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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Die christlich-soziale Online-Illustrierte

Mit ‘Ethik’ getaggte Artikel

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Die Enzyklika

Josef Zolk

Papst Benedikt XVI in seiner neuen Enzyklika:
„Der Mensch ist Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft”

„Allen, besonders den Regierenden, die damit beschäftigt sind, den Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen der Welt ein erneuertes Profil zu geben, möchte ich in Erinnerung rufen, dass das erste zu schützende und zu nutzende Kapital der Mensch ist, die Person in ihrer Ganzheit - ist doch der Mensch Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft”, so steht es in Bezug auf frühere Lehrschreiben im Kapitel 25 der ersten Sozialenzyklika Caritas in veritate (Die Liebe in der Wahrheit) des jetzigen Papstes Benedikt XVI.

Papst Benedikt greift ausdrücklich pfadweisende Überlegungen der früheren Sozialenzykliken auf; von Leo XIII bis zu seinem Vorgänger Johannes Paul II. Eingebettet in die grundlegende Überzeugung, dass „der Mensch nicht etwa ein verlorenes Atom in einem Zufalls-Universum, sondern ein Geschöpf Gottes” ist, spricht der Papst eine überraschend deutliche Sprache bei überraschend klaren inhaltlichen Linien. Er schnürt um umfassendes Paket der Soziallehre und setzt Zeichen und Orientierung in der schwierigen Zeit der Wirtschaftskrise für alle, die Verantwortung tragen - ob in der Politik, in der Wirtschaft, in Gewerkschaften und Verbänden; ob als Finanzanleger oder Verbraucher.
Er widmet sich den großen gesellschaftlichen und sozialen Themen:

Im Einzelnen:

• Von der Arbeit muss man leben können.

Er fordert, allen Menschen Zugang zur Arbeit zu verschaffen und für den Erhalt der Arbeitsmöglichkeiten zu sorgen, zumal auch die wirtschaftliche Vernunft es erfordert, den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht zu untergraben. Er hebt die „Würde der Arbeit” hervor. Dazu gehört für den Papst, dass man die Bedürfnisse seiner Familie durch die Arbeit befriedigen kann.

• Ja zu Gewerkschaften und Tarifautonomie

Arbeitnehmervereinigungen sind für den Papst wichtiger den je, zumal Gewerkschaftsorganisationen heute auf Schwierigkeiten stoßen, die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten; Benedikt XVI fordert neue Formen des Zusammenwirkens der Arbeitnehmerorganisationen- nicht nur auf nationaler sondern auch auf internationaler Ebene. Das ist auch ein klares Ja zur Tarifautonomie.

• Keine Kinderarbeit

Eltern müssen in die Lage versetzt werden, ihre Kinder auf die Schule schicken zu können, ohne dass die Kinder selbst arbeiten müssen. Damit prangert Benedikt XVI ausdrücklich den Skandal der Kinderarbeit - vor allem in der dritten Welt - an.

• Kampf dem Hunger und dem Wassermangel in der Welt

Intensiv setzt sich der Papst mit dem Hunger in der Welt auseinander und fordert, dass die „strukturellen Ursachen”, die den Hunger in Teilen der Welt hervorrufen, beseitigt werden und die landwirtschaftliche Entwicklung der ärmsten Länder gefördert wird. Ebenso fordert er eine gerechte Agrarreform in den Entwicklungsländern und solidarische Finanzierungspläne internationaler Institutionen zu Gunsten der Entwicklungsländer. Der Papst fordert ausreichende Ernährung und Zugang zum Wasser als „allgemeine Rechte aller Menschen”.

• Der Markt ist nötig, aber er braucht Moral.

Ausführlich setzt sich die Enzyklika mit dem Markt auseinander und unterstreicht, dass der Markt den Prinzipien der ausgleichenden Gerechtigkeit unterliege. Wenn er die Prinzipien der Gerechtigkeit berücksichtige, sei er nicht in er Lage, für sozialen Zusammenhalt zu sorgen. Das Wirtschaftsleben muss das Gemeinwohl berücksichtigen, für den Ordnungsrahmen dazu muss die Politik sorgen - national und in der globalisierten Welt auch international.
Die „Wirtschaft braucht für ihr korrektes Funktionieren die Ethik”. Die Soziallehre der Kirche leiste hierzu einen besonderen Beitrag, der sich auf die Erschaffung des Menschen als „Abbild Gottes” gründet, eine Tatsache, „von der sich die unverletzliche Würde der menschlichen Person ebenso herleitet wie dertranszendente Wert der moralischen Normen”.

• Unternehmen tragen soziale Verantwortung.

Die Führung der Unternehmen darf nicht allein auf die Interessen der „Hauptaktionäre” achten, sondern muss auch die anderen Beteiligten berücksichtigen, die zum Leben des Unternehmens gehören: Arbeitnehmer, Kunden, Zulieferer. Scharf kritisiert der Papst die „kosmopolitische Klasse der Manager”, die finanzielle Ressourcen zur Spekulation verwenden und nur den kurzfristigen Gewinn suchen und sich nicht um den langfristigen Bestand des Unternehmens sorgen.

• Globalisierung ist weder gut noch schlecht.

Die Globalisierung ist weder gut noch schlecht, sie „wird das sein, was die Menschen daraus machen”. Der Papst macht deutlich, die „geplanten und ausgeführten Globalisierungsprozesse machen auf weltweiter Ebene eine noch nie da gewesene große Neuverteilung des Reichtums möglich; wenn diese Prozesse jedoch schlecht geführt werden, können sie hingegen zu einer Zunahme der Armut und der Ungleichheit führen sowie mit einer Krise die ganze Welt anstecken.” Der Papst ist überzeugt, dass die wirtschaftliche Globalisierung durch nationale und unternationale Politik gelenkt werden muss, um zu verhindern, dass die Globalisierung “de facto die Fundamente die Demokratie untergräbt”.

• Den Bund zwischen Mensch und Umwelt stärken

Der Papst fordert deutlich verringerten Energieverbrauch in den technologisch fortschrittlichen Gesellschaften und eine globale Verantwortung für die Umwelt. Wörtlich schreibt er: „Die Kirche hat Verantwortung für die Schöpfung und muss diese Verantwortung auch öffentlich geltend machen. Und wenn sie das tut, muss sie nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Gaben der Schöpfung verteidigen, die allen gehören. Sie muss vor allem den Menschen gegen seine Selbstzerstörung schützen”.

Tags: Ethik, Sozial-Enzyklika
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Der Papst und die Piraten

Martin Kamp

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“Caritas in Veritate”, die neue Sozial-Enzyklika aus Rom, ist aus vielen Gründen lesenswert.  Sie ist vor allem als Antwort des Papstes auf die Finanzkrise verstanden worden, sicher nicht zu Unrecht. Aber der Papst beklagt auch “übertriebene Formen des Wissensschutzes seitens der reichen Länder durch eine zu strenge Anwendung des Rechtes auf geistiges Eigentum, speziell im medizinischen Bereich”. Er liegt damit erstaunlich nahe bei der Piraten-Partei, die in ihrem Parteiprogramm von einem “veralteten Verständnis von sogenanntem geistigen Eigentum” spricht und sagt, “Patente auf Pharmazeutika haben …  zum Teil ethisch höchst verwerfliche Auswirkungen”.

Dass so unterschiedliche Institutionen wie der Vatikan und die Piraten-Partei in diesem Punkt ähnliche Auffassungen vertreten, mag Zufall sein. Und beide argumentieren gewiss von völlig unterschiedlichen Backgrounds aus. Der Papst ist vor allem in Sorge um die Krankheitsbekämpfung in Entwicklungsländern, während die Piraten alles, was mit geistigem Eigentum zu hat, unter Generalverdacht stellen; der Patentschutz für Arzneimittel ist dabei nur einer von vielen Punkten.

Nun bin ich nach wie vor der Auffassung, dass es in einer Marktwirtschaft klar definierter Eigentumsrechte bedarf und im Zeitalter der Wissensgesellschaft vor allem geistiges Eigentum geschützt werden muss. Ob Bücher, Musik oder Erfindungen - wenn sofort alles frei verfügbar wird, schwindet der Anreiz, Zeit, Geld und Kreativität zu investieren. Und dann gibt es eben weniger gute Romane, Lieder und technische Neuheiten.

Und dennoch  erlaube ich mir für einen Moment  auch die Frage, ob der Papst und die Piraten nicht eine viel grundsätzlichere Frage aufwerfen - die Frage nach einer Logik jenseits der marktwirtschaftlichen, nach einem neuen Verständnis von Arbeit, Produktivität und Eigentum. Die Piraten sprechen von der Freiheit des Wissens und der Kultur, der Papst betont an erstaunlich vielen Stellen seines neuen Lehrschreibens das “Prinzip der Unentgeltlichkeit”. Treffen sich hier mit der katholischen Kirche jene Institution, die schon immer vor Materialismus gewarnt hat, mit den Postmaterialisten? Benedikt wird damit noch lange nicht zum Teil der digitalen Bohème, und die Piraten werden dadurch nicht zu einer seriösen Partei. Aber nachdenken sollte man über diese Aspekte schon.

Tags: Entwicklungshilfe, Ethik, Sozial-Enzyklika
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Mauerriss und Gottvertrauen

Martin Kamp

mauer

“Wie ein Riss in einer hohen Mauer”, so ist das “Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise” überschrieben. Die EKD nimmt damit Bezug auf einen biblischen Text  des Propheten Jesaja. Dort geht es um einen Riss, der sich in eine hohe Mauer frisst, bis diese am Ende zusammenbricht.

Vieles in dem Papier hat man schon an anderer Stelle gehört, etwa die Forderung, dass die Finanzmärkte einer stärkeren Regulierung bedürfen oder dass Konjunkturpakete nachhaltig ausgestaltet werden sollen. Der Text ist aber deshalb so wertvoll, weil er zum einen die Schwächsten in den Mittelpunkt rückt: “Für die wachsende Zahl von Armen ist es besonders hart” schreibt der Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber schon im Vorwort. Und zum anderen zeigt die EKD über allen konkreten politischen Handlungsbedarf hinaus auf, wie wichtig Vertrauen für Wirtschaft und Gesellschaft ist. “Es geht nicht weniger um ein tragfähiges ethisches Fundament. Hier ist die gesamte Gesellschaft gefordert.” Und vom Vertrauen schlägt der Text die Brücke zum Gottvertrauen: Wer sein Vertrauen auf Gott setze, habe gute Aussichten, in Krisen standzuhalten. Und dann zitiert die EKD Dietrich Bonhoeffer: “Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen… In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden werden.”

Den kompletten Text gibt es hier

Tags: Ethik, Krise
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Bildung ist mehr als Fachwissen

Sascha Brok

bildung

Sehr lesenswerter Artikel in der heutigen FAZ (23.06.09) über die Grenzen der MBA-Ausbildung. Frage: hat die Finanzkrise ihren Ursprung auch in einer mangelhaften ethischen Ausbildung…?

hier der link

Tags: Bildung, Ethik, Wirtschaft
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