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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Die christlich-soziale Online-Illustrierte

Archiv für die Kategorie ‘SO! war's - Geschichten zur Geschichte der Sozialpolitik’

Anstoßen und Anstupsen - Vorsätze einhalten

Martin Kamp

schampus1

Das neue Jahr hat begonnen. Viele gute Vorsätze wurden gefasst:  gesund ernähren, Sport treiben, lang Liegengebliebenes erledigen, fürs Alter vorsorgen. Klar: Nicht alles wird eingehalten, der eine oder andere Plan wird gewiss über Bord geworfen. Aber auf gute Vorsätze deshalb komplett verzichten? Finde ich nicht.  Übrigens kann man sich das Einhalten der Vorsätze etwas leichter machen. Etwa wenn es um Ernährung und Bwegung geht: Da gibt es “heute anfangen” - ein Projekt der Freien Uni Berlin. In evangelisch.de, dem neuen Online-Portal der Evangelischen Kirche kann man sich selbst an das, was man erledigen will, erinnern und Briefe an sich selbst schicken.

Und die Verhaltensökonomen Thaler und Sunstein haben gar ein - sehr lesenwertes - Buch darüber geschrieben, “wie man kluge Entscheidungen anstößt”: “Nudge”. Weil Menschen von Natur aus nicht rational sind, so die Grundthese von Thaler und Sunstein,  müssen sie manchmal angestupst werden, das Richtige zu tun. ”Liberaler Paternalismus” nennen sie das. Die Autoren weisen in ihrem Buch auf die amerikanische Internetseite Stickk.com hin; dort kann man online Verträge mit sich selbst abschließen.

Warum Menschen dazu neigen, bequem zu sein, lästige Entscheidungen zu verschieben, das langfristig Gebotene und Vernünftige nicht zu tun - das ist ein Thema, mit dem sich Hirnforscher und Psychologen befassen. Neu ist das Thema übrigens nicht.

Schon die Einführung des gesetzlichen Rentenversicherung wurde auch damit begründet, dass die Menschen von sich aus die notwendige Vorsorge unterließen.

So schrieb REITZENSTEIN im Jahr 1884 mit Blick auf die Altersvorsorge:

„Auch in den mit einer höheren Bildung ausgestatteten Klassen der Gesellschaft, die doch mehr in der Zukunft zu rechnen gewohnt sind, ist doch in jener Lebensperiode eine Vorsorge durchaus ungewöhnlich. Würden wir es nicht fast als eine Verirrung betrachten, wenn ein junger Mann etwa während seines Universitätslebens sich bereits mit der Sicherung seines Alters und seiner Witwen und Waisen beschäftigte?

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Ich will Feuerwehrmann werden!

Sascha Brok

Die Finanz- und Wirtschaftskrise treibt immer neue Blüten. Und das ist positiv. Wenig bleibt auf dem Alten stehen: Boni-Banker stehen auf der öffentlichen Agenda, um es noch neutral zu formulieren. Kurzarbeit rettet uns über die Nachfragekrise und künftigen Mangel an Facharbeitskräften hinweg. Keynes stabilisiert den Autoverkauf über Abwrackprämien. Finanztransaktionssteuern sollen (globalen) Finanzbedarf sichern… und und und!

Kurz: die ökonomische Theorie und allgemeine Wirtschaftspolitik steht auf dem Prüfstand, ja vor einer Gezeitenwende. Dies geht gar so weit, dass eine britische (!) Studie die gesellschaftliche Bedeutsamtkeit der Reinigungskraft und der Entsorgungswirtschaft höher einschätzt als die des Steuerberaters. Als hätten wir es nicht schon immer gewusst: Nur gemeinsam geht es. Dafür essentiell ist die Würde jeden einzelnen Menschen. Wenn das die Lehre aus der Krise sein sollte, wäre viel gewonnen und die CDA mitten drin - statt nur dabei!

Hier der link zur Studie.

Tags: Wirtschaftspolitik
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Die demografische Ernüchterung

Martin Kamp

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Erfreulich: Die Lebenserwartung steigt, es gibt immer mehr Alte. Im Vergleich dazu kommen aber nur wenige junge Leute nach. Wo führt das zu den größten Problemen? In der Rentenversicherung? Im Gesundheitsbereich? In den Unternehmen, wo qualifizierte Nachwuchskräfte fehlen und es zu wenige altersgerechte Arbeitsplätze gibt? - Weit gefehlt. Am meisten macht es der Brau-Branche zu schaffen. Der Bier-Konsum ist rückläufig. Und den Grund dafür hat der Deutsche Brauer-Bund jetzt benannt: „Wir haben eine alternde Gesellschaft. Die älteren Menschen trinken weniger, und die jüngeren können das nicht ausgleichen.”

Wer hätte das bei der Einführung der gesetzlichen Rentenversicherung geahnt? Damals, Ende des 19. Jahrhunderts, wurde heftig darüber gestritten, ob nur arbeitsunfähige, invalide Menschen eine Rente bekommen sollten - oder jeder ab einem bestimmten Alter. Ein Argument, das seinerzeit gegen eine allgemeine Altersrente angeführt wurde, war der drohende Alkoholkonsum der Rentner. Ein solches „Staatspensionistentum”, so hieß es, führe zu einer „Schnapsbrüderschaft der Greise”.

Tags: Rente
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Nicht nur Almosen

Martin Kamp

Existenzsicherung im Alter? Manche meinen, dafür reicht die Grundsicherung oder Sozialhilfe. Doch schon Bismarck sah das im 19. Jahrhundert bei der Einführung der Sozialversicherung anders. Im Reichstag sagte er am 2. April 1881:

Nach dem Landrechte wenigstens soll niemand verhungern, ob es nicht dennoch geschieht, weiß ich nicht. Das genügt aber nicht, um den Mann mit Zufriedenheit auf sein Alter und seine Zukunft blicken zu lassen, und es liegt in diesem Gesetze auch die Tendenz, das Gefühl menschlicher Würde, welches auch der ärmste Deutsche meinem Willen nach behalten soll, wach zu erhalten, dass er nicht rechtlos als reiner Almosenempfänger dasteht…

Tags: Rente
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Zum Wohl-Sein…

Martin Kamp

schampus1

Gern wird immer mal wieder über Sozialmissbrauch lamentiert, darüber, dass Leistungen der Solidargemeinschaft zu Unrecht in Anspruch genommen werden. Ob früher alles besser war? Schauen wir, was die “Zeitschrift für badische Verwaltung” am 19. Februar 1887 schrieb:

„Der praktische Arzt Dr. B. in Freudenstadt (Königreich Wittenberg) verordnete einer an Lungenentzündung erkrankten Arbeiterin, welche… Mitglied der dortigen Fabrikarbeiterkrankenkasse war, innerhalb kaum zweier Monate außer Medicamenten und Mineralwassern nicht weniger als 33 ½ Flaschen Champagner und 48 Flaschen sonstiger Weine.”

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