
Das neue Jahr hat begonnen. Viele gute Vorsätze wurden gefasst: gesund ernähren, Sport treiben, lang Liegengebliebenes erledigen, fürs Alter vorsorgen. Klar: Nicht alles wird eingehalten, der eine oder andere Plan wird gewiss über Bord geworfen. Aber auf gute Vorsätze deshalb komplett verzichten? Finde ich nicht. Übrigens kann man sich das Einhalten der Vorsätze etwas leichter machen. Etwa wenn es um Ernährung und Bwegung geht: Da gibt es “heute anfangen” - ein Projekt der Freien Uni Berlin. In evangelisch.de, dem neuen Online-Portal der Evangelischen Kirche kann man sich selbst an das, was man erledigen will, erinnern und Briefe an sich selbst schicken.
Und die Verhaltensökonomen Thaler und Sunstein haben gar ein - sehr lesenwertes - Buch darüber geschrieben, “wie man kluge Entscheidungen anstößt”: “Nudge”. Weil Menschen von Natur aus nicht rational sind, so die Grundthese von Thaler und Sunstein, müssen sie manchmal angestupst werden, das Richtige zu tun. ”Liberaler Paternalismus” nennen sie das. Die Autoren weisen in ihrem Buch auf die amerikanische Internetseite Stickk.com hin; dort kann man online Verträge mit sich selbst abschließen.
Warum Menschen dazu neigen, bequem zu sein, lästige Entscheidungen zu verschieben, das langfristig Gebotene und Vernünftige nicht zu tun - das ist ein Thema, mit dem sich Hirnforscher und Psychologen befassen. Neu ist das Thema übrigens nicht.
Schon die Einführung des gesetzlichen Rentenversicherung wurde auch damit begründet, dass die Menschen von sich aus die notwendige Vorsorge unterließen.
So schrieb REITZENSTEIN im Jahr 1884 mit Blick auf die Altersvorsorge:
„Auch in den mit einer höheren Bildung ausgestatteten Klassen der Gesellschaft, die doch mehr in der Zukunft zu rechnen gewohnt sind, ist doch in jener Lebensperiode eine Vorsorge durchaus ungewöhnlich. Würden wir es nicht fast als eine Verirrung betrachten, wenn ein junger Mann etwa während seines Universitätslebens sich bereits mit der Sicherung seines Alters und seiner Witwen und Waisen beschäftigte?
