• Anmelden
 

Soziale Ordnung! Das Magazin der Christlich-Sozialen

Hier diskutieren die Christlich-Sozialen

Mit ‘Arbeit’ getaggte Artikel

Wachstum ist nicht alles

 

von Dr. Matthias Zimmer MdB, CDA-Bundesvorstand

Dr. Matthias Zimmer

Die FDP hat sich positioniert: Sie will sich als Wachstumspartei profilieren. Und zunächst einmal ist das vielleicht auch nicht falsch. Im Stabilitätsgesetz von 1967 sind als wirtschaftspolitische Ziele Preisniveaustabilität, ein hoher Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht sowie ein angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum festgelegt. Doch hier stutze ich schon. Was ist ein angemessenes und stetiges Wachstum? Schon wenn wir ein durchschnittliches Wachstum von einem Prozent pro Jahr haben verdoppelt sich das Bruttoinlandsprodukt in 70 Jahren. Ein stetiges Wachstum, egal mit welcher Wachstumsrate, ist nicht linear, sondern wirkt exponentiell. Da wir auf dem Planeten nur begrenzte Ressourcen und Reserven haben, ist ein stetiges (weil exponentielles) Wachstum nicht möglich. Das macht auch ein Bild deutlich, der so genannte ökologische Fußabdruck. Dieser rechnet die Ressourcen, die für den Alltag benötig werden, in Flächenverbrauch um. Das kann man auch für sich ganz persönlich berechnen – auf der Internetseite www.footprint-deutschland.de. Entscheidend aber ist: Weltweit übersteigt der ökologische Fußabdruck die Fläche der Erde um das 1,5-fache. Wenn alle weltweit wirtschaften würden wie in Deutschland, würde die Erde um das 2,8-fache verbraucht. Hier ist ein Umsteuern notwendig, schon im Interesse der nachfolgenden Generationen.

Wirtschaft ist die Kulturleistung des Menschen zur Daseinsvorsorge. Sie sagt nichts über die Ziele des Menschen aus, sondern stellt die Basis zur Verfügung, auf der die Ziele verfolgt werden können. Wir sollten mehr darüber sprechen, welche Ziele unserem Leben Sinn und Orientierung geben. Das wusste auch Ludwig Erhard. Sein Motto „Wohlstand für alle“ hat diesen Wohlstand ja nicht ausschließlich als Zunahme an materiellem Reichtum definiert. Eines sei klar, so Erhard: „Wohlstand ist eine Grundlage, aber kein Leitbild für die Lebensgestaltung”. Vielmehr sei es uns aufgegeben, “den Menschen mit seiner Umwelt zu versöhnen und wieder eine Harmonie im Ganzheitlichen zu finden.” Deswegen hat sich Erhard auch nicht damit anfreunden können, Wachstum als Ziel der Wirtschaftspolitik zu definieren. Zum einen werden damit die Dimensionen des guten Lebens aus dem Auge verloren, die das Leben lebenswert machen. Zum anderen verführt dies dazu, Wachstum künstlich auch durch Manipulationen des Finanzmarktes zu stimulieren. Wohin dies führt, haben wir in der Finanzkrise 2008 gesehen.

Wir sollten den Liberalen Wachstum als Ziel überlassen. Wenn nichts anderes mehr den liberalen Wertehorizont bestimmt, dann sei es so. Wir sehen Wachstum als Mittel zur Erreichung von Lebenszielen, als Voraussetzung für ein gutes Leben, das sich nicht nur im Konsum von Gütern erschöpft. Wachstum ist nicht alles. Eine ausschließliche Fixierung auf Wachstum ist vulgär. Deswegen mehren sich auch in der Union die Stimmen, die sich für eine vernünftige Begrenzung von Wachstum einsetzen – prominent etwa Wolfgang Schäuble in “Christ & Welt” vom 15. Dezember 2011. Darüber lohnt eine Diskussion, gerade auch vor dem Hintergrund des Anspruchs, den das „C“ an uns stellt.

Tags: Arbeit, Soziale Marktwirtschaft, Wachstum, Wirtschaftspolitik, Wohlstand
Abgelegt unter Leseecke, Politik & Gesellschaft | 2 Kommentare »

“Rente mit 67″: Flexible Lösungen müssen her

 

Peter Weiß

von Peter Weiß MdB, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion 

Die Forderungen nach einer Aussetzung der Einführung der „Rente mit 67“ sind populistisch – und weisen in die falsche Richtung. Überall in Europa wird die deutsche Rentenpolitik zum Vorbild genommen. Schließlich wissen auch die anderen Staaten mittlerweile, dass Überschuldung und eine „Rente auf Pump“ die soziale Sicherung auf längere Sicht zerstören. Außerdem betrügen sie die junge Generation um ihre Perspektiven.

 Die Bundesregierung hat ihre Hausaufgaben gemacht! Die OECD stellt in ihrem Bericht vom März 2011 fest, dass Deutschland zu den Ländern gehört, die den stärksten Anstieg der Erwerbstätigkeit der 50- bis 64-Jährigen seit 2000 verzeichnen. Außerdem hätten der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenanpassungsformel und die Einführung der „Rente mit 67“ das Rentensystem fit gemacht. Die soziale Teilhabe Älterer in Deutschland habe sich im letzten Jahrzehnt – von zuvor schon hohem Niveau – weiter verbessert. Angst vor dem demographischen Wandel müssen wir also nicht haben.

Verantwortbar ist die Anhebung der Regelaltersgrenze nur, wenn die schrittweise Verlängerung der Lebensarbeitszeit mit Maßnahmen für altersgerechte Arbeitsbedingungen einhergeht. Wir wollen, dass die Beschäftigten länger in ihrem Job bleiben können. Den einzelnen Arbeitnehmer interessieren nicht statistische Durchschnittswerte zum Renteneinstieg. Sie oder ihn interessiert, ob er auch tatsächlich länger arbeiten kann – und zwar gesund! Für mich gilt hier die Regel: Arbeit und Arbeitsplatz müssen sich an die Bedürfnisse der Menschen anpassen – nicht umgekehrt. „Humanisierung der Arbeitswelt“, „Arbeitsschutz“ und „Gesundheitliche Prävention am Arbeitsplatz“: Das dürfen nicht nur Schlagworte sein.

Schließlich möchte ich daran erinnern, dass „Rente mit 67“ ja nicht zwangsläufig heißt, dass man bis zum 67. Lebensjahr voll durcharbeitet. Jeder sollte gegen Ende des Berufslebens die Möglichkeit haben, seine Beschäftigung schrittweise zu reduzieren. Das Zauberwort lautet: flexible Lösungen.

Tags: Arbeit, Rente, Rente mit 67
Abgelegt unter Leseecke, Politik & Gesellschaft | 1 Kommentar »

Druck lohnt sich

Martin Kamp

einkaufswagen

Das ist ein gutes Urteil: Lidl darf nicht für faire Kleidung werben. Der Discounter hatte suggeriert, man beziehe die Textilien nur von solchen Lieferanten und Produzenten, die gewisse Sozialstandards einhalten. Tatsächlich klagten Näherinnen in Bangaldesh über unmenschliche Arbeitsbedingungen.  Es ist gut, dass Druck gemacht wird. In diesem Fall hatten die Verbraucherzentrale Hamburg und die Kampagne für Saubere Kleidung gegen Lidls Werbung geklagt. Aber so erfreulich das ist – es reicht nicht aus. Es kommt darauf an, dass politisch gehandelt wird: durch verpflichtende Sozialstandards, Informationspflichten über Produktionsbedingungen und die Forcierung von Sozial- und Umweltsiegeln.

Tags: Arbeit, Kinderarbeit
Abgelegt unter Politik & Gesellschaft | Keine Kommentare »

Mittagsschlaf in der Badewanne?

Martin Kamp

schlaf_buero_istock_blog

Auf Anhieb hat das neue Buch von Miriam Meckel die Bestseller-Listen erobert. Das mag an der Prominenz der Autorin oder an einer geschickten Vermarktung liegen. Doch gewiss hat es auch mit dem Thema zu tun. In “Brief an mein Leben” schreibt Meckel über ihre “Erfahrungen mit einem Burnout”.  Dass es sich bei ihrem Burnout nicht um einen Einzelfall handelt, zeigt auch ein Blick in die Statistik. Rund 11 Prozent der Fehltage der DAK-Versicherten waren 2009 auf psychische Erkrankungen zurückzuführen – Tendenz steigend, wie aus dem ”DAK-Gesundheitsreport 2010″ hervorgeht. 

Der Report geht insbesondere auf Schlafstörungen ein. Die haben nicht nur teilweise verheerende Auswirkungen auf das Arbeitsleben; so ist Übermüdung eine häufige Ursache für Unfälle am Arbeitsplatz. Sondern auch die Ursachen von Schlafstörungen haben oft genug mit dem Job zu tun. Bei über 70 Prozent der Schlafgestörten seien Stress und Belastungen Hauptursachen für die gestörte Nachtruhe. Und wörtlich heißt es im DAK-Gesundheitsreport:

Nach der Einschätzung der von der DAK befragten Experten haben Ein- und Durchschlafstörungen in den letzten Jahren zugenommen; eine Entwicklung, die nicht losgelöst von arbeitsbedingten Faktoren wie z.B. Leistungsdruck, Konkurrenz, Mobbing etc. gesehen wird.

Immerhin: In vielen Betrieben wächst das Bewusstsein für die Bedeutung “gesunden Arbeitens”. Und bei dem, was in Deutschland insgesamt für Gesundheit ausgegeben wird, wachsen die Leistungen für Prävention und Gesundheitsschutz. Angesichts von Gesundheitsausgaben von 263 Milliarden Euro (10,5 Prozent des BIP) im Jahr 2008 besteht bei den Präventionsausgaben von 10,7 Milliarden Euro (und angesichts des immensen Einsparpotenzial bei durch Prävention verhinderten Erkrankungen) gewiss noch Spielraum nach oben. Doch immerhin sind die Leistungen für Prävention und Gesundheitsschutz allein zwischen 2007 und 2008 um 5,5 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

Und auch die Arbeitgeber sind kreativ, wie im DAG-Magain “Praxis und Recht” nachzulesen ist – etwa wenn es darum geht, Schlafmangel entgegenzuwirken.

Einige Arbeitgeber helfen ihren Miitarbeitern sogar, am Arbeitsplatz kurze Schlafpausen einzulegen, das so genannte Powernapping… Die Leistungsfähigkeit steigt nach einem Mittagsschlaf um 30 Prozent an. Solche kreativen Mittagspausen können Mitarbeiter der Schweizer Google-Niederlassung sogar individuell nutzen: auf Sofas, in Hängematten oder in mit Schaumstoffbällen gefüllten Badewannen.

Schlafen am Arbeisplatz – spinnerte Idee oder sinnvoller Gesundheitsschutz? Schreiben Sie Ihre Meinung – oder schildern Sie, wie bei Ihnen im Betrieb Gesundheit gefördert wird.

Tags: Arbeit, Gesundheit
Abgelegt unter Politik & Gesellschaft | 2 Kommentare »

Gefährliche Schnapsidee

Martin Kamp

krankenschwester1

Man könnte den Vorschlag von Hannelore Kraft ja als bloße Schnapsidee abtun. Man könnte milde darauf hinweisen, dass sie als Oppositionspolitikerin nicht ausreichend Sachkenntnis besitzt, und zur Tagesordnung übergehen. Schlimm ist aber der folgende Satz:  “Wir müssen endlich ehrlich sein: Rund ein Viertel unserer Langzeitarbeitslosen wird nie mehr einen regulären Job finden.”  Welche 25 Prozent meint sie? Warum sollen sie nie mehr einen regulären Job finden? – Wer “Hartz IV” bekommt, ist erwerbsfähig; das ist ja gerade die Voraussetzung für den Bezug von “Arbeitslosengeld II”.  Warum sollen Menschen, die voll erwerbsfähig sind, für einen symbolischen Betrag arbeiten? Was hat das mit gerechtem Lohn, mit anständiger Bezahlung für anständige Arbeit zu tun? Und wenn man annimmt, dass diese 25 Prozent nie wieder einen regulären Job finden werden – warum sollen sie dann unter anderem ausgerechnet in der Pflege arbeiten? Entweder sind diese Arbeitslosen dazu in der Lage, einen solchen Job qualifiziert auszuüben – dann kann man sie in normale Arbeitsverhältnisse vermitteln, dann braucht man keine gemeinnützige Arbeit für einen symbolischen Betrag. Oder sie sind nicht dazu in der Lage – dann dürfen sie gar nicht erst in diesem Bereich arbeiten. Das Schlimme an Frau Krafts Vorschlag ist nicht mögliche Unkenntnis. Das Schlimme ist ihr Menschenbild.

Tags: Arbeit, Sozialpolitik
Abgelegt unter Politik & Gesellschaft | 6 Kommentare »

  • Schlagwörter

    Allgemeiner Mindeslohn Arbeit Arbeitsrecht Aufstockung Bank Banken Beratung Bildung Boni Datenschutz Demographie Einzelhandel Energeiwende Energie Entwicklungshilfe Ethik Familie FDP Finanzmarkt Fußball Gesundheit Gewerkschaften Kinder Kinderarbeit Krise Kunde Mindestlohn Mitarbeiterbeteiligung Parteien Rente Rente mit 67 Sonntagsschutz Sozial-Enzyklika Soziale Marktwirtschaft Sozialpolitik Steuern Stiftung Warentest Testkäufer Transferrechte Wachstum Wirtschaft Wirtschaftspolitik Wohlstand Wohlstand; Arbeitsmarkt; Wirtschaft
  • Kategorien

    • Leseecke
    • Politik & Gesellschaft
    • SO! nicht!
  • Seiten

    • SO! – Printausgabe
    • Die SO! regelmäßig im Abo
    • Anzeigen
    • Archiv
    • Impressum
    • Datenschutz & Privatsphäre
  • Archive

    • Februar 2012
    • Januar 2012
    • Juni 2011
    • April 2011
    • Januar 2011
    • Oktober 2010
    • Juli 2010
    • April 2010
    • März 2010
    • Februar 2010
    • Januar 2010
    • Dezember 2009
    • November 2009
    • Oktober 2009
    • September 2009
    • August 2009
    • Juli 2009
    • Juni 2009
    • Mai 2009
    • April 2009
  • Links

    • CDA Deutschlands
    • CDA gegen Kinderarbeit
    • CDA-Verlags GmbH
    • CDU Deutschlands

Soziale Ordnung! Das Magazin der Christlich-Sozialen is proudly powered by WordPress
Einträge (RSS) und Kommentare (RSS).