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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Die christlich-soziale Online-Illustrierte

Mit ‘Entwicklungshilfe’ getaggte Artikel

Gegessen. Gelesen. Und jetzt?

Martin Kamp

rindfleisch

Nein, ich habe an den Weihnachtstagen nicht wie ein Asket gelebt. Es gab reichlich zu essen - und gut. Sylvester und Neujahr wird es - auch wenn der Speiseplan noch nicht steht - vermutlich nicht anders sein.  Kochen macht Spaß - und gutes Essen auch. Das habe ich mir bisher nicht von Fitnesspäpsten und Gesundheitsgurus vermiesen lassen (nicht einmal von Professor Lauterbach das Grillen!).

Und ich habe es immer für zu naiv gehalten, dass mein eigenes entwicklungspolitisches Engagement erst dadurch glaubwürdig werden soll, dass ich mein persönliches Essverhalten ändere. Charity-Galas à la Ute Ohoven haben mich zwar immer angewidert - Luxus-Events gegen den Hunger der Welt. Aber mit meiner “normalen Mischkost”, zu der auch Fisch, Fleisch und gelegentlich auch ein  Stück Rindfleisch gehört, wähnte ich mich doch immer in der ethisch unangreifbaren Ernährungsfraktion. Und das umso mehr, als das eine oder andere bei uns im Kühlschrank und in der Vorratskammer Bio- und Fairtrade-Siegel trägt. Genauso wenig war (und ist) es mein Ding, anderen wegen des Konsums etwa von Fleisch ins Gewissen zu reden. Mit anderen Worten: Wenn es in meiner Küche etwas Saures gibt, dann ist es Essig - und nicht Moralin.

Doch nun bin ich auf das Buch “Kein Brot für die Welt - Die Zukunft der Welternährung” gestoßen - und habe es geradezu verschlungen. Der Autor Wilfried Bommert  erläutert, wie der Klimawandel, Wassermangel und andere Umweltprobleme, die weiter steigende Weltbevölkerung und andere Umstände zu einer Welternährungskrise führen.

Besonders beeindruckend ist, wie er zum einen die Konkurrenz “zwischen Trog und Teller” und die Konkurrenz zwischen “Tank und Teller” beschreibt.

Trog und Teller - das ist der Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Getreidemangel bzw. hohen Getreidepreisen. Um die Jahrtausendwende wurden 40.000.000.000 Hähnchen pro Jahr gemästet. Jedes Hähnchen

“hat zuvor rund drei Kilo Getreide gefressen, um auf sein Gewicht zu kommen. Jedes Kilo Schweinefleisch zusätzlich schlägt mit bis zu vier Kilo Getreide zu Buche und jedes Kilo Rindfleisch sogar mit bis zu neun Kilo Getreideverbrauch.”  (S. 157)

Vereinfacht ausgedrückt: Die Tiere, zumal die Kühe, essen das, was zum Backen von Broten besser verwendet würde.

Tank und Teller - da geht es um Folgendes:

“Wo Pflanzen für Biosprit angebaut werden, können keine Nahrungsmittel wachsen.” (S. 265)

Das sind nur zwei kurze Auszüge aus dem lesenwerten Buch. Es überzeugt dadurch, dass es nicht ideologisch daher kommt, sondern Fakten liefert - und das zuhauf. Es will in erster Linie Wissen vernitteln und nicht ans Gewissen appellieren - und gerade deshalb stellt sich der Leser nach der Lektüre die Frage, was er ganz persönlich ändern sollte.

Wilfried Bommert: “Kein Brot für die Welt- Die Zukunft der Welternährung”, Riemann-Verlag, München 2009.

Tags: Entwicklungshilfe, Ethik, Gesundheit
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Armes Afrika, reiches Afrika

Martin Kamp

afrika12

„Furchtbar, die haben doch schon genug Probleme.” So sollten „alte Hasen” der Entwicklungszusammenarbeit auf die Entdeckung von Erdöl in Burundi reagiert haben. Das schreibt Volker Seitz in seinem neuen Buch: „Afrika wird armregiert”. Seitz war für das Auswärtige Amt in unterschiedlichen Ländern Afrikas tätig, zuletzt vier Jahre als Leiter der Botschaft in Jaunde, Kamerun.

Volker Seitz, Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann, dtv, München 2009, 15,40 Euro

Sein Buch provoziert. Er stellt die Entwicklungshilfe für Afrika in Frage. Ähnlich wie Einnahmen aus Bodenschätzen führe sie nicht zu Wachstum und Reichtum, sondern hemme die Entwicklung. Schuld daran sind korrupte Regierungen in Afrika, die vor allem in die eigene Tasche wirtschaften. Die werden nach Auffassung von Seitz durch Entwicklungshilfe eher noch stabilisiert, Eigeninitiative wird erstickt. „Das Samariterverhalten des Nordens schwächt oder zerstört die Anreize der Empfänger zu eigenen Anstrengungen. Mit unserem Dauermitleid verstärken wir eine Sozialhilfementalität, die in manchen afrikanischen Staaten chronisch ist.” Wohin das führt, zeigt er an Beispielen - auch an diesem: Es gebe mittlerweile in Subsahara-Afrika kaum eine neue Straße, die nicht mit Entwicklungshilfe bezahlt werde. „Für den notwendigen Straßenerhalt fühlen sich die meisten Entwicklungsländer dann ebenfalls nicht zuständig.” Seitz bemängelt auch, dass jährlich rund 20.000 Ärzte und Pflegekräfte Subsahara-Afrika verlassen. „Es darf nicht sein, dass auf den britischen Inseln mehr Ärzte und Krankenschwestern aus Ghana tätig sind als in Ghana selbst.”

Dass Afrika an sich ein reicher Kontinent ist, macht Seitz an verschiedenen Zahlen deutlich: In Schwarzafrika hätten nur 10 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität - und das, obwohl allein die Wasserkraft des Kinshasa-Flusses ausreichen würde, um den gesamten Kontinent mit Strom zu versorgen. Kaffee und Kakao, Gold, Diamanten und Platin, Öl und Tropenhölzer - das alles gebe es reichlich. Doch die Bodenschätze „erzeugen Reichtum für Einzelne und ansonsten Korruption und Blutvergießen”.

Seitz belässt es nicht bei der bloßen Kritik. Er skizziert auch Reformalternativen. Eine afrikanische Regierung, die neues Geld erhalten wolle, solle den Nachweis führen, „wie die bisher mit ausländischen Mitteln gebauten Straßen, Bauten, Pisten, Kanalisationen etc. mit eigenen Mitteln in einem brauchbaren Zustand gehalten werden.” Er fordert konkret nachprüfbare Zwischenziele für die Entwicklungspolitik und einen „Rechnungshof für die Entwicklungshilfe” in Deutschland. Die Landwirtschaft will er stärken - auch durch Marktöffnung und Subventionsabbau bei uns - und Kleinstkredite vergeben, wie es Friedensnobelpreisträger Yunus mit seiner „Grameen Bank” in Bangladesch vorgemacht hat. Er plädiert für Bildung, vor allem Grundbildung, aber auch für bessere Unis. Und er setzt auf die Frauen.

Seitz’ Buch ist also mitnichten eine Aufforderung zum Nichtstun. Egal, ob er in allem Recht hat oder nicht - die Lektüre lohnt allemal. Denn er hält allen entwicklungspolitischen Engagierten den Spiegel vor. Das eigene Tun kritisch reflektieren - das kann nie schaden, selbst man sich am Ende bestätigt sieht. Denn „gut” und „gut gemeint” sind bekanntlich nicht immer dasselbe.

Tags: Entwicklungshilfe
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Der Papst und die Piraten

Martin Kamp

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“Caritas in Veritate”, die neue Sozial-Enzyklika aus Rom, ist aus vielen Gründen lesenswert.  Sie ist vor allem als Antwort des Papstes auf die Finanzkrise verstanden worden, sicher nicht zu Unrecht. Aber der Papst beklagt auch “übertriebene Formen des Wissensschutzes seitens der reichen Länder durch eine zu strenge Anwendung des Rechtes auf geistiges Eigentum, speziell im medizinischen Bereich”. Er liegt damit erstaunlich nahe bei der Piraten-Partei, die in ihrem Parteiprogramm von einem “veralteten Verständnis von sogenanntem geistigen Eigentum” spricht und sagt, “Patente auf Pharmazeutika haben …  zum Teil ethisch höchst verwerfliche Auswirkungen”.

Dass so unterschiedliche Institutionen wie der Vatikan und die Piraten-Partei in diesem Punkt ähnliche Auffassungen vertreten, mag Zufall sein. Und beide argumentieren gewiss von völlig unterschiedlichen Backgrounds aus. Der Papst ist vor allem in Sorge um die Krankheitsbekämpfung in Entwicklungsländern, während die Piraten alles, was mit geistigem Eigentum zu hat, unter Generalverdacht stellen; der Patentschutz für Arzneimittel ist dabei nur einer von vielen Punkten.

Nun bin ich nach wie vor der Auffassung, dass es in einer Marktwirtschaft klar definierter Eigentumsrechte bedarf und im Zeitalter der Wissensgesellschaft vor allem geistiges Eigentum geschützt werden muss. Ob Bücher, Musik oder Erfindungen - wenn sofort alles frei verfügbar wird, schwindet der Anreiz, Zeit, Geld und Kreativität zu investieren. Und dann gibt es eben weniger gute Romane, Lieder und technische Neuheiten.

Und dennoch  erlaube ich mir für einen Moment  auch die Frage, ob der Papst und die Piraten nicht eine viel grundsätzlichere Frage aufwerfen - die Frage nach einer Logik jenseits der marktwirtschaftlichen, nach einem neuen Verständnis von Arbeit, Produktivität und Eigentum. Die Piraten sprechen von der Freiheit des Wissens und der Kultur, der Papst betont an erstaunlich vielen Stellen seines neuen Lehrschreibens das “Prinzip der Unentgeltlichkeit”. Treffen sich hier mit der katholischen Kirche jene Institution, die schon immer vor Materialismus gewarnt hat, mit den Postmaterialisten? Benedikt wird damit noch lange nicht zum Teil der digitalen Bohème, und die Piraten werden dadurch nicht zu einer seriösen Partei. Aber nachdenken sollte man über diese Aspekte schon.

Tags: Entwicklungshilfe, Ethik, Sozial-Enzyklika
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“Kein Geld mehr für Afrika!”

Martin Kamp

afrika12

Das ist nicht die Haltung der CDA, sondern die einer inzwischen prominenten Afrikanerin: Dambisa Moyo, aufgewachsen in Sambia, promovierte Ökonomin und Investmentbankerin, provoziert mit dem Buch “Dead Aid”. Sie vertritt die Auffassung, die Entwicklungshilfe habe versagt und solle - außer die Notfallhilfe - komplett gestrichen werden. “In den vergangenen 50 Jahren sind über zwei Billionen Dollar an Hilfen von den reichen an die armen Länder geflossen. Aber dieses Modell hat nirgendwo auf der Welt wirtschaftlichen Aufschwung gebracht”, sagte sie kürzlich  der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” (FAS). Aufgrund der Hilfe fehlten die Anreize, innovativ zu sein.

Bob Geldof hält dagegen. Er nennt Erfolge. Seit dem Jahr 2000 sei die afrikanische Wirtschaft im Schnitt um jährlich über 5 Prozent gewachsen.  Und weiter: “Heute gehen 34 Millionen Kinder mehr zur Schule als noch vor neun Jahren, drei Millionen bekommen Medikamente gegen Aids. Länder wie Ruanda haben die Zahl der Malaria-Erkrankungen halbiert. Ist das nichts?” So der Pop-Star ebenfalls in der “FAS”.

Recht hat er. Über Art, Umfang und Verbesserung der Effizienz der Entwicklungszusammenarbeit muss man reden. Aber über das Ob der Hilfe sollte man - gerade angesichts der Krise - nicht streiten. Deshalb ist es auch gut, dass die Union sich in ihrem Regierungsprogramm zu den “internationalen Verpflichtungen, die Mittel für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens zu steigern”, bekennt. Das ist meine Auffassung. Oder haltet Ihr das für verbranntes Geld?

Tags: Entwicklungshilfe, Kinderarbeit, Krise
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