten langweiligen Diskussionsrunden kann man ihm gewiss nicht absprechen.

Im einem Blog-Beitrag  befasst er sich nun mit dem Phänomen des “Bore out” im Arbeitsleben, “das Leiden all jener, die sich zu Tode langweilen („to bore“), weil sie chronisch unterfordert sind.” Das Bore-Out stellt er dem Burn-Out gegenüber. Und kaum hat er dem Leser dieses (vergleichsweise neue) Phänomen erklärt, beginnt er einen Rundumschlag gegen Beamte. Den Schwarzen Peter schiebt er zwar den Behörden, nicht den Beamten selbst zu. Was aus ihnen wird, steht für Kocks indes außer Frage: “Anzuwenden wäre der Lehrsatz, dass Beamte nicht als Faulenzer geboren werden, sondern zu Faulenzern gemacht.” Und mit Blick auf die Beamten spricht Kocks vom “Speck”, den die “Made” hat; von “fat cats” und “Selbstbedienung”.

Das ist dann aber schon nicht mehr so originell, sondern Klaus Kocks bedient auf billige Weise Klischees und Ressentiments. Nichts gegen sachliche Diskussionen über das Für und Wider von Beamtenpensionen und Beihilferegelungen. Aber nicht so, wie Kocks es macht.

Das Gefährliche aber an seinem Beitrag ist, dass er seine Ausführungen zum “Bore-out”-Syndrom und seine Suada gegen das Beamtentum in einen Beitrag packt. Erweckt er dadurch doch den Eindruck, als sei Bore-out eine Beamtenkrankheit.  Sein Artikel ist denn auch so überschrieben: “Wenn die Amtsstube zum Sterbezimmer wird…” Das klingt originell, ist aber töricht – zumal ganz viele Beamte gar nicht in Amtsstuben sitzen, sondern zum Beispiel bei Mai-Krawallen in Berlin-Kreuzberg Dienst tun oder in überfüllten Schulklassen Kinder unterrichten. Und da ist denn doch anzunehmen, dass viele Beamtinnen und Beamte eher ausgebrannt sind als dass sie sich langweilen, dass “Burn-out” ein größeres Problem ist al “Bore-out”. (Übrigens ist in den letzten Jahren für viele Beamte die Arbeitszeit angehoben worden!)

Und zum” Bore-out” selbst: Natürlich ist es ein Problem, wenn Beschäftigte, egal in welcher Branche, unterfordert sind. Das verdient Aufmerksamkeit. Aber es ist ein zu wichtiges Problem, als dass es im Kampf gegen das Beamtentum auf billige Weise instrumentalisiert werden dürfte. Die Antwort darf doch nicht lauten: Schafft das Berufsbeamtentum ab! (Womit keinem Bore-out-Kandidaten in der Privatwirtschaft geholfen wäre.) Sondern: Macht die Arbeit interessanter – dort, wo sie bisher nicht interessant ist. Und vergesst darüber nicht das gewiss viel größere Burn-out-Problem, die Arbeitsverdichtung in vielen Bereichen, Stress und Leistungdruck. Das Hauptproblem der Arbeitnehmer ist gewiss nicht, dass sie nicht genug leisten dürfen.

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Anstoßen und Anstupsen – Vorsätze einhalten

Martin Kamp

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Das neue Jahr hat begonnen. Viele gute Vorsätze wurden gefasst:  gesund ernähren, Sport treiben, lang Liegengebliebenes erledigen, fürs Alter vorsorgen. Klar: Nicht alles wird eingehalten, der eine oder andere Plan wird gewiss über Bord geworfen. Aber auf gute Vorsätze deshalb komplett verzichten? Finde ich nicht.  Übrigens kann man sich das Einhalten der Vorsätze etwas leichter machen. Etwa wenn es um Ernährung und Bwegung geht: Da gibt es “heute anfangen” – ein Projekt der Freien Uni Berlin. In evangelisch.de, dem neuen Online-Portal der Evangelischen Kirche kann man sich selbst an das, was man erledigen will, erinnern und Briefe an sich selbst schicken.

Und die Verhaltensökonomen Thaler und Sunstein haben gar ein – sehr lesenwertes – Buch darüber geschrieben, “wie man kluge Entscheidungen anstößt”: “Nudge”. Weil Menschen von Natur aus nicht rational sind, so die Grundthese von Thaler und Sunstein,  müssen sie manchmal angestupst werden, das Richtige zu tun. ”Liberaler Paternalismus” nennen sie das. Die Autoren weisen in ihrem Buch auf die amerikanische Internetseite Stickk.com hin; dort kann man online Verträge mit sich selbst abschließen.

Warum Menschen dazu neigen, bequem zu sein, lästige Entscheidungen zu verschieben, das langfristig Gebotene und Vernünftige nicht zu tun – das ist ein Thema, mit dem sich Hirnforscher und Psychologen befassen. Neu ist das Thema übrigens nicht.

Schon die Einführung des gesetzlichen Rentenversicherung wurde auch damit begründet, dass die Menschen von sich aus die notwendige Vorsorge unterließen.

So schrieb REITZENSTEIN im Jahr 1884 mit Blick auf die Altersvorsorge:

„Auch in den mit einer höheren Bildung ausgestatteten Klassen der Gesellschaft, die doch mehr in der Zukunft zu rechnen gewohnt sind, ist doch in jener Lebensperiode eine Vorsorge durchaus ungewöhnlich. Würden wir es nicht fast als eine Verirrung betrachten, wenn ein junger Mann etwa während seines Universitätslebens sich bereits mit der Sicherung seines Alters und seiner Witwen und Waisen beschäftigte?

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Blutsauger, Datensauger

Martin Kamp

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Daimler, Beiersdorf, Merck – die Liste der Firmen, die bei Stellenbewerbern reihenweise Bluttests vornehmen, wird immer länger. Bloßes Vorsichtsmaßnahme, um die Betroffenen zu schützen? Kaum zu glauben. Sicher, für manche Tätigkeiten mögen solche Untersuchungen angebracht sein. Aber nicht in dem Rahmen, der jetzt bekannt geworden ist. Das hat mit Gesundheitsschutz nicht mehr so viel zu tun. Gesundheitsschutz und Datenschutz müssen keine Gegensätze sein. Aber dazu sind alle Tests und Untersuchungen auf das absolute Mindestmaß zu reduzieren. Der gläsere Arbeitnehmer kann nicht das Ziel sein. Unter Umständen muss der Gesetzgeber noch mal tätig werden. Das Gendiagnostikgesetz ist richtig und wichtig. Gut, dass CDU, CSU und FDP sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt haben, den Arbeitnehmerdatenschutz in einem eigenen Kapitel des Bundesdatenschutgesetzes zu regeln.

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Extra-Rente für Extra-Würste?

Martin Kamp

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Renten-Bonus für Raucher? Belohnung fürs Schokoladen-Essen? Extra-Rente für Extra-Würste? – Was sich nach Vorschlägen aus Absurdistan anhört, ist in der privaten Rentenversicherung Realität. Spiegel-Online berichtet jetzt über Versicherungspolicen, die Versicherten mit einer geringeren Lebenserwartung eine höhere Rente zahlen. Und weil Raucher und Übergewichtige statistisch gesehen früher sterben, profitieren vor allem sie davon.

Versicherungstheoretisch macht das Sinn: Wer früher stirbt, bekommt auch weniger oft seine Monatsrente. Der Ökonom Friedrich Breyer sieht in den gleich hohen Monatsrenten in der gesetzlichen Rentenversicherung sogar eine große Ungerechtigkeit. Weil Geringverdiener eine geringere Lebenserwartung hätten, bekämen sie insgesamt auch zu wenig aus der Rentenversicherung heraus.

Doch dabei wird eines übersehen: Die gesetzliche Rentenversicherung ist keine Riskoversicherung. Folgte man Breyers Logik, müssten Frauen Rentenabschläge hinnehmen, weil sie länger leben. Aber gerade das wollen wir doch nicht. Geringverdienern muss man anders helfen: durch die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik. Dadurch, dass langjährige Beitragszahler eine Rente oberhalb der Grundsicherung erhalten.

Und durch Gesundheitsförderung – damit die Lebenserwartung steigt. Oder wollen wir tatsächlich Anreize dafür setzen, Raucherlungen und Fettleibigkeit vorsätzlich herbeizuführen?

Tags: Gesundheit, Rente
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Erst geladen, dann gefeuert

Martin Kamp

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Am Ende hat das Unternehmen doch noch die Kurve gekriegt. Eine Firma aus Oberhausen hatte einem Mitarbeiter fristlos gekündigt. Grund: Er soll sein Handy im Betrieb aufgeladen haben. Heute nun hat das Arbeitsgericht Oberhausen mitgeteilt, dass die Kündigung zurückgenommen worden sei. Zu offensichtlich war wohl, dass der Grund vorgeschoben, der “Schaden” durch den “Stromdiebstahl” nicht ernst zu nehmen war.

Denn um welchen Betrag geht es? So viel ist klar: Im Vergleich zu diesem Fall hat die Kassiererin E. aus Berlin mit ihrem mutmaßlichen Pflaschenpfand-Betrug in Höhe von 1,30 Euro ein Schwerstverbrechen begangen. Denn eine Handy-Ladung Strom kostet nur ein Bruchteil von einem Cent.

Wie kann man sich als Arbeitnehmer vor bösen Unterstellungen überhaupt noch schützen? Am besten nicht nur den Kaffee in der Warmehalte-Kanne mit ins Büro bringen. Sondern auch Feuchttücher und Plastiktüten. Denn wer weiß, ob einem sonst nicht irgendwann das Händewaschen und das Betätigen der Klospülung zum Verhängnis wird?

Tags: Arbeitsrecht
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Luxus-Revoluzzer

Martin Kamp

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Vielleicht wussten DGB-Chef Michael Sommer und die Präsidentschaftskandidatin der SPD Gesine Schwan schon mehr als wir alle, als sie vor einigen Monaten angesichts der Krise vor sozialen Unruhen warnten. Nun ist es so weit: Es werden Werksbesetzungen angekündigt, mit unbefristeten Streiks und der Lahmlegung der Produktion gedroht. Ein Aufschrei der Entrechteten? Ein Aufruhr, der vom “abgehängten Prekariat” ausgeht, von mies bezahlten Leiharbeitern, von Arbeitslosen und “Hartz-IV”-Empfängern?

Mitnichten. Es handelt sich um die Ankündigung des Betriebsratsvorsitzenden von Porsche, Hück,  - eines Unternehmens, das in den vergangenen Jahren “galaktische Gewinne” eingefahren hat, wie Hück sagt. Es geht also nicht darum, der Verelendung der Massen entgegenzuwirken, es geht nicht um “Umdenken und Gegenlenken”, wie es die Gewerkschaften angesichts der Krise fordern. Sondern es geht um einen Schachzug im Rahmen eines Machtkampfes, und es geht um die Soldidarität der Arbeitnehmervertreter mit einem Manager, der 77 Millionen Euro Jahresgezahlt beziehen soll und dem nun noch 100 Millionen Abfindung winken. Irre!

Tags: Krise
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Was ins Gewicht fällt

Martin Kamp

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“Bäcker wollen ihre Brötchen nicht wiegen”, lese ich eben. Hintergrund: Eine geplante EU-Verordnung zur Lebensmittelinformation, nach der das Wiegen von Kleingebäck vorgeschrieben werden soll. Klar, mag man denken: Warum eigentlich nicht? Manches Brötchen ist ja tatsächlich nicht mehr als ein “Mundvoll”, und viele Schrippen sind mehr Luft als Teig drumherum. Warum dann aber nicht die Zeitungen, die ich morgens beim Bäcker kaufe, gleich mit in die Waagschale werfen? Ob die Anzeigen mitgewogen werden dürfen, wäre allerdings noch zu klären, ebenso wie die Frage, ob das, was an heißer Luft in der Zeitung zu lesen ist, auch mit ins Gewicht fällt und bezahlt werden muss. Und wenn man schon mal dabei ist, könnte man doch auch Anzüge und Oberhemden nach Gewicht bezahlen. Wobei die EU das dann sicherlich als im Widerspruch zu ihren Antidiskriminierungsvorschriften stehend monieren würde.

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Wahl-Bonbons sind Nonsens

Martin Kamp

Nach dem Kinder-Bonus nun der Steuer-Bonus – so haben sich die Sozialdemokraten sich das vorgstellt. Wenn alle Welt schon – zu Recht – über die Boni von Investmentbankern in Wallung gerät, dann müssen – so scheint die SPD zu denken – Bonbons fürs Wahlvolk her. Doch so schön der Kinder-Bonus für die Begünstigten auch sein mag – der Steuer-Bonus für diejenigen, die auf eine Steuererkläung verzichten, ist eine Schnapsidee.

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