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Soziale Ordnung! Das Magazin der Christlich-Sozialen

Hier diskutieren die Christlich-Sozialen

Mit ‘Steuern’ getaggte Artikel

Kaufen oder nicht kaufen?

Martin Kamp

cd

Soll der Staat für viel Geld eine CD mit Daten von Steuersündern kaufen, um noch mehr Geld, nämlich hinterzogene Steuern, eintreiben zu können? Man möchte nicht in der Haut dessen, der die Entscheidung letztlich zu treffen hat, stecken. Denn illegaler Datenklau bzw. Datenhandel soll nicht belohnt werden, vor allem darf es keinen Anreiz für Nachahmer geben.

Wahr ist allerdings auch: Es ist ja nicht so, dass der Rechtsstaat sonst keine “Deals” macht. Wer geständig ist, dessen Strafe fällt geringer aus. Wer als Kronzeuge aussagt, kann ebenfalls mit Strafmilderung, unter Umständen gar mit Straferlass rechnen. Und Steuerhinterziehung – gerade in dem Ausmaß, um das es hier offenbar geht –  ist kein Kavaliersdelikt. Nicht nur, dass der Fiskus die 100 bis 200 Millionen gut gebrauchen könnte, von denen die Rede ist. Kauft der Staat die CD und geht gegen diejenigen, die die Steuern hinterzogen haben, vor, so kann das auch eine abschreckende Wirkung haben. Es führt potenziellen Tätern einmal mehr vor Augen, dass sie damit rechnen müssen, erwischt zu werden. Deshalb – trotz aller Bauchschmerzen: Ja, kaufen!

Tags: Ethik, Steuern
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Lang lebe der komplizierte Sozialstaat – eine Polemik.

Sascha Brok

mitarbeiter

Wie heißt es so schön: Alles muss sich verändern, damit vieles so bleiben kann. Sehr richtig, denn die Welt um uns herum ist eine dynamische, was eine permanente Anpassung der Sozialpolitik notwendig macht. In den letzten Jahren – Jahrzehnten mag man beinahe sagen – ging es vornehmlich um die unzulänglichen und teueren Transferssysteme, die man sich aus Kostengründen und (internationalen) Wettbewerbsnachteilen nicht mehr in dieser Form leisten könne. Das mag bedingt so stimmen, doch ist Effizienz nicht alles, was ein gut funktionierendes System ausmacht.

Ein gutes System muss Rückkopplungen mit seiner Umwelt leisten können, d. h. ein Sozialsystem muss sich der veränderten wirtschaftlichen Lage anpassen. Die Beitragsfinanzierung war da – unter dem Vorbehalt, dass Verbesserungen nie auszuschließen sind – nicht so unerfolgreich in den vergangenen Jahren. Vor allem hat es eines geleistet: Die Verbindung des Leistungszahlers, des Leistungserbringers und des Leistungsempfängers untereinander und unabhängig vom Steuersäckel des Finanzministers. Dieses Konnexitätsprinzip, wie es im Wirtschafswissenschaftsdeutsch so schön heißt, leistet mehr als Effizienz; es schafft eine verantwortliche Verbindung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Denn die beitragsfinanzierte Leistung ist immer noch weniger anonym als die steuerfinanzierte. Nun soll an dieser Stelle nicht in sozialromantischen Träumereien geschwelgt werden. Die Steuermitfinanzierung hat ihre Berechtigung – und zwar nicht nur wegen der versicherungsfremden Leistungen in den Sozialsystemen.

Aber dennoch: Auch das Steuersystem verändert sich. Immer niedrigere Sätze und immer höhere Freibeträge bedeuten, dass immer weniger Menschen einen immer geringeren (finanziellen) Beitrag zu den gemeinschaftlichen Aufgaben leisten (müssen oder sollen). Wir leben also in einer Welt, in der die (finanzielle) Verantwortung für das Gemeinwohl in eine Schieflage geraten ist. Soll das so sein? Ich meine NEIN und plädiere daher – nicht ganz ernst gemeint, aber umso dringlicher - für ein kompliziertes Steuer- und Abgabensystem.

Tags: Sozialpolitik, Steuern
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Popcorn und Partnerwahl – voll oder ermäßigt?

Martin Kamp

nachos

Kürzlich mal im Kino gewesen und Popcorn, Nachos oder Hotdogs gegessen? Oder waren Sie in letzter Zeit einmal Kunde einer Partnervermittlung? – Keine Angst, wir sind nicht neugierig, wollen weder Essgewohnheiten beim Filmegucken noch Ihr Liebesleben ausforschen.  Aber vielleicht interessiert es Sie, dass sowohl der Verkauf der Speisen im Kino als auch die Tätigkeit einer Partnervermittlung in der letzten Zeit das höchste deutsche Gericht, das für Steuerfragen zuständig ist, nämlich den Bundesfinanzhof, beschäftigt hat. Warum?

Ob Popcorn im Kino dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz oder dem normalen, vollen Steuersatz unterliegt, war ebenso strittig wie die Frage, wieviel  Mehrwertsteuer für “Kontaktlisten” anfällt, in der die Kontaktdaten von vermittlungswilligen Damen enthalten sind und die an partnerinnnensuchende Herren verkauft werden. An beiden Fällen wird deutlich, wie verkorkst das deutsche Mehrwertsteuerrecht ist.

Hintergrund: Es gibt einige Waren, für die ein ermäßigter Steuersatz bei der Umsatztsteuer (= Mehrwertsteuer) gilt, darunter Nahrungsmittel. Allerdings nur wenn die Lieferung im Vordergrund steht und nicht eine Dienstleistung – wie im Restaurant. Auch Druckerzeugnisse, also Zeitungen und Bücher, werden mit dem niedrigeren Satz von derzeit 7 Prozent besteuert.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Sowohl für Nachos und Popcorn im Kino als auch für die Listen mit den Daten der Damen gilt der geringere Satz, entschied das Gericht. Denn das Kino ist kein Restaurant, und eine gedruckte Liste ist ein Druckerzeugnis – selbst wenn sie so pikante Informationen wie die Kontaktdaten von Damen enthält.

Doch was sich so einfach anhört, wurde jeweils in mehreren Instanzen hin- und hergewälzt. Und selbstverständlich waren die Entscheidungen nicht.

Im Falle der Liste mit den Kontakdaten de Damen war abzuwägen, ob es sich um die Lieferung eines Druckerzeugnisses handelt oder um eine Dienstleistung. Hatte man für Männer, die eine Partnerin suchten, eine gezielte Vorauswahl getroffen, sie beraten? Dann wäre für diese Dienstleistung der volle Steuersatz fällig gewesen. Der Bundesfinanzhof sah es aber gerade anders, hielt die Listen für nichts weiter als bedrucktes Papier, vergleichbar mit Telefonbüchern. So heißt es in der Begründung des Gerichts unter anderem:

Die Kontaktlisten enthielten – nach Postleitzahlen geordnet – Adressen und Telefonnummern von kontaktwilligen Damen aus dem gesamten Bundesgebiet. Sie waren somit nicht auf die individuellen Wünsche (bspw. Wohnort, Alter, Größe, Figur, Augen- und Haarfarbe) des jeweiligen Interessenten zugeschnitten, sondern wurden für eine unbestimmte Anzahl von kontaktsuchenden Männern hergestellt.

Besonders interessant dann das Resümee:

Aus der Sichtweise des Durchschnittsverbrauchers unterscheidet sich die Kontaktliste insoweit nicht wesentlich von Adress- oder Fernsprechbüchern, die nach allgemeiner Ansicht unter Nr. 49 Buchst. a der Anlage zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 und 2 UStG fallen (vgl. Husmann in Rau/ Dürrwächter, Umsatzsteuergesetz, § 12 Abs. 2 Nr. 1 und 2 Rz 680; Huschens in Vogel/Schwarz, UStG, § 12 Abs. 2 Nr. 1 Rz 221; Langer in Hartmann/Metzenmacher, Umsatzsteuergesetz, § 12 Abs. 2 Nr. 1 Rz 122).

Im Falle des Verkaufs von Fingerfood im Kino hat der Bundesfinanzhof unter anderem die Frage zu klären gehabt, was die Klos in den Kinos steuuerechtlich zu bedeuten haben. Toiletten, Waschmöglichkeiten, Müllentsorgungung nach den Vorstellungen – diese “gesonderte Infrastruktur” hätte der Abgabe von Fingerfood ein “gaststättenähnliches Gepräge” geben können.

Der Bundesfinanzhof verwarf diese Auffassung, weil Vorhalten und Reinigen von Toiletten und Waschmöglichkeiten und die Reinigung der Kinosäle wegen des Kinobetriebs ohnehin erbacht werden müssten. Es seien keine besonderen Vorrichtungen vorgehalten worden, die den Verzehr an Ort und Stelle ermöglichen oder erleichtern sollten. Und wörtlich:

Die Kinobestuhlung allein ist keine besondere Verzehrvorrichtung.

Das Gericht erkannte zwar an, dass mit der Zubereitung des Popcorns eine Dienstleistung erbracht werde.

Die Klägerin hat das Popcorn, die Nachos und die Hot Dogs verzehrfertig zubereitet. Sie hat damit ein gewichtiges Dienstleistungselement erfüllt. Die Aufbereitung von Lebensmitteln in einen zu einem bestimmten Zeitpunkt verzehrfähigen Gegenstand ist nicht notwendig mit ihrer Vermarktung verbunden und deshalb bei der Gesamtbetrachtung dem Dienstleistungsbereich zuzurechnen (BFH-Urteil vom 18. Dezember 2008 V R 55/06, Deutsches Steuerrecht –DStR– 2009, 527).

Für die Feststellung, dass der Dienstleistungscharakter überwiege, müssten aber mindestens zwei Dienstleistungselemente vorliegen. Und das sei nicht der Fall.

Fazit: Ein Klo macht aus einem Kino noch lange kein Restaurant. Und bei der Partnervermittlung immer fertige Listen geben lassen und nicht eine individuell auf den Kunden zugeschnittene Auswahl – dadurch lassen sich Steuern sparen!

Etwas verwirrt und genervt von diesem Text und von den Feinheiten der Umsatzsteuer-Ermäßigung? – Da geht es Ihnen wie vielen.

Zu Recht schreiben CDU und CSU in ihrem Regierungsprogramm zur Bundestagswahl:

Wir wollen eine strukturelle Überprüfung der Vorschriften zur Mehrwertsteuerbelastung mit dem Ziel, nicht mehr zeitgemäße und für die Bürger nicht nachvollziehbare Belastungswirkungen zu korrigieren…

 

Tags: Steuern
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DGB und Union gegen kalte Progression

Martin Kamp

“Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind die Lastesel der Nation. Diese Leistungsträger haben die höchste Steuer- und Abgabenbelastung. Zur Stärkung des privaten Verbrauchs bedarf es einer steuerlichen Entlastung durch die Einführung eines linear progressiven Tarifs in der Lohn- und Einkommenssteuer. Darüber hinaus sollte der kalten Progression über eine regelmäßige Anpassung des Tarifverlaufes an die Lohnentwicklung entgegengewirkt werden.”

Das ist in den Eckpunkten des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Steuerpolitik zu lesen. Eine doch beachtliche Nähe zur Position der Union im Regierungsprogramm zur Bundestagswahl.

Tags: Gewerkschaften, Steuern
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Mehrwertsteuererhöhung – noch einen Schnaps drauf?

Sascha Brok

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Die Diskussion um die Mehrwertsteuererhöhungen mutet wenig vertrauenswürdig an. Da wird um Sätze diskutiert frei nach dem Motto “Höhe egal, einen Schnaps mehr oder weniger das macht nichts!”.

Dabei stimmt es schon, dass die Spaltung des Mehrwertsteuersatzes in vielen Fällen unsystematisch ist. Sieht von Grundbedürfnissen ab (wie Nahrung oder auch sinnvollerweise Bücher), so gibt es doch auch fragliche Regelungen, warum etwa Blumen mit 7%, aufbereitete Gestecke jedoch mit 19% versteuert werden. Über eine grundsätzliche Vereinfachung des einfachen und des normalen MWST-Satzes ist also durchaus nachzudenken. Und auch eine stückweise Umfinanzierung der Staatseinnahmen von direkten zu indirekten Steuern mag sinnvoll sein.

Was jedoch nicht geht, ist die haltlose Diskussion um eine generelle Anhebung des einfachen Satzes. Dies ist sozialpolitischer Unfug und bringt auch keine Luft für den Staatshaushalt. Denn es sind oftmals die eher Mittellosen in unser Gesellschaft, die von einer Erhöhung des einfachen Satzes betroffen wären. Wollen wir dann anschließend eine Debatte um die Erhöhung des Hartz-IV Satzes? Dann wäre fiskalisch nichts gewonnen und zudem ein Keil in die gesellschaftliche Mitte getrieben. Das kann niemand wollen.

Im übrigen, Schnaps unterliegt zusätzlich der Alkoholsteuer; der MWST-Satz spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Aber dennoch: eine Erhöhung des einfachen MWST-Satzes wäre eher ein Schnaps weniger für viele.

Tags: Sozialpolitik, Steuern
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Weg mit den Mittelstandsbäuchen!

Martin Kamp

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Die Union will den Steuertarif ändern – zu Recht. Denn derzeit langt der Staat gerade bei Facharbeitern, bei der Mittelschicht zu. Hintergrund: Der Steuertarif, der “progressiv” ausgestaltet ist. Was sich so nach Fortschritt anhört, heißt nur, dass man auch prozentual von seinem Lohn mehr Steuern bezahlen muss, je mehr man verdient. (Und nicht nur in Euro und Cent.) Ist ja auch gerecht. Aber wenn man nur auf dem Papier mehr Geld kriegt, weil die Lohnsteigerungen von der Inflation aufgefressen werden, heißt das bei unverändertem Steuertarif: Man zahlt mehr Steuern, ohne über eine größere Kaufkraft zu verfügen. Und das ist dann schon nicht mehr so gerecht. Diese “kalte Progression” wollen CDU und CSU weiter abbauen, angefangen hat die Große Koalition bereits damit.
Gut so. Übrigens spricht man auch vom “Mittelstandsbauch” im Steuer-Tarif. Ich freu mich, wenn der verschwindet. Für meinen ganz persönlichen Mittelstandsbauch indes bleibt wohl nur der Weg ins Fitness-Studio. Und bis die Steuerkurve dann richtig abgeflacht ist, hab ich auch mein Waschbrett.

Tags: Steuern
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