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Soziale Ordnung! Interaktives Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Die christlich-soziale Online-Illustrierte

Mit ‘Sozial-Enzyklika’ getaggte Artikel

Austreten? - Eintreten!

Martin Kamp

kreuz

Von einer “dramatischen Austrittswelle unter Katholiken” ist zu lesen. Besonders in den katholischen Gegenden West- und Süddeutschlands sei die Zahl der Austritte drastisch gestiegen. Eine Forsa-Umfrage für die Bild-Zeitung zeigt zudem: Fast ein Viertel aller Katholiken hat überAustritt nachgedacht. Nach Wochen der Berichterstattung über Mixa, Misshandlung und Missbrauchsfällen mag das nicht überraschen. Und Kritik an der Kirche als Institution, an einzelnen ihrer Repräsentanten, an Zölibat und Sexualmoral - das alles ist berechtigt. Aber Kirche ist eben mehr. Kirche hat vor allem mit Glauben zu tun. Und mit der katholischen Soziallehre, mit dem Bekenntnis zur Würde des Menschen, zu Gerechtigkeit und Solidarität verfügt die Kirche über einen großen Schatz. Würde der Arbeit, gerechter Lohn, Gerechtigkeit weltweit, fairer Welthandel - das sind Kernanliegen der katholischen Soziallehre. Die katholische Kirche wird gebraucht. Deshalb sind Kirchenaustritte der falsche Weg.

Tags: Ethik, Sozial-Enzyklika
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Brauchen wir einen AEK?

Martin Kamp

kreuz

Der Arbeitskreis Engagierter Katholiken in CDU und CSU (AEK) macht von sich reden. Der AEK fordert ein klares Profil aus katholischer  Sicht,  mahnt eine Dialog- und Streitkultur an, und der Initiator des AEK, Martin Lohmann, meint, die CDU müsse endlich wieder “den aufrechten Gang lernen und üben”. Nach konkreten Themen, um die es geht, gefragt, nennt Lohmann Bioethik und Familienpolitik.

Doch den AEK-Leuten ist zu sagen: Fordert nicht Diskussionen, führt die Diskussionen - mit klaren inhaltlichen Vorstellungen. Wenn Lohmann davon spricht, dass jede inhaltliche Anregung “gleich mit der Inquisitionsfrage gekontert wird”, so ist das schlichtweg Quatsch. Stichwort Bioethik. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, dass der “Bunte Abend” auf dem CDU-Parteitag 2007 in Hannover sich immer weiter verzögerte, weil die Partei so engagiert über die Stammzellforschung diskutierte.  Man muss die Position Annette Schavans und Angela Merkels in der Forschungspolitik nicht teilen. Aber dass es ein Diskussionsverbot gegeben hätte, kann ich nicht feststellen. Und auch bei der Frage der Patientenverfügungen hat es lebhafte Diskussionen gegeben.

Und das Gleiche gilt in der Familienpolitik. Einmal abgesehen davon, dass ich es gerade als Katholik richtig finde, dass die Union ihr Verhältnis zum Thema Kinderbetreuung und Ganztagsschulen entkrampft hat - niemand verbietet in dieser Frage  irgend jemand dem Mund. Gerade Anfang des Jahres übrigens ist eine nicht unerhebliche Kindergelderhöhung in Kraft getreten. Milliarden also, die direkt an die Familien und nicht in die Betreuungsinfrastruktur fließen. Da müsste der AEK doch jubilieren!

Das Wichtigste aber: Auch wenn der AEK auf seiner Homepage auf das Buch “Das Kapital” von Reinhard Marx verweist; auch wenn in seinem Gründungsaufruf die Rede davon ist, man wolle sich zu sozialen Fragen äußern - in der öffentlichen Auseinandersetzung reduzieren die AEK-Protagonisten die Forderungen des politschen Katholizismus auf Lebensschutz und Stärkung der Familie. Christlich-soziale Positionen spielen praktisch keine Rolle, werden zumindest nicht öffentlich kommuniziert. Dabei ist die katholische Soziallehre - schon seit Bischof Ketteler und spätestens seit “Rerum Novarum” 1891 - der wichtigste Trumpf, den Katholiken in der politischen Auseinandersetzung ausspielen können. Mag auch der Titel der Sozialenzyklika von Papst Benedikt “Caritas in Veritate” die Homepage des AEK zieren - von wirklich christlich-sozialen Forderungen ist beim AEK keine Spur! All das, was den Papst - neben Lebensschutz und Familie - in der Enzyklika bewegt: Würde der Arbeit; Armutsbekämpfung und weltweite Entwicklung; das Scheitern des internationalen Share-Holder-Value-Kapitalismus: Bei den engagierten Unions-Katholiken findet es nicht statt. Stattdessen der dumme Satz von Martin Lohmann in einem Interview: “Wer zu weit links fischt, der kann über Bord gehen und fällt irgendwann aus dem Boot.”

Wir brauchen engagierte Katholiken, die sich in die Politik einmischen. Die aus ihrem Glauben heraus gegen Ausbeutung und für gerechte Löhne streiten. Die sich dafür stark machen, dass Menschen auch im Alter in Würde leben können. Die über den nationalen Tellerrand hinausblicken und auf gerechte Entwicklungschancen für alle Menschen und alle Länder hinwirken. Einen AEK brauchen wir dafür nicht.

Tags: Ethik, Sozial-Enzyklika
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Die Enzyklika

Josef Zolk

Papst Benedikt XVI in seiner neuen Enzyklika:
„Der Mensch ist Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft”

„Allen, besonders den Regierenden, die damit beschäftigt sind, den Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen der Welt ein erneuertes Profil zu geben, möchte ich in Erinnerung rufen, dass das erste zu schützende und zu nutzende Kapital der Mensch ist, die Person in ihrer Ganzheit - ist doch der Mensch Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft”, so steht es in Bezug auf frühere Lehrschreiben im Kapitel 25 der ersten Sozialenzyklika Caritas in veritate (Die Liebe in der Wahrheit) des jetzigen Papstes Benedikt XVI.

Papst Benedikt greift ausdrücklich pfadweisende Überlegungen der früheren Sozialenzykliken auf; von Leo XIII bis zu seinem Vorgänger Johannes Paul II. Eingebettet in die grundlegende Überzeugung, dass „der Mensch nicht etwa ein verlorenes Atom in einem Zufalls-Universum, sondern ein Geschöpf Gottes” ist, spricht der Papst eine überraschend deutliche Sprache bei überraschend klaren inhaltlichen Linien. Er schnürt um umfassendes Paket der Soziallehre und setzt Zeichen und Orientierung in der schwierigen Zeit der Wirtschaftskrise für alle, die Verantwortung tragen - ob in der Politik, in der Wirtschaft, in Gewerkschaften und Verbänden; ob als Finanzanleger oder Verbraucher.
Er widmet sich den großen gesellschaftlichen und sozialen Themen:

Im Einzelnen:

• Von der Arbeit muss man leben können.

Er fordert, allen Menschen Zugang zur Arbeit zu verschaffen und für den Erhalt der Arbeitsmöglichkeiten zu sorgen, zumal auch die wirtschaftliche Vernunft es erfordert, den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht zu untergraben. Er hebt die „Würde der Arbeit” hervor. Dazu gehört für den Papst, dass man die Bedürfnisse seiner Familie durch die Arbeit befriedigen kann.

• Ja zu Gewerkschaften und Tarifautonomie

Arbeitnehmervereinigungen sind für den Papst wichtiger den je, zumal Gewerkschaftsorganisationen heute auf Schwierigkeiten stoßen, die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten; Benedikt XVI fordert neue Formen des Zusammenwirkens der Arbeitnehmerorganisationen- nicht nur auf nationaler sondern auch auf internationaler Ebene. Das ist auch ein klares Ja zur Tarifautonomie.

• Keine Kinderarbeit

Eltern müssen in die Lage versetzt werden, ihre Kinder auf die Schule schicken zu können, ohne dass die Kinder selbst arbeiten müssen. Damit prangert Benedikt XVI ausdrücklich den Skandal der Kinderarbeit - vor allem in der dritten Welt - an.

• Kampf dem Hunger und dem Wassermangel in der Welt

Intensiv setzt sich der Papst mit dem Hunger in der Welt auseinander und fordert, dass die „strukturellen Ursachen”, die den Hunger in Teilen der Welt hervorrufen, beseitigt werden und die landwirtschaftliche Entwicklung der ärmsten Länder gefördert wird. Ebenso fordert er eine gerechte Agrarreform in den Entwicklungsländern und solidarische Finanzierungspläne internationaler Institutionen zu Gunsten der Entwicklungsländer. Der Papst fordert ausreichende Ernährung und Zugang zum Wasser als „allgemeine Rechte aller Menschen”.

• Der Markt ist nötig, aber er braucht Moral.

Ausführlich setzt sich die Enzyklika mit dem Markt auseinander und unterstreicht, dass der Markt den Prinzipien der ausgleichenden Gerechtigkeit unterliege. Wenn er die Prinzipien der Gerechtigkeit berücksichtige, sei er nicht in er Lage, für sozialen Zusammenhalt zu sorgen. Das Wirtschaftsleben muss das Gemeinwohl berücksichtigen, für den Ordnungsrahmen dazu muss die Politik sorgen - national und in der globalisierten Welt auch international.
Die „Wirtschaft braucht für ihr korrektes Funktionieren die Ethik”. Die Soziallehre der Kirche leiste hierzu einen besonderen Beitrag, der sich auf die Erschaffung des Menschen als „Abbild Gottes” gründet, eine Tatsache, „von der sich die unverletzliche Würde der menschlichen Person ebenso herleitet wie dertranszendente Wert der moralischen Normen”.

• Unternehmen tragen soziale Verantwortung.

Die Führung der Unternehmen darf nicht allein auf die Interessen der „Hauptaktionäre” achten, sondern muss auch die anderen Beteiligten berücksichtigen, die zum Leben des Unternehmens gehören: Arbeitnehmer, Kunden, Zulieferer. Scharf kritisiert der Papst die „kosmopolitische Klasse der Manager”, die finanzielle Ressourcen zur Spekulation verwenden und nur den kurzfristigen Gewinn suchen und sich nicht um den langfristigen Bestand des Unternehmens sorgen.

• Globalisierung ist weder gut noch schlecht.

Die Globalisierung ist weder gut noch schlecht, sie „wird das sein, was die Menschen daraus machen”. Der Papst macht deutlich, die „geplanten und ausgeführten Globalisierungsprozesse machen auf weltweiter Ebene eine noch nie da gewesene große Neuverteilung des Reichtums möglich; wenn diese Prozesse jedoch schlecht geführt werden, können sie hingegen zu einer Zunahme der Armut und der Ungleichheit führen sowie mit einer Krise die ganze Welt anstecken.” Der Papst ist überzeugt, dass die wirtschaftliche Globalisierung durch nationale und unternationale Politik gelenkt werden muss, um zu verhindern, dass die Globalisierung “de facto die Fundamente die Demokratie untergräbt”.

• Den Bund zwischen Mensch und Umwelt stärken

Der Papst fordert deutlich verringerten Energieverbrauch in den technologisch fortschrittlichen Gesellschaften und eine globale Verantwortung für die Umwelt. Wörtlich schreibt er: „Die Kirche hat Verantwortung für die Schöpfung und muss diese Verantwortung auch öffentlich geltend machen. Und wenn sie das tut, muss sie nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Gaben der Schöpfung verteidigen, die allen gehören. Sie muss vor allem den Menschen gegen seine Selbstzerstörung schützen”.

Tags: Ethik, Sozial-Enzyklika
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Der Papst und die Piraten

Martin Kamp

copyright

“Caritas in Veritate”, die neue Sozial-Enzyklika aus Rom, ist aus vielen Gründen lesenswert.  Sie ist vor allem als Antwort des Papstes auf die Finanzkrise verstanden worden, sicher nicht zu Unrecht. Aber der Papst beklagt auch “übertriebene Formen des Wissensschutzes seitens der reichen Länder durch eine zu strenge Anwendung des Rechtes auf geistiges Eigentum, speziell im medizinischen Bereich”. Er liegt damit erstaunlich nahe bei der Piraten-Partei, die in ihrem Parteiprogramm von einem “veralteten Verständnis von sogenanntem geistigen Eigentum” spricht und sagt, “Patente auf Pharmazeutika haben …  zum Teil ethisch höchst verwerfliche Auswirkungen”.

Dass so unterschiedliche Institutionen wie der Vatikan und die Piraten-Partei in diesem Punkt ähnliche Auffassungen vertreten, mag Zufall sein. Und beide argumentieren gewiss von völlig unterschiedlichen Backgrounds aus. Der Papst ist vor allem in Sorge um die Krankheitsbekämpfung in Entwicklungsländern, während die Piraten alles, was mit geistigem Eigentum zu hat, unter Generalverdacht stellen; der Patentschutz für Arzneimittel ist dabei nur einer von vielen Punkten.

Nun bin ich nach wie vor der Auffassung, dass es in einer Marktwirtschaft klar definierter Eigentumsrechte bedarf und im Zeitalter der Wissensgesellschaft vor allem geistiges Eigentum geschützt werden muss. Ob Bücher, Musik oder Erfindungen - wenn sofort alles frei verfügbar wird, schwindet der Anreiz, Zeit, Geld und Kreativität zu investieren. Und dann gibt es eben weniger gute Romane, Lieder und technische Neuheiten.

Und dennoch  erlaube ich mir für einen Moment  auch die Frage, ob der Papst und die Piraten nicht eine viel grundsätzlichere Frage aufwerfen - die Frage nach einer Logik jenseits der marktwirtschaftlichen, nach einem neuen Verständnis von Arbeit, Produktivität und Eigentum. Die Piraten sprechen von der Freiheit des Wissens und der Kultur, der Papst betont an erstaunlich vielen Stellen seines neuen Lehrschreibens das “Prinzip der Unentgeltlichkeit”. Treffen sich hier mit der katholischen Kirche jene Institution, die schon immer vor Materialismus gewarnt hat, mit den Postmaterialisten? Benedikt wird damit noch lange nicht zum Teil der digitalen Bohème, und die Piraten werden dadurch nicht zu einer seriösen Partei. Aber nachdenken sollte man über diese Aspekte schon.

Tags: Entwicklungshilfe, Ethik, Sozial-Enzyklika
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Hingucken!

Martin Kamp

urlaub

Urlaubszeit. Man muss sich die Laune  ja nicht vermiesen lassen. Aber die Reisesaison bietet schon Anlass, darüber nachzudenken, was die Ferienzeit für einige Menschen auch heißt. Viele Kinder weltweit übernehmen in den Schulferien Jobs, die mit dem Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit nicht vereinbar sind.

Und schlimmer noch: Millionen von Kindern weltweit sind zur Prostitution gezwungen, werden sexuell ausgebeutet. Die Kunden stammen meist aus den westlichen Industrienationen, womöglich auch aus Deiner und meiner Nachbarschaft. Der Papst findet in seiner neuen Enzyklika “Caritas in Veritate” deutliche Worte und beklagt den Sextourismus, “dem viele Menschen, selbst in jugendlichem Alter, zum Opfer fallen”. Es sei schmerzlich festzustellen, dass dies sich oft mit Zustimmung der örtlichen Regierungen, mit dem Schweigen der Regierungen der Herkunftsländer der Touristen und in Komplizenschaft vieler, die in der Branche tätig seien, abspiele. (CiV, Ziffer 61)

Die Täter, die Freier - sie gehören bestraft! Deshalb ist es wichtig, nicht die Augen zu verschließen und zu schweigen, sondern hinzuschauen und die Täter anzuzeigen!

Tags: Kinderarbeit, Sozial-Enzyklika
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Wem schenke ich meine Steuern?

Jeanette Klauza

steuer-schenken

Der Papst hat in seiner neuen Sozial-Enzyklika eine gute Idee: Entwicklungshilfe durch steuerliche Subsidiarität. Ich könnte also selbst bestimmen, was mit einem Teil meiner Steuern passiert? Das klingt spannend. Stichwort: Selbsthilfeorientierte Armutsbekämpfung, Ausbau der Grundbildung, Brunnenbau, medizinische Versorgung usw. Da fallen mir viele Hilfsprojekte ein, in die mein Geld fließen könnte. Kann ich also nur unterstützen. Wenn da nicht die Gefahr bestünde, dass jemand einen gemeinnützigen Verein gründet, um das Geld am Ende selbst einzusacken. Wäre ja auch keine neue Methode…

Tags: Sozial-Enzyklika
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